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Körperpflege

Grundpflege: Was Pflegende beachten sollten

Körperpflege als Bestandteil der Grundpflege einfach erklärt: Anleitung für die Körperpflege, Ablauf der Ganzkörperwäsche, Materialien und wichtige Tipps für Pflegende.

Ein Bestandteil der Grundpflege ist die Körperpflege. Sie gehört zu den zentralen Aufgaben professionell Pflegender. Dieser Leitfaden erklärt, worauf Pflegende bei der Körperpflege achten sollten, wie eine Ganzkörperwäsche Schritt für Schritt abläuft und welche Materialien benötigt werden. Mit praktischen Tipps für den Pflegealltag. 
 

Wenn professionell Pflegende die Körperpflege übernehmen, dann mit dem Bewusstsein, dass ein Eingriff in die Intimsphäre erfolgt, den kein Mensch gern zulässt. Gefühle wie Scham aber auch Ekel vor sich selbst sind begleitet von Verzweiflung, sich nicht mehr selbst pflegen zu können. Pflegebedürftige Menschen benötigen Zeit für die Auseinandersetzung mit der eigenen veränderten Lebenssituation, ehe sie Unterstützungen akzeptieren und zulassen können. Auf Seiten der Pflegenden erfordert es Sensibilität, Achtsamkeit und Geduld, um diese Probleme wahrzunehmen und sich auf die pflegebedürftige Person einzulassen.

Körperpflege als Teil der Grundpflege

Auch ein pflegebedürftiger Mensch hat ein elementares Bedürfnis, erfrischt zu sein, gut zu riechen und sich wohl zu fühlen. Solange es allein möglich ist, kümmert sich jede Person selbst darum. Dann geht es niemanden etwas an, wann, wie und in welcher Weise die Körperpflege erfolgt. Ob Baden, Duschen oder Waschen, jeder von uns entwickelt alltägliche Rituale, die uns wichtig sind. Ist die Körperpflege nicht mehr allein möglich, müssen wir anderen Menschen deutlich machen, welche Rituale uns wichtig sind und auf was wir verzichten können. Wir müssen andere Menschen ganz nah an uns heranlassen, damit sie sich unserer Hilflosigkeit annehmen. Jemand sieht uns nackt, hilfebedürftig und vielleicht auch ein wenig ungepflegt. Hinzu kommen diverse Krankheitssymptome, eine allgemeine körperliche Schwäche und das Bewusstsein, vielleicht selbst für kleinste Bewegungen einer Unterstützung zu bedürfen. Nahestehende Angehörige oder die Pflegenden greifen dann in einen hochprivaten Lebensbereich ein.

Bedeutung der Körperpflege

Für Pflegende 

  • Die Körperpflege eines anderen Menschen zu übernehmen bedeutet, in einen hochprivaten Intimbereich einzudringen. 

  • Es gilt sensibel auf die Unterstützungsbedürftigkeit einzugehen. Nicht immer gelingt dies ohne Bewertung, gerade wenn eine pflegebedürftige Person ihre persönlichen Ressourcen nicht ausschöpfen möchte. 

  • Hinzukommen Hemmungen, in die Privatsphäre einer anderen Person einzudringen, obwohl es notwendig ist. 

  • Pflegende müssen die Nähe der pflegebedürftigen Person zulassen, auch wenn sie möglicherweise Ekel empfinden.

Ziele:

Die Unterstützung bei der Körperpflege verfolgt verschiedene Pflegeziele:

  • Die pflegebedürftige Person ist ressourcenorientiert aktiviert.
  • Die Selbstpflegekompetenz der betroffenen Person ist gesteigert.
  • Die Bedürfnisse in Bezug auf das körperliche und seelische Wohlbefinden sind erkannt und jederzeit beachtet.
  • Es besteht eine gegenseitige Vertrauensbasis und eine professionelle Pflegebeziehung ist aufgebaut.
  • In der Pflegesituation ist die Sicherheit der unterstützungsbedürftigen Person gewährleistet.
  • Die Intimsphäre bleibt gewahrt.


Für pflegebedürftige Personen

  • Ich muss mich von jemandem ("Fremdem") waschen oder abduschen lassen. 

  • Ich werde von einer mir nicht nahestehenden Person nackt gesehen. 

  • Ich empfinde Scham vor mir und meiner Bedürftigkeit. 

  • Meine zunehmende Gebrechlichkeit macht mir Angst. 

  • Mir ist es peinlich, Hilfe annehmen zu müssen. 

  • In meiner Hilflosigkeit bin ich dankbar für jede Hilfe, die ich erfahre. 

Ziele:

  • Ich bin gern gepflegt und möchte mich wohlfühlen. 

  • Ich möchte weniger hilflos sein und wissen, wie ich trotz meiner Beeinträchtigungen allein zurechtkomme und mich selbst waschen (duschen) und kleiden kann. 

  • Ich möchte eigentlich bei der Körperpflege allein sein. 

  • Ich will meine "Waschgewohnheiten" beibehalten. 

  • Ich möchte selbst entscheiden, wie ich mich pflege. 

  • Ich nehme Unterstützung an, wenn sie sensibel auf meine Bedarfe eingeht. 

Warum ähnliche Ziele oft unterschiedlich erlebt werden

Pflegende und Pflegebedürftige verfolgen also eigentlich ähnliche Ziele. Während die pflegebedürftige Person danach strebt, sich wieder selbst pflegen zu können, zielt die pflegerische Unterstützung darauf ab, dieses Ziel schrittweise zu ermöglichen. Außerdem ist die Unterstützung bei der Körperpflege gut geeignet, die bedürftige Person intensiv zu beobachten, zu befragen und ganz allgemein in ein Gespräch zu kommen. Einerseits festigt sich darüber eine vertrauensvolle Pflegebeziehung, andererseits können neue Pflegeprobleme und auch Ressourcen zeitnah erkannt werden.

Wichtige Beobachtungskriterien während der Körperpflege

  • Zustand der gesamten Haut sowie des Hautturgors und der Hautfarbe 

  • Verletzungen der Haut oder Schleimhäute 

  • Aussehen von Finger- und Zehnägeln sowie Kopf- und Körperhaar 

  • Mundstatus, Aussehen der Zähne, Zunge und Mundschleimhaut 

  • an der Haut sichtbare Infektionszeichen wie Rötung, Schwellung, Überwärmung 

  • Beweglichkeit des Körpers, insbesondere Arme, Beine, Hände, Kopf und Rumpf 

  • Körperhaltung und Balance etwa beim Stehen oder Sitzen am Waschbecken (in der Dusche) 

  • Körperliche Kraft (und Ausdauer) für die notwendigen Bewegungen (Belastungsgrenzen) 

  • Krankheitsbedingte Veränderungen wie Lähmungserscheinungen 

  • Einordnung der Qualität und Art der geäußerten Schmerzen 

  • Erkennen von neurologischen Problemen wie Konzentrationsstörungen und Gedächtnislücken 

  • Motivation der pflegebedürftigen Person und der geäußerte Eigenwille 

  • Zeichen der Wachheit 

E-Learning zum Expertenstandard Mundgesundheit

Eine gute Mundhygiene steigert das Wohlbefinden und kann schweren Erkrankungen sowie Komplikationen vorbeugen. Das E-Learning "Mundhygiene und Mundpflege" zeigt, wie beruflich Pflegende pflegebedürftige Personen bei der Mundpflege unterstützen und die Empfehlungen des Expertenstandards fachgerecht umsetzen. Außerdem erfahren Interessierte, was zu tun ist bei Mundtrockenheit und welche Pflege bei Problemen der Mundschleimhaut sinnvoll ist.

Materialien für die Grundpflege

Prinzipiell können die Handtücher und Waschlappen der pflegebedürftigen Person auch in einer Einrichtung des Gesundheitssystems genutzt werden. Voraussetzung ist dabei, dass ein regelmäßiger Wechsel erfolgen kann. Gut geeignet sind Handtücher und Waschlappen in mehreren Farben, damit eine Zuordnung zu den Körperbereichen, die damit gewaschen werden, einfacher wird. Auch private Seifen und Hautpflegemittel wie Lotion oder Gesichtspflege können weiterbenutzt werden. 

Die Materialien gehören auf einen Nachtschrank oder einen separaten rollbaren Tisch. Bevor das Material dort abgelegt wird, sollte die Fläche desinfiziert werden und private Utensilien aus dem Weg geräumt sein. Zur Vorbereitung gehört auch das Schließen des Fensters, die eventuell notwendige Erhöhung der Zimmertemperatur und das Schaffen eines Bereiches, der ein bisschen Privatsphäre zulässt – eine fahrbare Trennwand zum Beispiel braucht nicht viel Platz und ist einfach zu platzieren. Sich ungestört zu waschen beziehungsweise gewaschen zu werden ist in Krankenhäusern aber oft nicht möglich. Am Morgen können Untersuchungstermine, Blutentnahmen oder auch die Visite den Ablauf unterbrechen. Mit einem Türschild ließe sich dies Problem angehen, doch trotz Empfehlungen (1) wird es in der Praxis selten genutzt. 

Materialien zur Körperpflege:

  • 2-3 Handtücher 

  • 2 Waschlappen (WL) in zwei Farben 

  • 3-5 Einmalwaschlappen 

  • flüssige Seife oder Syndet (oder Flüssigseife der pflegebedürftigen Person) 

  • Hautpflegeprodukte der pflegebedürftigen Person 

  • frische Kleidung 

  • frische Bettwäsche (sofern erforderlich) 

  • 1 Waschschale 

  • eventuell Inkontinenzmaterialien 

  • Spiegel und Kamm 

  • Bürste für Haarpflege 

  • Rasierapparat zur Bartpflege 

  • Zahnbürste, Zahnpasta für die Zahnreinigung 

  • Prothesenbehälter, ggf. Reinigungstabs und eine weiche Bürste für die Prothesenreinigung 

  • Becher für die Mundspülung 

  • Händedesinfektionsmittel 

  • medizinische Einmalhandschuhe 

  • Einmalschürze (feuchtigkeitsdicht) 

  • Flächendesinfektionsmittel 

  • Abwurf (Mülleimer mit Deckel und Wäscheabwurf) 

Ablauf der Ganzkörperpflege Schritt für Schritt

Steht das Material bereit, sind zunächst die individuellen Bedürfnisse der unterstützungsbedürftigen Person abzuklären. Wie umfangreich soll die Körperpflege heute sein? Je nach aktuellem Aktivierungsgrad kann die Körperpflege liegend, halbsitzend, an der Bettkante sitzend oder am Waschbecken erfolgen. Außerdem ist eine Unterstützung beim Duschen möglich. Die Temperatur des Waschwassers, Seifenzusatz und das Bereitlegen der Sachen wird gemeinsam abgesprochen. Kann sich die bedürftige Person nicht mitteilen, empfiehlt es sich zum einen, Informationen bei nahestehenden Angehörigen zu den individuellen Wünschen zu beschaffen und andererseits ein systematisches Waschritual anzuwenden, das an jedem Tag gleichermaßen wiederholt wird. Dieses Muster der Pflegehandlungen stärkt die Wiedererkennungseffekte und vermittelt ein Gefühl der Sicherheit. Der eigentliche Ablauf des Waschens ist den Bedürfnissen und Wünschen der betroffenen Person anzupassen. Das bedeutet auch, sich auf ein Minimum zu beschränken. Möglich wäre der folgende Beginn: Die pflegebedürftige Person prüft zunächst die Wassertemperatur. Mit der jetzt nassen Hand erhält sie einen Waschlappen, den sie für Arme und Oberkörper, aber auch für das Gesicht nutzen kann. Die weitere Reihenfolge des Waschens folgt den Bedürfnissen. 

Der hier vorgestellte Ablauf einer Ganzkörperwäsche im Bett ist demnach eine mögliche Variante von vielen:

  1. Die pflegebedürftige Person prüft die Wassertemperatur durch das Eintauchen mit einer Hand oder einem Unterarm.
  2. Die Pflegefachperson legt zum Nässeschutz ein Handtuch unter den Kopf und Schulterbereich.
  3. Es erfolgt das Waschen des Gesichts ohne Seifen- oder Syndetzusatz. Dabei zunächst Stirn und Wangen waschen, dann die Augen von außen nach innen und am Schluss die Ohren nicht vergessen.
  4. Gesicht gut abtrocknen. Ggf. kann die pflegebedürftige Person dies selbst übernehmen.
  5. Auf Wunsch das Gesicht eincremen.
  6. Nun den Oberkörper entkleiden. Als Sichtschutz und zum Wärmen legt die Pflegeperson eine Decke oder Handtuch über den entkleideten Bereich.
  7. Das Bett wird mit einem Handtuch vor Nässe geschützt. Es liegt unter dem jeweils zu waschenden Bereich.
  8. Nach Wunsch dem Waschwasser Seife oder Syndet zusetzen und den Oberkörper waschen. Dabei deckt die Pflegeperson nur jene Bereiche auf, welche aktuell gewaschen werden.
  9. Im Ablauf zunächst den körperfernen Arm waschen und abtrocknen und anschließend den zweiten Arm (körpernah) waschen und abtrocknen.
  10. Brust und Bauch waschen und abtrocknen.
  11. Nach dem Abtrocknen auf Wunsch die Arme und den Oberkörper eincremen und die Achselhöhlen mit einem patienteneigenen Deodorant besprühen.
  12. Rücken waschen
    1. Variante: Die pflegebedürftige Person aufsetzen lassen und den Rücken waschen und abtrocknen, eventuell Rücken eincremen.
    2. Variante : Wenn sich die unterstützungsbedürftige Person nicht aufsetzen kann, erfolgt das Rückenwaschen in Seitenlage zu einem späteren Zeitpunkt.
  13. Nach dem Waschen und Pflegen des Oberkörpers erfolgt das Ankleiden mit frischer Bekleidung. Bei einer Person mit sehr empfindlicher Haut ist auf die Materialbeschaffenheit zu achten, Druckstellen durch Falten in der Kleidung sind zu vermeiden.
  14. Die Bettdecke entfernen, zusammenlegen und bettnah lagern.
  15. Die Beine und Füße waschen, dabei zunächst das von der Pflegeperson entfernt liegende Bein und den Fuß waschen und mit einem zweiten Handtuch abtrocknen.
  16. Bei Vorliegen einer Infektion an den Füßen zunächst nur die Beine waschen und abtrocknen. Die Füße mit je einem separaten Einmalwaschlappen waschen und sorgfältig mit einem separaten Handtuch abtrocknen (Zehenzwischenräume nicht vergessen!).
  17. Je nach Hautbeschaffenheit und auf Wunsch Beine (und Fersen) eincremen.

Das Tragen von medizinischen Einmalhandschuhen ist bis zu diesem Schritt nicht notwendig. Eine Ausnahme bilden Patientinnen und Patienten mit einer übertragbaren Infektionserkrankung (mechanische Barriere).

FAQ: Grundpflege und Körperpflege in der professionellen Pflege

Was gehört zur Grundpflege?

Zur Grundpflege gehören Körperpflege inklusive Mundpflege, Haarpflege, Rasur und die Pflege der Haut, die Unterstützung bei der Ernährung und der Flüssigkeitsaufnahme, Hilfe bei der Ausscheidung, etwa die Begleitung zur Toilette und die Unterstützung bei einer Intimpflege und dem Wechsel von Inkontinenzmaterialien, Unterstützung bei Bewegung und Mobilität sowie Hilfe beim An- und Auskleiden mit dem Ziel, die Selbstpflegekompetenzen zu stärken bzw. zu erhalten.  

Wie läuft eine Ganzkörperwäsche ab?

Die Ganzkörperwäsche beginnt mit einer Absprache zwischen der pflegebedürftigen und unterstützenden Person zum Umfang und zu den Wünschen für die Körperpflege. Mit diesem Wissen erfolgt die Vorbereitung von Material und Umgebung, gefolgt vom Waschen in einer hygienisch sinnvollen Reihenfolge (beispielsweise Gesicht, Oberkörper, Rücken, Beine, Intimbereich).  

Welche Materialien werden für die Körperpflege benötigt?

Typische Materialien sind Handtücher, Waschlappen, Einmalwaschlappen, Seife oder Syndet, Hautpflegeprodukte, Einmalhandschuhe, frische Kleidung sowie ggf. Inkontinenzmaterialien. Zusätzlich sind Händedesinfektionsmittel und ein Mittel zur Flächendesinfektion erforderlich. 

Wann ist der Einsatz von Einmalwaschlappen sinnvoll?

Einmalwaschlappen eignen sich für die Intimpflege und überall dort, wo Kreuzkontaminationen vermieden werden sollen. Sie können vor allem bei immunsupprimierten Personen dazu beitragen, Infektionen vorzubeugen. 

Wann müssen Pflegende medizinische Einmalhandschuhe tragen?

Medizinische Einmalhandschuhe sind bei Kontakt mit potenziell infektiösem Material Pflicht, etwa im Rahmen einer Intimpflege im Umgang mit Ausscheidungen oder für den Wechsel von Inkontinenzmaterialien. Auch bei Hautinfektionen oder zur Körperpflege bei einer Person mit einem multiresistenten Erreger sind medizinische Einmalhandschuhe zu verwenden. Für die übrige Körperpflege ist das Tragen möglich, aber nicht zwingend vorgeschrieben. 

Was sollten Pflegende bei der Intimpflege beachten?

Wichtig ist eine korrekte Waschrichtung (von vorne nach hinten), die Nutzung separater Waschlappen sowie das gründliche Abtrocknen aller Hautfalten, um Infektionen und Intertrigo vorzubeugen.

Welche Beobachtungen sind während der Körperpflege wichtig?

Pflegende können die Körperpflege für eine unauffällige Beobachtung der Haut und der Schleimhäute nutzen. Gerade diese Pflegesituation eignet sich gut, um weitere Informationen zur Situation der zu pflegenden Person zu erhalten, etwa zur Tagesform und Stimmungslage, zur Motorik und Beweglichkeit, zu Schmerzen oder neurologische Veränderungen sowie zu Veränderungen gegenüber vorherigen Pflegesituationen. 

Wie können Pflegende die Selbstständigkeit unterstützen?

Indem sie Ressourcen der zu pflegenden Person aktivieren, Teilaufgaben übergeben, Zeit geben und die pflegebedürftige Person in Entscheidungen zur Körperpflege einbeziehen.

Wann darf eine Körperpflege auch mal ausfallen?

Niemand muss sich gegen seinen Willen einer Körperpflege unterziehen. Auch in Extremsituationen wie bei Kreislaufinstabilität oder im Sterbeprozess ist die Körperpflege nachrangig. In solchen Fällen beschränkt sich die Körperhygiene auf Mundpflege und eine situationsangepasste Erfrischung der Person. 

Darf eine pflegebedürftige Person die Grundpflege ablehnen? 

Eine pflegebedürftige Person darf eine Pflegeleistung ablehnen (immer dokumentieren!). Eine Ausnahme bildet beispielsweise, wenn Pflegende bei der Person augenscheinlich durchfeuchtete oder mit Ausscheidungen beschmutzte Kleidung entdecken. In solchen Fällen ist diplomatische Geschick gefordert, um zu erläutern, dass es für das Wohlbefinden und für die Haut wichtig ist, eine Intimpflege zuzulassen und die Kleidung zu wechseln.  

Intimpflege fachgerecht durchführen

Das Waschwasser für die Intimpflege sollte ohne Seife vorbereitet sein. Alternativ können ausschließlich Einmalwaschlappen benutzt werden, die am Waschbecken frisch vorbereitet werden. Private Waschlappen sollten eine andere Farbe haben und an einem bestimmten Platz lagern. Bei groben Verschmutzungen werden immer Einmalwaschlappen benutzt.

Und: Zur Intimpflege werden medizinische Einmalhandschuhe getragen!

Intimpflege bei Frauen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Beine aufstellen lassen oder mit Hilfe aufstellen und leicht spreizen lassen,
  2. eventuell Inkontinenzmaterial entfernen beziehungsweise die Unterwäsche ausziehen,
  3. die äußeren Labien waschen, die Waschrichtung führt von den Symphyse Richtung Anus,
  4. die inneren Labien waschen, Waschrichtung wie eben einhalten und gut abtrocknen. Insbesondere Hautfalten sind sorgfältig abzutrocknen, um unangenehmen feuchtigkeitsbedingten Hautveränderungen vorzubeugen.
  5. Zudem kann eine spezielle Hautpflege notwendig sein.

Bei der Nutzung von Einmalwaschlappen gilt: 1 WL für die äußeren Labien, 1 WL für die inneren Labien. UND: Die Waschrichtung bleibt immer gleich, um Schmierinfektionen vorbeugen.

Intimpflege bei Männern: Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. 1 WL Hoden und Penisschaft waschen, dabei die Waschrichtung (siehe Frau) beachten,
  2. Vorhaut zurückziehen,
  3. 1 WL zum Waschen der Eichel,
  4. den gesamten Bereich gut abtrocknen, insbesondere die Hautfalten,
  5. Vorhaut wieder vorschieben.

Für beide Formen der Intimpflege gilt: Auf ungewöhnliche Hautveränderungen, Gerüche und Ausfluss achten.

Rücken- und Gesäßpflege in Seitenlage

Kann die pflegebedürftige Person sich nicht aufsetzen, erfolgt das Waschen des Rückens und des Gesäßes in Seitenlage:

  1. Die pflegebedürftige Person in eine seitliche Position bringen. Zur Sicherheit kann eine 2. Pflegeperson erforderlich sein. Auch ein hochgestelltes Bettseitenteil kann als Haltegriff hilfreich sein, um Sicherheit zu vermitteln.
  2. Das Laken mit einem Handtuch vor Nässe schützen.
  3. Zunächst den Rücken waschen und abtrocknen. Dabei ist zu bedenken, dass die in seitlicher Position liegende Person auf einem Teil des Rückens liegt, der zunächst ungewaschen bleiben muss.
  4. Hautbeobachtung bedenken und nach Bedarf und auf Wunsch ein Hautpflegemittel auftragen.
  5. Die seitliche Position eignet sich zudem für Atemübungen und das Bewegen des oben liegenden Arms.
  6. Waschen des Gesäßes (medizinische Einmalhandschuhe tragen), dabei die Waschrichtung beachten (Vorgehensweise wie bei der Frau). Bei grober Verschmutzung Einmalwaschlappen nutzen.
  7. Haut gut abtrocknen und nach Hautsituation ein Hautpflegemittel auftragen.
  8. Erneuern des Lakens bzw. der Unterlage (falls erforderlich).
  9. Falls erforderlich Inkontinenzmaterial vorbereiten oder Unterwäsche anziehen, soweit dies in dieser Position möglich ist
  10. Im Anschluss positioniert die Pflegeperson die bettlägerige Person auf die andere Seite (das Waschen der anderen Seite von Rücken und Gesäß nach dem Drehen wird oft vergessen).
  11. Waschen der fehlenden Rücken- und Gesäßanteile.
  12. Die betroffene Haut gut abtrocknen und nach Hautsituation ein Hautpflegemittel auftragen.
  13. Unterwäsche bzw. Inkontinenzhose komplett anziehen.
  14. Laken- oder Unterlagenwechsel beenden und die Unterlagen möglichst frei von Falten am Bett einspannen.

15. Zum Abschluss die pflegebedürftige Person in eine für sie bequeme Position bringen und eventuell weiter anziehen.
 

Die Grundpflege erweitern: Mundhygiene, Haar- und Bartpflege 

Entweder vor dem Start der Körperpflege oder zu diesem Zeitpunkt lassen sich weitere zur Grundpflege gehörende Maßnahmen in den Ablauf integrieren. Dazu gehört die Mundhygiene, die Pflege der Kopfhaare und für Männer eine Rasur, sofern gewünscht. Im Anschluss setzt sich der Ablauf in üblicher Weise fort: 

16. Klingel bereitlegen.

17. Das Bett auf eine für die bettlägerige gewünschte Höhe herunterfahren.

18. Den Nachtschrank aufräumen und erneut flächendesinfizieren.

19. Nach Einhalten der Einwirkzeit die privaten Sachen wieder in Griffnähe legen.

20. Eventuell angefallenen Müll und benutzte Wäsche sowie Materialien korrekt entsorgen.

Wichtig bei der Ganzkörperpflege ist die Aktivierung der pflegebedürftigen Person zur Unterstützung und Erhaltung der vorhandenen Selbstpflegekompetenzen. Das stärkt ihr Selbstvertrauen, motiviert und macht beiden Seiten deutlich, wie hoch (oder niedrig) der Unterstützungsbedarf vielleicht auch auf längere Sicht sein könnte. 

Neues von der Körperpflege

Im Verlauf der vergangenen Jahre hat es einige Entwicklungen im Bereich der Pflegematerialien zur Körperpflege gegeben. Inzwischen können Pflegebedürftige mit Feuchttüchern gewaschen werden. Es gibt präparierte Materialien, sodass sogar eine MRSA-Behandlung mit ihnen erfolgen kann. Wasser, Waschschale und andere Waschlappen sind dann nicht mehr notwendig. Ein Paket der Tücher reicht genau für eine komplette Ganzkörperpflege. Sie können mit der Verpackung in der Mikrowelle (für circa 18 Sekunden bei 1000 Watt) erwärmt werden und sind dann angenehm warm für die Anwendung. Feuchttücher halten aber auch Einzug in die Pflege, wenn es um die Intimpflege der unterstützungsbedürftigen Person geht. Die groben Verschmutzungen werden zunächst herkömmlich entfernt, danach können Feuchttücher das Waschen mit Einmalwaschlappen ersetzen. Die Anbieter werben für eine gute Hautverträglichkeit – zum Beispiel durch den Zusatz von Silikon. Auch Seifen beziehungsweise Syndets haben sich weiterentwickelt. Sie haben inzwischen den Anspruch, hypoallergen und bakterizid zu sein sowie für eine Rückfettung der Haut zu sorgen.

Für die Haarwäsche sind neben mobilen Waschwannen mit Abfluss in vielen Ausführungen auch sogenannte Waschhauben entwickelt worden, die eine Haarwäsche ohne Wasserkontakt ermöglichen. Der Kopf und die Halswirbelsäule werden dabei komplett entlastet. Diese Form der Haarwäsche erfordert von den Pflegenden nur noch das Aufsetzen der Haube, das Einhalten der Einwirkzeit und nach dem Entfernen das Trocknen und Frisieren der Haare.

Das Prinzip der Ganzkörperpflege hat sich hingegen wenig verändert. Heute wird insgesamt weniger strikt auf einen bestimmten Ablauf geachtet und es ist selbstverständlich, die Wünsche zu beachten. Dazu gehört auch, in bestimmten Situationen auf die Durchführung einer Grundpflege zu verzichten oder sie auf ein Minimum zu beschränken, etwa im Sterbeprozess.  

Solange hygienisch gearbeitet wird, ist die Reihenfolge für die Körperpflege individuell anpassbar. Wichtig ist, die pflegebedürftige Person zu aktivieren und ihre Ressourcen zu unterstützen. Neu ist die Möglichkeit, gerade in der häuslichen Pflege zum Thema Körperpflege zu beraten und anzuleiten. Mögliche Themen für ein Gespräch betreffen beispielsweise Hilfsmittel für einen sicheren Zugang in die eigene Dusch- oder Badewanne (Informationen zum barrierefreien Umbau des Bades, Maßnahmen zur Sturzprophylaxe im Bad, Haltegriffe, spezielle Sitze oder die Nutzung eines Lifters). 

Typische Fragen zur Grundpflege

Für Pflegelaien aber auch für professionell Pflegende mit jahrelanger Berufserfahrung kommen Fragen auf, die das Thema Ganzkörperpflege betreffen. Für einige Fragen gibt es hier eine Antwort:

Muss das Waschwasser gewechselt werden? 

Bei der Nutzung einer Waschschale ist das Waschwasser zu wechseln, wenn es Seife enthält und beispielsweise eine Intimpflege vorgesehen ist. Wer einen benutzten Waschlappen wieder in das Wasser taucht, sollte sich bewusst hinterfragen: Welche Körperstelle habe ich gewaschen? Liegt dort eine Infektion der Haut vor (beispielsweise eine Pilzinfektion in der Leiste oder an anderen Hautfalten)? Hat das Waschwasser Kontakt mit einem kontaminierten Waschlappen, ist es zu wechseln. Bei der Verwendung von Einmalwaschlappen darf ein benutzter Waschlappen nicht erneut in das Waschwasser getaucht werden. Dann kann auf einen Wasserwechsel verzichtet werden. 

Welche Bereiche dürfen ohne Seife gewaschen werden? 

Die einfache Antwort lautet: der gesamte Körper, wenn dies gewünscht ist oder die pflegebedürftige Person auf verschiedene Hautpflegeprodukte allergisch reagiert. Ansonsten sollte für die Pflege des Intimbereichs und des Gesichts auf Seife verzichtet werden. Gerade der Intimbereich ist empfindlich. Dort sollte das typische Hautmilieu nicht durch Seifennutzung zerstört werden. 

Wann werden Einmalwaschlappen eingesetzt? 

Man nutzt den Einmalwaschlappen für das Waschen des Intimbereiches, wenn man das Waschwasser nicht wechseln möchte und der Einmalwaschlappen beispielsweise direkt am Wasserhahn gut befeuchtet werden kann. Wenn eine Hauterkrankung (zum Beispiel eine Pilzinfektion) vorliegt, nutzt man Einmalwaschlappen, um eine Ausbreitung des Hautproblems zu vermeiden. Einmalwaschlappen eignen sich auch für die gesamte Körperpflege, vor allem dann, wenn die Gefahr besteht, dass durch private Wäschenutzung ein immunabwehrgeschwächter Mensch zusätzlich gefährdet werden würde. 

Organisation der Pflegematerialien für die Grundpflege 

Oft klagen Pflegende über den fehlenden Platz im Patientenzimmer und häufig wissen sie nicht so recht, wohin mit den zur Körperpflege notwendigen Pflegematerialien. Die Waschschale gehört auf eine vorab desinfizierte Fläche des Nachtschrankes. Daneben kommen frische Handtücher und Waschlappen. Hautpflegeprodukte und Seife der pflegebedürftigen Person können auch dort liegen. Benutzte Handtücher erhalten einen Platz auf der anderen Seite neben der Waschschale, verschmutzte Handtücher werden sofort in den Wäscheabwurf gegeben. Nicht benutzte Materialien, die schon direkt am Pflegebett gelagert wurden, dürfen nicht wieder als „sauber" mit zur nächsten unterstützungsbedürftigen Person genommen werden. Diese Materialien müssen vor Ort verbleiben. Die Nutzung von Feuchtpflegetüchern zur Ganzkörperwäsche führt dazu, dass man nur noch mit den Tüchern (eine Packung) und zwei Handtüchern zur pflegebedürftigen Person gehen muss. Platzprobleme gibt es dann nicht mehr. 

Hygienefragen zur hygienischen Händedesinfektion und zum Tragen von medizinischen Einmalhandschuhen 

Immer wieder sind die Unsicherheiten groß, wenn es darum geht, zu entscheiden, wann bei der Ganzkörperpflege der Einsatz der hygienischen Händedesinfektion und das Tragen von medizinischen Einmalhandschuhen erforderlich sind. Mit Blick auf die "five moments" erfolgt die Händedesinfektion unter anderem mit Betreten des  Zimmers, vor jedem Griff an saubere Wäsche oder Kleidung, an Schränke, bei notwendigen Gängen zum Nachbarbett sowie vor und nach jedem Patientenkontakt. Medizinische Einmalhandschuhe während der Körperpflege zu tragen, ist zu jedem Zeitpunkt angezeigt, vor allem wenn damit zu rechnen ist, dass es zu Kontakt mit potenziell infektiösem Material kommt. Das ist beispielsweise bei der Intimpflege und im Umgang mit verschmutzten Inkontinenzmaterialien und Ausscheidungen erforderlich. Denn der Eigenschutz geht an dieser Stelle vor. Muss beispielsweise eine Person aufgrund einer Infektion isoliert werden, so gelten zusätzlich die dafür festgelegten Hygieneregeln, also auch jene für das Tragen von medizinischen Einmalhandschuhen. Bei Unsicherheiten gibt es dazu eine Empfehlung des RKI sowie eine Regelung durch die TRBA 250

Eine häufige Frage lautet auch: Wasche ich erst die Beine und dann die Füße oder ist es egal? Auf diese Frage gibt es keine Pauschalantwort. Liegt eine Pilzinfektion an den Füßen vor, dann sollte man zunächst die Beine waschen und für die Füße gesondert vorgehen, zum Beispiel unter Verwendung von Einmalwaschlappen und einem separaten Handtuch. 

Materialkosten kritisch hinterfragen 

Gerade heute sind Pflegende oft in Eile, huschen durch die Zimmer und für eine konsequente für beide Seiten (Pflegebedürftige und Pflegende) zufriedenstellende Form der Körperpflege bleibt oft zu wenig Zeit. Gerade dieser Aspekt hat sicherlich mit dazu beigetragen, dass neue Pflegeprodukte auf den Markt kommen, die damit werben, einfach im Gebrauch, hygienisch in der Anwendung und zeitsparend zu sein. Bei genauerer Betrachtung dieser Entwicklung ist es sinnvoll, neben den Zeitaspekten und den Auswirkungen für die Pflegebedürftigen auch die Materialkosten kritisch zu hinterfragen. Anstatt zu unterstützen, zu motivieren und die Ressourcen der pflegebedürftigen Person zu aktivieren, wird manchmal oder vielleicht auch häufiger nicht geduldig abgewartet, ob die unterstützungsbedürftige Person sich zumindest in Anteilen selbst waschen kann. Da wird der Waschlappen selbst übernommen, weil es doch schneller geht. Doch die Körperpflege ist als klassische pflegerische Aufgabe eine wichtige Tätigkeit, um den erkrankten und pflegebedürftigen Menschen zu beobachten, miteinander zu sprechen, zu motivieren und zu aktivieren. Diese Neben-Aspekte der Körperpflege werden häufig unterschätzt. Die Unterstützung bei der Körperpflege verkommt in der Pflege gern als täglicher Ballast, der viel von kostbarer Pflegezeit schluckt, aber im Ergebnis nur wenig bringt. Dabei kann gerade diese Form der Unterstützung intensiv dazu beitragen, dass eine vertrauensvolle Pflegebeziehung entsteht. 

Der Artikel erschien erstmals am 4. September 2018 und wurde am 17. März 2026 zuletzt aktualisiert.

Literatur:

(1) Pflege heute, 8. Aufl., 2023 

(2) Thiemes Pflege, 15. Aufl., 2020 

(3) In guten Händen, Band 1: Pflegerische Kernaufgaben, 2007 

(4) In guten Händen, 2010 Pflegebasiswissen, Schülerbuch 

(5) I Care Pflege, 3. überarbeitete Auflage 2025 

(6) Robert-Koch-Institut (RKI) (Hrsg.), 2025: Basishygiene. Online unter: RKI - Basishygiene (Stand: 17.03.2026) 

(7) Aktion Saubere Hände, 2026. Online unter: Aktion Saubere Hände - Aktion Saubere Hände (Stand: 17.03.2026) 

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