• 12.08.2024
  • PflegenIntensiv
Stuhlmanagement

Patientenoutcomes und Arbeitsabläufe verbessern

Universitätsklinikum Regensburg

PflegenIntensiv

Ausgabe 3/2024

Seite 44

Das Management des Stuhlgangs beeinflusst sowohl die Gesundheit und Bedürfnisse der Intensivpatienten als auch die Effizienz der Arbeitsabläufe. Dies betrifft nicht nur eine Diarrhö oder eine Obstipation, sondern vor allem die gezielte Einflussnahme auf die Fließfähigkeit und Ableitung des Stuhls als medizinische Indikation.

Die Pflege von Intensivpatienten erfordert ein umfassendes Management unterschiedlicher Tätigkeiten in einem interdisziplinären Kontext. Dem Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten dient insbesondere ein individuelles sowie effektives Stuhlmanagement. Denn Obstipationen bereiten Patienten nicht nur Schmerzen, die Stuhlinkontinenz kann deren Wohlbefinden und Würde stark beeinträchtigen. Mit der Vermeidung von Komplikationen – etwa einer Inkon­ti­nenz- assoziierten Dermatitis (IAD) – oder Infektionen und mit einer Verbesserung der Arbeitsabläufe des Pflegepersonals lässt sich die Leistung einer Intensivstation vorhersehbarer gestalten.

Ineffizientes Stuhlmanagement

Ungeachtet dieser Bedeutung erfährt das Stuhlmanagement oft eine Vernachlässigung oder erfolgt ineffizient – mit potenziell negativen Auswirkungen auf die Patientenversorgung.

Darmimmobilität. Intensivpatienten sind oft immobilisiert oder bettlägerig. Diese Krankheitsschwere führt zu Darmträgheit und erhöht das Risiko von Stuhl­inkontinenz und Verstopfung. Auch das Ernährungsmanagement, wie die richtige individualisierte Auswahl der Nahrung oder eine verträgliche Sondenkost sowie deren Applikationsgeschwindigkeit, ist ein entscheidender Faktor für die Stuhlgangkonsistenz. Zudem beeinflussen medikamentöse Schmerztherapien, beispielsweise mit Opioiden, die Darmpassage negativ und haben eine belastende Darmimmobilität zur Folge.

Infektionsgefahr. Pathogene Keimbesiedlungen betref­fen nicht nur offene Wunden. Im perianalen Bereich, insbesondere bei Frauen mit transurethraler Katheterisierung, führt eine dauerhafte inkontinente Diarrhö häufig zu E.-coli-Bakterien-bedingten Harnwegs­infektionen.

Hoher Zeit- und Arbeitsaufwand. Das manuelle Um­lagern und die Reinigung der Patienten beanspruchen erhebliche Zeit und Ressourcen des Pflegepersonals. Darüber hinaus erfordern das Wechseln der Bett­wäsche und das Bereitstellen der benötigten Materialien zusätzliche Arbeitszeit und logistischen Aufwand. All das schränkt die Kapazitäten des Pflegepersonals ein und wirkt sich somit negativ auf die Behandlungseffizienz aus.

Gezieltes Stuhlmanagement

Stuhlkonsistenz. Zwar haben sich einige Praktiken im Stuhlmanagement auf Intensivstationen bewährt, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Dennoch ist ein umfassendes Umdenken erforderlich – etwa die Stuhlkonsistenz betreffend. Üblicherweise gilt flüssiger Stuhl – zum Beispiel als Symptom einer Diarrhö – als Abweichung oder Krankheit. Doch lässt sich die Stuhlkonsistenz mithilfe von Medikamenten gezielt beeinflussen, um bei medizinischer Indikation die erforderliche Fließfähigkeit zu ermöglichen. Eine auf diese Weise künstlich hervorgerufene Diarrhö soll den Patienten entlasten. Zuvor ist abzuwägen, welchen Vorteil eine derartige Vorgehensweise mit sich bringt und welche Problematiken dadurch für Patienten entstehen könnten.

Wundversorgung. Im Rahmen der perianalen Wundversorgung sorgt das gezielte Stuhlmanagement dafür, dass der Stuhl nicht mit der Wunde in Kontakt kommt. Dies gelingt über die Einflussnahme auf die Stuhlkonsistenz – mittels Ernährung oder Medikamenten und ohne den Einsatz von Hilfsmitteln. Dann heilen Wunden schneller ab und Infektionen lassen sich vermeiden.

Ganzheitlichkeit. Eine multidisziplinäres Team sollte jeden Patienten stets ganzheitlich betrachten. Im Beispiel der Diarrhö sollte deren Ursache im Fokus stehen. Wenn allerdings weder ein angemessenes Ernährungsmanagement noch eine medikamentöse Therapie der Diarrhö entgegenwirken, stellen Hilfsmittel wie eine Stuhldrainage, Analtampons oder Fäkalkollektoren eine alternative Vorgehensweise dar. Im umgekehrten Fall einer Obstipation lässt sich der abdominelle Druck durch eine gezielte Verflüssigung mittels Medikamenten verringern und der Stuhl kontrolliert über ein effektives Hilfsmittel ableiten.

Medikation, Ernährungsmanagement und der Einsatz geeigneter Hilfsmittel erfordern Fachwissen. Ebenso setzt die Anwendung von Stuhldrainagesystemen eine angemessene Schulung des Pflegepersonals voraus, um den Patienten nicht unnötig zu belasten und die Effektivität dieser Systeme zu gewährleisten.

Effektiv und effizient

Die Identifizierung der Herausforderungen und die Verbindung bewährter Praktiken mit innovativen Ansätzen verbessern das Patientenoutcome. Ein effek­tives Stuhlmanagement trägt nicht nur zur physischen Gesundheit der Patienten bei und verbessert das Patientenoutcome, sondern fördert auch deren Würde, Komfort sowie psychisches Wohlbefinden. Zudem entlastet es das Pflegepersonal und steigert die Effizienz der Arbeitsabläufe.

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