• 12.02.2024
  • PflegenIntensiv
Die Rolle der Pflegefachkraft für Transplantationspflege

Auf das Leben danach vorbereiten

PflegenIntensiv

Ausgabe 1/2024

Seite 16

Patienten auf der Warteliste, Organempfänger und deren Angehörige benötigen im Rahmen der Organtransplantation besondere Unterstützung. Daher sind die fachliche Expertise und Qualifizierung im Pflegeberuf sehr wichtig, um mit individueller Beratung vor, während und nach der Organtransplantation als Mitglied in einem interdisziplinären Team zu unterstützen. Ein Erfahrungsbericht.

Das Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Köln ist spezialisiert auf Nieren-, Bauchspeicheldrüsen- und Lebertransplantationen als postmortale Organspende bei Erwachsenen. Die Nierentransplantation als postmortale Organspende wird auch bei Kindern und Jugendlichen angeboten. Besonderheit ist dabei die Nierenlebendspende bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Liegt dem Transplantationszentrum ein Organ­angebot für Niere, Leber oder Bauchspeicheldrüse vor, kontaktiert das Zentrum die wartende Patientin oder den wartenden Patienten und informiert über die bevorstehende Transplantation.

Vorbereitung auf die Transplantation

Stimmt der Patient zu, wird er in der Zentralen Notaufnahme des Universitätsklinikums Köln aufgenommen und auf den Eingriff vorbereitet. Dazu gehören Voruntersuchungen, in denen das ärztliche Behandlungsteam sicherstellt, dass die Transplantation erfolgen kann.

Nach seiner Aufnahme auf der Transplantationsstation führt eine Pflegefachkraft für Transplantationspflege mit dem Patienten und dessen Angehörigen ein Informationsgespräch, beschreibt den weiteren Ablauf bis zum Abruf in den OP und informiert über anschließende Schulungen.

Sobald die verantwortlichen Ärztinnen oder Ärzte der Transplantationschirurgie und der Anästhesie mit den Betroffenen über die anstehende Organtransplantation gesprochen und schließlich ihre Freigabe für die anstehende Operation gegeben haben, nimmt der Patient zur Vorbereitung auf den Eingriff nach ärzt­licher Anordnung die ersten Immunsuppressiva und weitere Medikamente ein. Wichtig ist, dass er in dieser Phase nüchtern bleibt.

Das zeitnah eintreffende Organ, beispielsweise eine Niere, empfängt das Team der Transplantationsstation, kontrolliert die Kühlung des Organs und füllt gegebenenfalls Eis (Crushed Ice) auf. Das Organ verbleibt in der Kühlbox, die zunächst im Kühlschrank zu lagern ist, bis der Patient im OP-Saal eintrifft und der Eingriff erfolgt.

Handelt es sich bei dem Organ um eine Leber, so wird diese zur Vorbereitung direkt beim OP-Team im Zentral-OP abgegeben.

Behandlung nach dem Eingriff

Nach der Operation wird der Patient zunächst auf die Intensivstation verlegt. Die Übernahme eines Patienten von dieser auf die periphere Transplantationsstation ist je nach Organ unterschiedlich. Im Falle einer Nierentransplantation geschieht dies bereits am Folgetag.

Ist ein Kind der Empfänger der Spenderniere oder eine Jugendliche beziehungsweise ein Jugendlicher und handelt es sich um eine Lebendspende, erfolgt die Betreuung in der hiesigen Kinderklinik unmittelbar nach der Operation. Meist tritt ein Elternteil als Lebendspender auf und wird am Folgetag auf die Transplantationsstation verlegt.

Bei der Leber-, Bauchspeicheldrüsen- oder Nieren- und Bauchspeicheldrüsentransplantation ist die Übernahme auf die Transplantationsstation individuell. Besonders lebertransplantierte Patienten sind nach dem Eingriff häufig in einem deutlich reduzierten Allgemeinzustand und benötigen eine längere Zeit auf der Intensivstation. So leiden diese Patienten oftmals unter Schmerzen, Übelkeit, Obstipation, Müdigkeit oder Appetitlosigkeit.

Das Pflegefachpersonal der Transplantationssta­tion unterstützt und motiviert den Patienten in der Mobilisation und begleitet ihn zudem zwecks Körperpflege ins Bad. Zu den weiteren Versorgungsaufgaben gehören unter anderem die Mundpflege, die Pflege des Blasenverweilkatheters, die Händedesinfektion und das Atemtraining mit dem Triflow-System. Auch das Team der Physiotherapie trainiert den Patienten.

Die bereits vor dem Eingriff verabreichten Immunsuppressiva muss der transplantierte Patient lebenslang zweimal täglich einnehmen, um das Immunsystem zu unterdrücken und Abstoßungsreaktionen des eigenen Körpers zu verhindern. Den Umgang mit diesen und weiteren Medikamenten und deren Einnahme erlernt er frühzeitig auf Station. Das Pflegefachpersonal der Transplantationsstation unterstützt ihn dabei und überwacht die Einhaltung seiner Medikation.

Schulung und Beratung

Zu den weiteren Aufgaben des Teams gehören Beratung und Schulung des Patienten, der Angehörigen und der Lebendspender vor und nach der Transplantation. Dies übernimmt die Pflegefachkraft für Transplantationspflege.

Vor der Transplantation. Im Vorfeld des geplanten Eingriffs haben beispielsweise Nierenlebendspender und/oder Organempfänger grundsätzlich die Möglichkeit, am Universitätsklinikum Köln Termine zur Pflegeberatung im Patienten-Informations-Zentrum (PIZ) zu terminieren. Eine individuelle Beratung ist auch für Angehörige möglich. Dies bieten die Pflegefachkräfte für Transplantationspflege monatlich und individuell an.

Nach der Transplantation. Sobald der transplantierte Patient sich besser fühlt und in der Lage ist, Inhalten zu folgen, terminiert die Pflegefachkraft für Transplantationspflege gemeinsam mit ihm Schulungstermine. Im Rahmen dieser Termine erklärt die Pflegefachkraft für Transplantationspflege, wie der Patient nach seiner Entlassung zu Hause Symptome wie Fieber, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall einzustufen hat und ab wann er tatsächlich ärztlicher Hilfe bedarf.

Berücksichtigen muss die Pflegefachkraft für Transplantationspflege im Zuge der Vereinbarung der Schu lungstermine zu weiteren Themen, ob Angehö­rige bereits zu den ersten Schulungsterminen oder erst zu späteren Terminen einzuplanen sind.

Zusätzlich bespricht sie im Team, ob und wie zusätzlicher Unterstützungsbedarf für den Patienten besteht, etwa aufgrund von Verständigungsschwierig­keiten wegen fehlender Deutschkenntnisse oder um die Motivation des Patienten zu steigern.

Ein Schulungstermin sollte maximal 30 Minuten dauern – getreu dem Motto: „Gut beraten und schulen und nicht mit Informationen überfordern.“ Der Patient kann in diesem Zeitfenster die neuen Verhaltensregeln leichter erlernen und verstehen. Daher ist es sinnvoll, die für die unterschiedlichen Themen vorgesehenen Schulungstermine gemeinsam mit dem Patienten zu planen, um dessen Fragen beantworten zu können und Themen oder Inhalte bei Bedarf zu wiederholen. Zu den Schulungsthemen gehören unter anderem:

  • Medikamente und Nebenwirkungen
  • Ernährung, Vitalzeichen und Gewicht
  • Sport und Hygiene
  • Sexualität und Kinderwunsch
  • Rehabilitation
  • berufliche Wiedereingliederung
  • Sozialdienst und Schwerbehinderung
  • Infektionen und Impfungen
  • Haustiere und Reisen

Weitere Unterstützungsangebote

Patient und Angehörige benötigen in der neuen Situation eine strukturierte Unterstützung. Wichtig ist daher ein empathisches Auftreten des gesamten Teams der Transplantationsstation. Aufgabe ist es dann, den Betroffenen in einfühlsamen Gesprächen Ängste und Sorgen zu nehmen.

Eine weitere Unterstützung sind Selbsthilfegruppen, die das Universitätsklinikum Köln für Patienten und deren Angehörige vorhält. Ärzte und Pflegefachkräfte für Transplantationspflege beraten diese Gruppen begleitend.


Lara Marks
arbeitet seit ihrer Ausbildung zur Krankenschwester im November 1990 in der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral,- Tumor- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Köln. Seit Juni 2002 gehört sie zum Team der Transplantationschirurgie. Im Februar 2012 absolvierte sie als eine der ersten Teilnehmenden in Deutschland eine Weiterbildung zur Pflegefachkraft für Transplantationspflege an der EUCAT Nursing, der Europäischen Akademie für Pflegende. In dieser Funktion arbeitet sie in einem interdisziplinären Team – bestehend unter anderem aus Kolleginnen und Kollegen der Pflege, der Ärzteschaft, des Case Managements, der Physiotherapie, der Anästhesie, der Radiologie, der Diätassistenz, des Entlassungsmanagements, des Sozialdienstes, des Hol- und Bringeservices.

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