• 11.10.2019
  • PflegenIntensiv
Buchbesprechung

Keine Angst vor Operationen

Cropped shot of a team of surgeons working together to perform an operation

PflegenIntensiv

Ausgabe 4/2019

Seite 76

 

Die Monografie "Keine Angst vor Operationen" soll dazu beitragen, Ängste bei Patienten abzubauen und das Vertrauen in das Gesundheits­system und die hoch entwickelte deutsche Medizin zu stärken. Ziel ist der informierte Patient, der das, was mit ihm geschieht, hinterfragen kann.

Jeder operative Eingriff ist mit vielerlei Ängsten und Sorgen der Patientinnen und Patienten (im Folgenden: Patienten) verbunden. Man fürchtet sich vor der Narkose, dem Eingriff an sich und dessen Folgen, vor Komplikationen oder gar Fehlbehandlung, vor Schmerzen, Infektionen, Strahlenschäden usw.

Die Monografie „Keine Angst vor Operationen – Alles zur Patientensicherheit bei chirurgischen Eingriffen“ des emeritierten Chirurgen Prof. Dr. med. Hans W. Keller soll dazu beitragen, Ängste bei Betroffenen abzubauen und das Vertrauen in das Gesundheitssystem und die hoch entwickelte deutsche Medizin zu stärken. Außerdem soll es den medizinischen Laien über viele wesentliche Aspekte einer medizinischen Behandlung, besonders im Zusammenhang mit einer Operation, informieren.

Ein gut informierter Patient versteht besser, was mit ihm geschieht, und kann das Geschehen gezielt hinterfragen. Das erleichtert auch die Arbeit der Ärztinnen und Ärzte, die auf gut vorbereitete Patienten und Angehörige treffen. Das vereinfacht nicht nur die Gesprächsführung, sondern stärkt auch das gegenseitige Vertrauen.

Der Ratgeber bietet in erster Linie dem medizinischen Laien – in einem sehr verständlichen Sprachstil verfasst – Grundlagenwissen über die Qualitätssicherung im Gesundheitswesen. Patientenrechtegesetze und Patientensicherheit werden in dem Buch ebenfalls thematisiert.

Auf dem Weg in die Wissensgesellschaft befinden sich die Gesundheitssysteme moderner Industrienationen derzeit im Umbruch. Die demografische Entwicklung, Innovationen in Diagnostik und Therapie nehmen eine exponierte Stellung in der Medizin ein. Von den Patienten werden heute sachkundige Informationen gefordert. Der Grund für dieses Interesse liegt in der subjektiven Betroffenheit eines Einzelnen beim Thema „Gesundheit“. Die heutige westliche Gesellschaft möchte über Indikatoren des Fortschritts, die die Erhaltung des Lebens und den Wunschtraum Unsterblichkeit erfüllen könnten, mehr als früher informiert werden.

Auf mögliche Komplikationen, u. a. durch Strahlenbelastung, Therapieverfahren zur Antikoagulation, Bluttransfusion und Klinikinfektionen durch Problemkeime, werden nach aktuellen Wissenstand behandelt. Laut einer Befragung unter stationären Krankenhauspatienten im Universitätsklinikum Bonn über die Hygiene im Krankenhaus gaben 13 Prozent der Befragten an, dass sie befürchteten „sehr“ und 49 Prozent „etwas“ von einer nosokomialen Infektion betroffen zu sein.

Auch auf mögliche Behandlungsfehler wird im Speziellen eingegangen. Unterschiedliche Narkoseverfahren, Operationsmethoden, perioperative Interventionen, Analgesie, Chirurgie und Schwangerschaft, Tumorchirurgie und Palliativmedizin sowie die Transplantationsmedizin finden in dem Werk ihren Niederschlag. Dem Buchherausgeber ist es gelungen, Patienten adäquat über die Sicherheit in der operativen Medizin zu informieren und somit ein Großteil der Angst vor einer Operation bzw. Furcht vor einer Krankenhausbehandlung abzubauen. Jeder Operateur sollte aber dem Patienten letztendlich das sichere Gefühl geben, dass er in ihm und seinen Mitarbeitern einen guten Partner hat – was maßgeblich schon zum Therapieerfolg beitragen kann.

Für Patienten und Angehörige liegt mit dem Buch erstmals eine spezielle Einzelschrift von einem renommierten Fachexperten aus der Allgemein-, Bauch- und Thoraxchirurgie sowie Orthopädie und Unfallchirurgie für medizinische Laien vor, durch die und mit der sich ein Betroffener auch selber in die Behandlung einbringen und somit zum bestmöglichen Therapieerfolg beitragen kann. Außerdem werden Hinweise zum Auffinden eines geeigneten Arztes bzw. einer entsprechenden Institution aufgezeigt.

Gerade in einer Zeit, in der ein Mangel an Ärzten und Pflegeberufen zu beklagen ist und nur noch das Notwendigste kommuniziert wird, könnte jede chirurgische Fachdisziplin von dem Buch als exzellenter Patientenratgeber profitieren. Auch Allgemeinmediziner und andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen sollten den Ratgeber kennen und den Patienten als eine wichtige Informationsquelle für ihre aktive Selbstmitwirkung und Mitentscheidung empfehlen.

 

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