• 25.10.2018
  • PflegenIntensiv
Simulationstrainings

Für den Ernstfall gewappnet

PflegenIntensiv

Ausgabe 4/2018

Seite 64

Die Weiterbildung in der Intensiv- und Anästhesiepflege der Uniklinik Köln sieht einen eintägigen Simulationskurs vor, um die bereits erworbenen Fachkenntnisse in das praktische Setting der Anästhesie­pflege zu übertragen. Ziel ist es, die berufliche Handlungskompetenz aktiv zu fördern.

Die Weiterbildung für die Intensivpflege und Anästhesie der Uniklinik Köln (UKK) startet jährlich mit einem Kurs von bis zu 30 Teilnehmern. Ziel der Weiterbildung ist die Erweiterung der beruflichen Handlungskompetenz. Die Weiterbildungs- und Prüfungsverordnung (WBVO-Pflege-NRW 2009) fordert eine Mindeststundenzahl praktischer Weiterbildung von 1 200 Stunden. Davon werden 400 Stunden praktische Weiterbildung im Handlungsfeld der Anästhesie gefordert.

Das Modul 2.7 „Professionelles Handeln im prä-, intra- und postoperativen Umfeld“ bildet die Grundlagen der Anästhesiepflege ab. Die Lernergebnisse des Moduls fordern neben der Patientenübernahme, der Ein- und Ausleitung sowie Durchführung des Anästhesieverfahrens, dass die Weiterbildungsteilnehmer in kritischen Situationen selbstständig Sofortmaßnahmen durchführen und die erforderlichen Abläufe koordinieren können.

Die steigenden Anforderungen in den akutmedizinischen Bereichen führt jedoch dazu, dass Weiterbildungsteilnehmer immer weniger in das komplexe Handlungsfeld der Anästhesie eingearbeitet werden: Praxisanleitungen kommen zu kurz und praktische Lernaufgaben werden nicht besprochen.

Hinzu kommt, dass Teilnehmer, die vor Beginn der Weiterbildung in der Intensivpflege tätig waren, nur über rudimentäre anästhesiologische Kenntnisse verfügen und somit nur anhand des theoretischen Unterrichts sich mit der Anästhesiepflege identifizieren können. Dies führt dazu, dass sich die Lernenden unzureichend auf die verschiedenen Settings in der Anästhesie vorbereitet fühlen. Eine Erweiterung der Handlungskompetenz, um anästhesiebedingten Komplikationen handlungsorientiert zu begegnen, Sofortmaßnahmen einzuleiten, zielgerichtet zu assistieren und Abläufe zu koordinieren, kann in der täglichen Arbeitsroutine nicht erreicht werden.

Handlungskompetenz fördern durch Trainings

Die Ausbildung von praktischen Fertigkeiten spielt in der beruflichen Weiterbildung eine immer größere Rolle. In der Vergangenheit haben sich an den Aus- und Weiterbildungsstätten praxisnahe Skilltrainings als eine geeignete Methode erwiesen, um den Zuwachs an Handlungskompetenz zu fördern.

Um dieses Ziel zu erreichen, sieht das Konzept der Weiterbildung Intensivpflege und Anästhesie der Uniklinik Köln praktische Skill- und Szenarientrainings vor. Diese werden im SkillsLab durchgeführt. Zur Verfügung steht dafür auf dem Campus der Uniklinik Köln das Kölner interdisziplinäre SkillsLab und Simulationszentrum (KISS). Dort werden realitätsnahe Situationen aus dem klinischen Alltag simuliert und geübt. Das KISS verfügt über eine nachgebaute Intensiveinheit, einen OP Saal, Notfallbehandlungs- und Schockräume sowie einen nachgestellten Narkoseeinleitungsraum.

Im Rahmen eines eintägigen Simulationskurses bietet die Weiterbildungsstätte im SkillsLab den „Tag der Anästhesie“ an. An diesem Tag sollen die bereits erworbenen Fachkenntnissen aus der theoretischen Weiterbildung in das praktische Setting der Anästhesiepflege übertragen werden.

In Simulationstrainings kann das Handling und Management anästhesiebedingter Komplikationen und deren Behandlungsstrategien trainiert werden. Der Schwierigkeitsgrad der Simulationen wird dabei an den Ausbildungsstand und die Erfahrungen des Weiterbildungsteilnehmers angepasst. Das hat den Vorteil, dass die Teilnehmer, die über keine praktischen Vorkenntnisse verfügen, praktische Handhabungen und Routinemaßnahmen in einem geschützten Umfeld einüben können.

Ziel des Tages ist es, das professionelle Handeln im Handlungsfeld der Anästhesie zu sichern, berufliche Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erlernen, praktische Erfahrungen zu reflektieren, Hemmschwellen abzubauen und somit Handlungskompetenz in der Anästhesiepflege zu gewinnen. Zudem wird den Teilnehmern der Einstieg in das Arbeitsfeld erleichtert und die Befähigung zur Selbstreflexion erhöht.

Gefördert wird unter anderem auch die interprofessionelle Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen ärztlichem Dienst und Pflege. Weiterer Bestandteil des Tages ist das Erlernen von Routinen, der Umgang mit verschiedenen Hilfsmitteln – Führungsstab, verschiedene Tuben, Videolaryngoskopie etc. – und das sichere Handling des Airway Managements.

Den eintägigen Simulationskurs gestalten und planen die Pädagogen der Weiterbildung, das SkillsLab-Team, ein freigestellter Praxisanleiter der Anästhesiepflege sowie ein Anästhesist der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Der Kurs startet bereits morgens in den Räumlichkeiten des KISS und gliedert sich in folgende Punkte:

  • Wiederholen theoretischer Inhalte
  • Einteilen in Gruppen
  • Best-Practice-Beispiel
  • Zirkeltraining
  • Szenarientraining am Patientensimulator
  • Nachbesprechung („Debriefings“)
  • gemeinsame Evaluation des Tages.

Zu Beginn des Tages werden theoretische Inhalte des Moduls 2.7 kurz wiederholt. Schwerpunkt der Wiederholung sind tagesrelevante Punkte wie Dosierungen, Wirkung und Nebenwirkungen anästhesie-bedeutsamer Medikamente, Erfassen von wesentlichen Patientendaten, der Algorithmus des schwierigen Atemwegs und der Ablauf einer Rapid-Sequenz-Induktion. Die Wiederholung bietet die Möglichkeit, dass alle Weiterbildungsteilnehmer vor Beginn der praktischen Simulationstrainings über den gleichen aktuellen Wissenstand verfügen und Nachfragen geklärt werden können.

Bevor die Skill- und Szenarientrainings an den Patientensimulatoren beginnen, werden die Teilnehmer in Kleingruppen unterteilt. Ziel ist es, dass jeder Teilnehmer mindestens einmal praktisch tätig wird. Die Gruppen erhalten Beobachtungsbögen, die den Fokus auf die Übernahme des Patienten, Kommunikation im Team, die Narkoseeinleitung sowie das praktische Handling in kritischen Situationen legen. Die Beobachtungsbögen dienen der im Anschluss an die Simulation gezielten Reflektion.

Wie läuft der praktische Teil ab?

Der praktische Teil des Tages startet im OP-Saal des SkillsLab. In einem Best-Practice-Beispiel wird allen Teilnehmern die Übernahme eines Patienten in die Anästhesie sowie eine Standard-Narkoseeinleitung demonstriert. Die Demonstration wird durch den erfahrenen Praxisanleiter und den Anästhesisten dargestellt. Anhand des Beispiels soll das Arbeiten in der Anästhesie praktisch und realitätsnah aufgezeigt werden, um erste Barrieren im nicht bekannten Setting abzubauen. Im Anschluss erfolgt durch das SkillsLab-Team eine kurze Einweisung in die Monitoranlage und den Notfallwagen.

Nach einer gemeinsamen Pause findet das Zirkeltraining statt. Das Zirkeltraining besteht aus mehreren Stationen. Hier werden praktische Fertigkeiten unter Anleitung eines Experten trainiert und geschult. Dazu gehören unter anderem die Handhabung der Maskenbeatmung, die endotracheale Intubation, das Kennenlernen von Hilfsmitteln und Verfahren zur Atemwegssicherung sowie die Anwendung von Narkosegeräten.

Schwerpunkt des Tages stellt das anschließende Szenarientraining im nachgebauten Narkoseeinleitungsraum des SkillsLab dar. Anhand von praxisnahen Fällen, die im Vorfeld durch die Pädagogen der Weiterbildung entwickelt wurden, werden verschiedene Atemwegsprobleme und Narkosezwischenfälle simuliert. Durch die technischen Möglichkeiten im KISS kann das SkillsLab-Team anhand von vorbereiteten Regieanweisungen den Patientenmonitor steuern und anästhesiebedingte Komplikationen simulieren. Die praktischen Simulationen werden von einem Beobachtungsraum heraus via Live-Stream mit Video und Tonübertragung von den Kleingruppen verfolgt. Die Kameras in den Räumen ermöglichen, dass die Übungen nachbereitet und anschließend reflektiert werden können.

Im Anschluss an die Szenarien erfolgen die sogenannten „Debriefings“. Hier werden in der Kleingruppe die eindrücklichen Erfahrungen aus den Simulationen mit den Experten besprochen. Durch gezielte Beobachtung, anhand der beschriebenen Beobachtungsbögen und der anschließenden Gruppenreflektion werden Fehler hinterfragt, Handlungen reflektiert und Praxistipps gegeben. Vor allem der Austausch und die Rückmeldungen der einzelnen Gruppenmitglieder sowie die gezielte Selbst­reflektion fördern den Lerneffekt.

Geeignete Methode

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Skill- und Simulationstrainings die Handlungskompetenz fördern und erweitern können. Durch das Einüben von praktischen Fertigkeiten, das Entwickeln von Behandlungsstrategien und die anschließende Gruppen- und Selbstreflektion unterstützt den Theorie-Praxis-Transfer. Zudem wird die interprofessionelle Zusammenarbeit aktiv gefördert. Dadurch kommt es zur verbesserten Kommunikation, Zusammenarbeit und Teamfähigkeit im interprofessionellen Team.

Die Teilnehmer können Hemmschwellen im geschützten Umfeld abbauen und fühlen sich dadurch selbstbewusst und sicher. Vor allem der praxisnahe Bezug führt zum Spaß am Lernen, was letztendlich auch zur Steigerung der Handlungskompetenz führt.

Ein Ausblick für die nächste Planung des Simulationskurses ist, Schauspieler in die verschiedenen Settings der Patientenkommunikation zu integrieren, um noch realitätsgetreuer die Szenarien als kommunikativen Prozess auf der Patientenebene zu sichern.

Bevor die Trainings an den Patientensimulatoren beginnen, werden die Teilnehmer in Kleingruppen unterteilt. Ziel ist es, dass jeder Teilnehmer mindestens einmal praktisch tätig wird

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