• 14.02.2018
  • PflegenIntensiv

Ultraschallgesteuerte Venenpunktion:Auch eine Aufgabe für Pflegende

PflegenIntensiv

Ausgabe 1/2018

Seite 52

Workshop für Änasthesiepflegende Die ultraschallgesteuerte Venenpunktion gewinnt in der Anästhesie zunehmend an Bedeutung. Sie wird zur Optimierung der Arbeitsabläufe am Universitätsklinikum Münster auch von den Fachpflegenden

angewendet. Zwei Anästhesiepflegerinnen bieten regelmäßig Workshops an, um ihre Kollegen umfassend auf die neue Tätigkeit vorzubereiten.

Die ultraschallgesteuerte Regionalanästhesie hat in der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Münster (UKM) schon seit Jahren einen hohen Stellenwert. Ultraschallgesteuerte Prozeduren werden fast täglich durchgeführt und sind somit aus fast allen Teilbereichen der klinischen Anästhesie-Routine und auch aus der intensivmedizinischen Behandlung nicht mehr wegzudenken.

„1000 Knöpfe, welcher ist der richtige?“

Dies bringt mit sich, dass sich alle Mitarbeiter der Anästhesiologie – auch die Pflegenden – sowohl mit der Technik als auch mit den veränderten Arbeitsabläufen ernsthaft auseinandersetzen müssen. Aus diesem Grund wird für die Anästhesiepflegenden des UKM ein entsprechender Pflegeworkshop veranstaltet.

Den Anstoß zu diesem Angebot gab ein Workshop aus dem Jahr 2014, der an Mediziner adressiert war und an dem zwei Krankenpflegerinnen der Anästhesiologie teilnahmen. Die beiden pflegerischen Teilnehmerinnen starteten im selben Jahr ihre Fachweiterbildungen für Anästhesie und Intensivpflege. Im Rahmen der Weiterbildungsordnung muss das Modul „Projektmanagement“ belegt werden. Dieses Modul ist darauf ausgelegt, dass jeder Weiterbildungsteilnehmer eine Projektarbeit für seine eigene Abteilung erstellt.

So wurde die Idee geboren, den Pflegenden der Anästhesiologie eine Fortbildung zum Umgang mit Ultraschallgeräten anzubieten. Dem hohen Schulungsbedarf der pflegerischen Mitarbeiter sollte so nachgekommen werden.

Die beiden Krankenpflegerinnen erstellten zunächst in Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Projektteam eine Broschüre mit dem Titel „1000 Knöpfe, welcher ist der richtige? Eine Kurzanleitung für Anästhesiepflegende zum optimalen Vorbereiten und Assistieren bei ultraschallgesteuerten Punktionen.“

Diese wurde in limitierter Auflage gedruckt und gezielt an die Pflegenden der Anästhesiologie verteilt. Aufgrund der enorm positiven Resonanz und diverser Verbesserungsvorschläge der Kollegen wurde schon kurze Zeit später eine zweite Auflage gedruckt. Dies legte den Grundstein für die weitere intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Ultraschall.

Enormer Andrang

Es entstand schnell die Idee, für die Pflegenden eine spezielle Weiterbildung zum Thema Ultraschallgesteuerte Venenpunktion zu entwickeln. Hierfür belegten die beiden Pflegerinnen, die die Broschüre erstellt hatten, zusätzliche Kurse für ultraschallgesteuerte Punktionen, die in ihrer primären Konzeption für Anästhesisten gedacht waren. Die Inhalte dieser Kurse passten sie auf die Bedürfnisse von Pflegenden an. So entstand in Zusammenarbeit mit einigen ärztlichen Kollegen ein eigener Workshop für Anästhesiepflegende. 2016 fand er zum ersten Mal statt. Die Tutoren dieses Kurses bestanden sowohl aus Pflegenden als auch aus Ärzten.

Der Workshop hatte einen enormen Andrang. Das definierte Ziel war nun nicht mehr ausschließlich die Assistenz bei Regionalanästhesien, sondern auch, dass Pflegende ultraschallgesteuert eine Venenpunktion selbst durchführen können. Anwendung findet dies zum Beispiel, wenn ein Patient bereits in der Narkoseeinleitung liegt und die Venenverhältnisse erschwert sind. So können sich die ärztlichen Kollegen auf andere Dinge konzentrieren, während die Pflegeperson beispielsweise noch einen periphervenösen Zugang legt.

Der Pflegeworkshop findet mindestens einmal im Jahr statt – immer an einem Samstag im Trainingszentrum des UKM. Die Kurse gehen von acht bis 17 Uhr, bis zu 20 Pflegende können teilnehmen. Theorie und Praxis wechseln sich im Laufe des Tages ab, um den Workshop interessant zu gestalten und die Theorie direkt praktisch umsetzen zu können.

Die Teilnehmer werden in Gruppen eingeteilt, die aus maximal vier Teilnehmern bestehen. Bei jeder Übung wechseln der Tutor und das Ultraschallgerät. Man beschäftigt sich ausgiebig mit den unterschiedlichen Ultraschallgeräten der Abteilung, und jeder Teilnehmer muss üben, das Gerät optimal einzustellen.

Nach der Theorie zum Bewegen und Halten des Schallkopfs und welche Nadeln für Punktionen zur Verfügung stehen, wird die praktische ultraschallgestützte Punktion an sogenannten Gelatine-Dummys durchgeführt. Hier erlernen die Teilnehmer die Nadelhaltung und das Zusammenspiel von Nadel und Ultraschallkopf.

Der nächste große Theorieblock ist die ultraschallgesteuerte Punktion peripherer und zentraler Gefäße. Als praktische Übung wird das Verfolgen von Gefäßen am Unterarm und die Darstellung zentraler Gefäße, wie der Vena jugularis interna und Vena subclavia mit ihren jeweiligen Begleitstrukturen, durchgeführt. In den Gruppen stellt sich einer der vier Teilnehmer zum Verfolgen der Gefäße zur Verfügung, ein weiterer führt die Verfolgung der Gefäße durch und die anderen zwei Teilnehmer stellen das Gerät optimal ein. Danach rotieren die Teilnehmer durch.

Enorm wichtig beim Umgang mit dem Ultraschall sind die hygienischen Aspekte. Im Workshop wird daher auch vermittelt, wie die Geräte und Schallköpfe gereinigt werden dürfen und welche allgemeinen hygienischen Aspekte bei den Punktionen beachtet werden müssen.

Als letzter theoretischer Teil erfolgt die Sichtbarkeit der verschiedenen Kanülen im Gewebe. Hier wird auf den Schliff der verschiedenen Kanülen eingegangen, aber auch auf sogenannte echogene und nicht-echogene Nadeln. Um dies in der Praxis zu sehen, erfolgt anschließend die Punktion an einem Stück Schweinefleisch.

Zum Abschluss erhält jeder Teilnehmer die Broschüre als Handout, in der alles Wichtige zusammengefasst ist.

Workshop findet weiter statt

Die ultraschallgestützte Venenpunktion ist eine große Hilfe im Anästhesiealltag. Der Workshop soll daher weiter stattfinden – in abgewandelter Form auch für die Intensivpflegenden. Mittlerweile werden auch Schulungen von kompletten Anästhesieabteilungen angeboten, um das Miteinander zu stärken sowie um die Fortbildungen individuell auf die Bedürfnisse von Ärzten und Anästhesiepflegenden anpassen zu können. Dies bedingt Vorträge und Workshop-Anteile, die teilweise gemeinsam im Team und teilweise nur für Ärzte beziehungsweise Pflegende durchgeführt werden.

Ultraschallgesteuerte Prozeduren haben die Arbeitsabläufe der Anästhesisten in den vergangenen Jahren drastisch verändert. Im Bereich der Anästhesiepflege wird diese Umstellung ebenfalls kommen. Zum aktuellen Zeitpunkt stehen wir an der Schwelle einer großen Veränderung unseres Tätigkeitsfelds, die wir durch gute Fortbildung unterstützen und mitgestalten können.

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