• 14.02.2018
  • PflegenIntensiv
Qualitätsindikatoren der DIVI

Stärken und Schwächen aufdecken

Klinikum Kassel Intensivpflege

PflegenIntensiv

Ausgabe 1/2018

Seite 22

 

Wie können Patienten auf einer Intensivstation noch erfolgreicher und sicherer behandelt werden? Eine Antwort auf diese Frage liefern die Qualitätsindikatoren im Rahmen des Peer Review. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat die Qualitätsindikatoren kürzlich überarbeitet und neu veröffentlicht.

Teams von Intensivstationen können im Rahmen des Peer Review ihre Arbeit freiwillig und vertraulich durch Fachkollegen begutachten und beraten lassen, um Stärken und Schwächen zu entdecken. Grundlage für die Begutachtung ist unter anderem ein Katalog von zehn Indikatoren, anhand derer sich die Qualität einer Intensivstation gut einschätzen und messen lässt (Abb. 1).

Dieser Katalog wird alle vier Jahre durch ausgewiesene Experten überarbeitet und an den Stand des medizinischen Wissens angepasst. Die jüngste, dritte Auflage wurde Mitte 2017 fertiggestellt. Der wissenschaftliche Erkenntnisfortschritt der vergangenen Jahre ist in die neuen Qualitätsindikatoren eingeflossen.

 

Frühmobilisation neu aufgenommen

Ganz neu aufgenommen wurde der Indikator „Frühmobilisation“. Damit wird erstmals auch die Bedeutung der Physiotherapie für den Patienten betont. Denn wenn Intensivpatienten schon in den ersten Tagen im Krankenbett mit angeleiteten beziehungsweise passiven Bewegungsübungen beginnen, können beispielsweise dem Verlust von Muskel- und Lungenfunktionen, aber auch der kognitiven Fähigkeiten wirksam vorgebeugt werden.

In diesem Feld wird beim Peer Review auch berücksichtigt, ob ein Krankenhaus Standards für die Lagerungstherapie festgelegt hat und befolgt. Es ist belegt, dass Positionsveränderungen des Patienten positive Auswirkungen haben. Je nach Erkrankungsbild und individuellem Risiko sind beispielweise Bauchlage, Seitenlagerung oder die Hochlagerung des Oberkörpers angezeigt, während anhaltendes flaches Liegen auf dem Rücken mit tief liegendem Kopf eher schädlich sei.

Im Peer Review wird künftig zudem noch stärker auf das Infektionsmanagement der Station geachtet. Bereits in den vergangenen Jahren wurde im Peer Review untersucht, ob auf der Intensivstation bakterielle Entzündungen so früh wie möglich mit Antibiotika behandelt wurden, sofern das notwendig war.

In den neuen Qualitätskriterien ist zusätzlich aufgenommen, dass frühzeitig eine mikrobiologische Diagnostik erfolgen soll, bevor das passende Antibiotikum gegeben wird.

Auch sollen unnötige Antibiotikagaben vermieden werden. Für eine optimale Behandlungsqualität ist auch die Einbeziehung von infektiologisch speziell ausgebildeten Ärzten notwendig. Ein gutes Intensivteam beachtet außerdem konsequent die Leit- linien von Fachgesellschaften zur Diagnostik und Behandlung von Infektionen.

Tägliche Visitenziele spezifiziert

Konkretisiert wurden in der dritten Auflage der Qualitätsindikatoren auch, welche Ziele als Ergebnisse der täglichen Visite festgehalten werden sollen.

Die professionelle Kommunikation und Dokumentation dieser Behandlungsziele sind für den Patienten nachweislich vorteilhaft. Alle Ärzte, Pflegende und Therapeuten müssen wissen, was für den betreffenden Patienten kurz- und mittelfristig erreicht werden soll.

In jedem einzelnen Fall ist daher festzuhalten, welche Ziele unter anderem für die Ernährung, den Flüssigkeitshaushalt, die Beatmung, die Schmerztherapie und die Narkose des Patienten von den Behandlern angestrebt wird.

Auch sollen sie für jeden Patienten die geplanten Untersuchungen und Therapiemaßnahmen abstimmen und klären, welche Schritte und Ergebnisse mit den Angehörigen besprochen werden müssen.

Ergebnisorientiertes Verfahren

Die Stärke solcher Qualitätsindikatoren bestehen darin, dass sie nicht durch Fachfremde wie beispielsweise Ökonomen definiert sind, sondern anhand strenger wissenschaftlicher Kriterien durch Experten der medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in der DIVI.

Diese achten zudem darauf, dass jeder Faktor relevant für das Überleben und die Genesungsaussichten von Intensivpatienten ist. Das Peer Review konzentriert sich darauf, was davon tatsächlich vor Ort am Patienten ankommt. Deshalb wird jede Intensivstation, die an dem Verfahren teilnimmt, einen Tag lang von erfahrenen Ärzten und Pflegekräften besucht.

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