• 01.11.2017
  • PflegenIntensiv
PACU24

"Das Konzept hat sich etabliert"

Nicole Trenn, 36, ist Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege in der anästhesiologischen Abteilung des Universitäts-krankenhauses Hamburg-Eppendorf. Mail: n.trenn@uke.de

PflegenIntensiv

Ausgabe 4/2017

Seite 66

 

Im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf werden Patienten, die nach einer Operation mehr Zeit für die Erholung benötigen, rund um die Uhr auf der postoperativen Überwachungsstation PACU 24 (post anesthesia care unit) versorgt. Über die bisherigen Erfahrungen sprachen wir mit Nicole Trenn, die den Aufbau der Station pflegerisch begleitete.

Frau Trenn, die Überwachungsstation PACU 24 startete im November 2015 als Pilotprojekt. Wie ist es dazu gekommen?

Die Intention für die Etablierung einer anästhesiologischen Überwachungsstation war, Patienten nach bestimmten Operationen oder mit bestimmten Vorerkrankungen eine intensive Versorgung über 24 Stunden mit kontinuierlicher Überwachung zu ermöglichen. Das Pilotprojekt wurde von mir im Juni 2015 nach eingeleiteten Vorbereitungsmaßnahmen übernommen. Im November desselben Jahres konnte der Stationsbetrieb als Teil des Anästhesiefunktionsdienstes aufgenommen werden.

Welche Berufsgruppen waren am Projekt beteiligt?

Der Aufbau der PACU 24 erfolgte durch ein interdisziplinäres Projektteam, das sich aus einem Oberarzt der Anästhesie, einer Hygienefachkraft und mir als pflegerische Leitung zusammensetzte. Ebenso wirkten meine Zentrumsleitung, der Chef der Anästhesie und die kaufmännische Leitung mit.

Welche Patienten werden in der PACU 24 versorgt?

Indikationen für einen verlängerten Überwachungszeitraum mit intensiven pflegerischen und ärztlichen Maßnahmen sind unter anderem eine hohe Nachblutungsgefahr nach bestimmten Operationen, hämodynamische Instabilität und Patienten mit dem Obstruktiven Schlafapnoesyndrom (OSAS).

Welche Operationen stellen eine Indikation für die PACU 24 dar?

Dies sind typischerweise Debulking-OPs, Leberteilresektionen, Eingriffe der Wirbelsäulenchirurgie und Nasen-OPs in Kombination mit bestimmten Vorerkrankungen wie der OSAS. Letztendlich ist immer das Gesamtbild des Patienten und der Verlauf einer Operation ausschlaggebend, ob eine Aufnahme in die PACU 24 erfolgt oder nicht.

Welche Vorteile bietet die PACU 24 im Vergleich zum herkömmlichen Aufwachraum?

Mit der PACU 24 stehen innerhalb des Aufwachraums zwei räumlich abgetrennte Bereiche mit insgesamt acht Bettplätzen zur Verfügung, die eine intensive Versorgung gewährleisten – mit einem hohen Maß an Ruhe und Privatsphäre. Im Notfall besteht immer eine kurze Anbindung an den OP; auch das ist natürlich ein Vorteil. Die PACU 24 entlastet zudem die Kollegen des Aufwachraums, der Intensivstationen und der peripheren Stationen.

Wie ist die PACU 24 besetzt?

Wir arbeiten im Drei-Schicht-System von Montagnachmittag bis Samstagfrüh. Jede Schicht ist mit zwei Pflegenden und einem Facharzt besetzt. Im Früh- und Spätdienst stehen dem pflegerischen Team zusätzlich Medizinstudenten zur Verfügung, um eine ganzheitliche Versorgung der Patienten gewährleisten zu können. Ebenso wird unser Team seit kurzem von einer Medizinischen Fachangestellten unterstützt, die für administrative Aufgaben zuständig ist. Physiotherapeuten sind ebenfalls Teil des PACU 24-Teams; hierzu läuft derzeit ein Pilotprojekt. Die Kollegen unterstützen uns im Wesentlichen bei der Frühmobilisation.

Wie unterscheidet sich die pflegerische Versorgung in der PACU 24 von jener im Aufwachraum?

Die Versorgung unterscheidet sich erheblich, denn im Aufwachraum werden die Patienten in der Regel nach einer halben oder Dreiviertelstunde auf die peripheren Stationen verlegt. Hierzu müssen bestimmte Entlassungskriterien erfüllt sein, wie hämodynamische Stabilität ohne Einsatz kreislaufunterstützender Medikamente. Ebenso muss der Score-Wert auf der Nummerischen Ratingskala (NRS) weniger als 3 betragen – die Patienten müssen also weitgehend schmerzfrei sein. Darüber hinaus müssen therapeutische Maßnahmen eingeleitet sein, um postoperativer Übelkeit vorzubeugen.

Sie haben für die PACU 24 ein spezielles Pflegekonzept entwickelt. Wie sieht dieses aus?

Die Patienten der PACU 24 erhalten zusätzlich ein umfassendes pflegerisches Therapieangebot. Beispielsweise erfolgen in der Regel bereits am OP-Tag die Frühmobilisierung und eine intensive Therapie mit atemunterstützenden Maßnahmen. Hierzu zählt der Einsatz von Atemtherapie- geräten unterschiedlicher Art. Voraussetzung ist, dass der Patient weitgehend schmerzfrei und hämodynamisch stabil ist.

Welche Pflegemaßnahmen erfolgen darüber hinaus?

Die Pflegenden der PACU 24 kümmern sich intensiv und ganzheitlich um die Versorgung der Patienten, insbesondere um das Schmerzmanagement und die Therapie von postanästhesiologisch auftretender Übelkeit. Weitere pflegerische Schwerpunkte sind die Entwöhnung von der Sauerstofftherapie, das frühzeitige Ernährungsmanagement und die individuelle Atemtherapie.

Wie sieht diese aus?

Wir verwenden unterschiedliche Produkte zur Atemtherapie, wie den Atem-Coach 2 oder den y-Trainer. Ebenso erfolgt je nach Bedarf eine Atemtherapie durch nicht-invasive Beatmungsgeräte. Hierfür steht speziell geschultes Personal zur Verfügung. Zur Atemtherapie zählen auch atemunterstützende Maßnahmen im Rahmen atemstimulierender Einreibung und die bereits angesprochene Frühmobilisierung.

Die mittlerweile in die Regelversorgung überführte PACU 24 besteht nun seit knapp zwei Jahren. Ihr vorläufiges Resümee?

Es hat sich gezeigt, dass Patienten, die nach einer Operation einer erhöhten Aufmerksamkeit bedürfen, sehr gut in der PACU24 betreut werden können. Es lassen sich zahlreiche Vorteile aufzählen: Patienten erhalten umgehend eine adäquate Schmerztherapie und werden so früh wie möglich mobilisiert. Zudem kann sofort ohne Zeitverlust mit der Atemtherapie begonnen werden und es ist eine kontinuierliche Überwachung gewährleistet. Wenn es zu einem unvorhersehbaren Ereignis kommt, sind die Wege kurz und man kann sofort reagieren. Nach fast zwei Jahren Betrieb lässt sich sagen, dass das Konzept der PACU 24 gut in der Anästhesie-Abteilung etabliert ist. Von Patienten und Angehörigen erhalten wir häufig positives Feedback über die intensive Betreuung der Patienten, die nach einer Operation über 24 Stunden intensiv betreut werden müssen.

Frau Trenn, weiterhin viel Erfolg und besten Dank für das Gespräch.

 

 

 

 

 

 

 

 

   

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