• 01.11.2017
  • PflegenIntensiv
Notaufnahme

Der Patient im Fokus

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PflegenIntensiv

Ausgabe 4/2017

Seite 61

Die Notaufnahme des Klinikums Pinneberg hat ein Bereichspflegesystem entwickelt, um die Patientenorientierung zu erhöhen, Abläufe besser zu strukturieren und die Arbeitsbelastung zu reduzieren.

Zentrale Notaufnahmen (ZNA) arbeiten in der Regel nach dem Prinzip der Funktionspflege. Patienten werden von der diensthabenden Schichtleitung triagiert, EKG und Blutentnahme erledigt eine andere Pflegekraft, weiterführende Maßnahmen und eventuelle Transporte innerhalb des Klinikums übernimmt eine dritte Person. Wenn in dieser Zeit noch ein Schichtwechsel stattfindet, haben die Patienten im schlimmsten Fall bis zu acht unterschiedliche Pflegepersonen gesehen. Einen festen Ansprechpartner hatten sie nicht.

Versorgung optimieren

Um diese Situation zu verbessern, entschlossen sich die zur Sana-Gruppe gehörenden Regio Kliniken im Landkreis Pinneberg für eine organisatorische Neuordnung der pflegerischen Versorgung in den Notaufnahmen. Die Regio Kliniken sind eine Einrichtung mit drei Standorten im Landkreis. Als Pilotstandort wurde das Klinikum Pinneberg ausgewählt; bei erfolgreichem Projektabschluss sollte das Konzept auch in den ZNA der beiden anderen Häuser implementiert werden. Projektziel war, ein geeignetes Konzept zu entwickeln, um mehr Patientenorientierung und optimierte Arbeitsabläufe in den ZNA zu erreichen.

Zunächst wurde zunächst anhand der internen Fallzahlen ermittelt, wie viel Zeit einer Pflegeperson durchschnittlich für die Versorgung eines Patienten zur Verfügung steht und wie viele Patienten gleichzeitig in der ZNA betreut werden können. Dies wurde mit den zur Verfügung stehenden Behandlungsräumen und Tragen der Holding-Area abgeglichen. Die gewonnenen Informationen wurden strukturiert und sieben definierten Kernprozessen zugeordnet: 1) Verlegung eines Patienten nach intern, 2) Verlegung eines Patienten nach extern, 3) Bereichsübergabe, 4) Triage, 5) Dokumentation in das EDV-Programm MTS Orbis, 6) Pflege von schwerpflegebedürftigen Patienten, 7) Wiederherstellen eines Behandlungsraums.

Um künftig patientenorientiert im Sinn einer Bereichspflege arbeiten zu können, wurde die Notaufnahme in vier Bereiche unterteilt: einer davon umfasst klassisch die unfallchirurgische Pflege mit gelegentlicher Assistenz bei allgemeinchirurgischen Eingriffen. Daneben bestehen künftig zwei Bereiche, in denen das Patientenspektrum vornehmlich internistisch und neurologisch geprägt ist. Hinzu kommt der Bereich der Schichtleitung, zu deren Arbeitsbereich vier Tragen der Holding-Area gehören. In dieser sollen primär Patienten untergebracht werden, die auf einen Transport warten oder deren klinischer Weg noch nicht sicher ist. Ergänzend dazu wird es künftig einen Zwischendienst geben, der sich um die fußläufig das Klinikum erreichenden Patienten kümmert.

Die Übergabe ist künftig so gestaltet, dass alle Pflegenden zu Dienstbeginn einen kurzen Gesamtüberblick erhalten und nachfolgend eine bereichsbezogene Übergabe stattfindet. Die Schichtleitung ist wie bisher für die Triagierung aller Patienten zuständig – inklusive derer, die die Notaufnahme fußläufig erreicht. So ist weiterhin sichergestellt, dass mindestens ein Mitarbeiter der ZNA jeden eingetroffenen Patienten einmal sieht und so auf Fragen der ärztlichen Kollegen reagieren kann. Ebenso ist so ein strukturierteres Vorgehen bei der Zuweisung der Patienten auf die einzelnen Bereiche möglich. Der Zwischendienst kann bedarfsadaptiert als Springer eingesetzt werden und Kollegen bei pflegeaufwendigen Patienten unterstützen.

Höhere Zufriedenheit

Die Arbeitsbelastung konnte durch das Konzept deutlich reduziert werden. Zudem berichten die Kollegen über eine höhere Zufriedenheit. Die peripheren Stationen und die häufig zuweisenden Pflegeheime haben zudem eine qualitativ bessere Versorgung und eine bessere Kommunikation miteinander rückgemeldet.

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