Am Klinikum Ludwigsburg hat eine Aufnahme- und Kurzliegerstation ihren Betrieb aufgenommen. Patienten profitieren von einer besseren pflegerischen Versorgung und kürzeren Liegezeiten – Intensivstationen werden zudem entlastet, weil Fehlbelegungen vermieden und Patienten aufgrund besserer Kapazitäten auf Normalstationen schneller verlegt werden können.
Frau M., 87 Jahre alt und Demenz im Anfangsstadium, wird vom Pflegeheim mit abdominellen Schmerzen ins Krankenhaus eingewiesen. Die ersten Untersuchungen ergeben eine Obstipation. Auf der Aufnahme- und Kurzliegerstation werden zügig Abführmaßnahmen eingeleitet. Diese sind erfolgreich, sodass Frau M. am nächsten Morgen wieder in ihre gewohnte Umgebung zurückkehren kann. Vor der Entlassung erfolgt noch eine Blutentnahme, um sicherzustellen, dass differentialdiagnostisch nichts übersehen wurde.
Das Fallbeispiel zeigt, dass eine Aufnahme- und Kurzliegerstation, wie sie vor gut einem Jahr am Klinikum Ludwigsburg etabliert wurde, Vorteile für beide Seiten bringt: Die Patientin profitiert von einem kurzen Aufenthalt; aufgrund ihrer Demenz ist es vorteilhaft, dass sie schnell nach Hause zurückkehren kann. Ein längerer Aufenthalt im Krankenhaus hätte leicht zur Folge haben können, dass sich die Orientierung und Mobilität verschlechtern. Weitere Komplikationen wie ein Sturz hätten die Folgen sein können. Die Klinik wiederum profitiert von stringenten Abläufen und zügig wieder verfügbaren Betten.
Eindeutige Aufnahmekriterien
Das Klinikum Ludwigsburg hat Anfang 2015 eine baulich erweiterte, interdisziplinäre Aufnahme- und Kurzliegerstation in Betrieb genommen. Sie ergab sich aus der Zusammenlegung der Notaufnahme und Unfallaufnahme. Nach über einem Jahr Betriebszeit kann heute konstatiert werden, dass die neue Station sowohl von Patienten als auch innerhalb der Klinik gut angenommen wird.
Zur Ausgangssituation: Als das Klinikum Ludwigsburg beschloss, die Notaufnahme und Unfallaufnahme zusammenzulegen, um damit Schnittstellen zu reduzieren und Abläufe der Patientenversorgung zu verbessern, wurde schnell klar, dass dieses Projekt ohne stringente und zukunftsorientierte Prozessplanung nicht gelingen würde.
Daher beschloss die Klinikleitung, das künftige Führungsteam der Aufnahme- und Kurzliegerstation – die pflegerische Stationsleitung und den Oberarzt – mit einer Konzeptentwicklung zu betrauen. Organisatorisch sollte die Aufnahme- und Kurzliegerstation zur neuen interdisziplinären Not- und Unfallauf-nahme gehören; betreut werden Patienten mit kardialen, pulmologischen, gastroenterologischen und nephrologischen Krankheitsbildern. Schlaganfall- und chirurgische Patienten wurden aus klinikinternen Gründen nicht eingeschlossen.
Es wurden klare Kriterien zur Aufnahme festgelegt:
- Eine Aufnahme auf eine reguläre Station muss noch abgeklärt werden.
- Die Zuordnung zu einem bestimmten Fachbereich kann erst durch weitere Diagnostik ermittelt werden.
- Die Einweisungsdiagnose kann innerhalb von 24 Stunden mit Erfolg behandelt werden.
- Patienten, die nach Hause oder in eine andere Klinik entlassen beziehungsweise verlegt werden, müssen länger als zwei Stunden auf den Transport warten.
Alle Patienten werden über die Notaufnahme zugewiesen und telefonisch angekündigt. Die Aufnahme- und Kurzliegerstation arbeitet mit einer Ein-Tages-Kurve, die speziell für diesen Bedarf erstellt wurde. Die Dokumentation wird bereits in der Notaufnahme begonnen, um Versorgungsbrüche zu vermeiden.
Die Aufnahme- und Kurzliegerstation ist mit einem Stationsarzt besetzt, der vom Oberarzt der Notaufnahme betreut wird. In der Frühschicht sind zwei Pflegende und die Stationsassistenz anwesend, im Spätdienst zwei Pflegende und im Nachtdienst ein Pflegender. Die Stationsassistenz koordiniert die Patientenabläufe mit zu den übernehmenden Stationen, Kliniken und der Rettungsleitstelle. Dies erfolgt immer in enger Rücksprache mit den Pflegenden und Ärzten der Aufnahme- und Kurzliegerstation.
Positive Auswirkungen
Eindeutig IMC- oder intensivpflichtige Patienten können auf der Aufnahme- und Kurzliegerstation nicht überwacht werden (Abb. 1). Dennoch ergeben sich für die IMC- und Intensivstationen des Hauses deutliche Vorteile: Fehlbelegungen auf den IMC- und Intensivstationen werden wirkungsvoll vermieden, sodass diese zusätzliche Monitor-Überwachungs- betten für Patienten, die eindeutig IMC-Kriterien erfüllen, zur Verfügung haben. Diese Verfügbarkeit entlastet auch die peripheren Stationen, die bei Bedarf rascher auf ein IMC-Bett zugreifen können.