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Pflege in der Onkologie

Studie zeigt massive Lücken beim Gefahrstoffschutz

Nationale Studie: Viele onkologisch Pflegende sind Chemotherapeutika-Lecks ausgesetzt. Schulungen, Kontrollen und sichere Systeme fehlen häufig.

Eine neue bundesweite Umfrage zeigt erhebliche Defizite beim Schutz von Pflegefachpersonen in der Onkologie vor zytotoxischen Substanzen. Das hat eine von der Konferenz Onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpflege (KOK) und dem European Biosafety Network (EBN) durchgeführte Studie, die auf dem Deutschen Krebskongress vorgestellt wurde und in der Pflegezeitschrift erschienen ist. Drei Viertel der Befragten gaben demnach an, regelmäßig Chemotherapeutika ausgesetzt zu sein. 

Hohe Leckagequote trotz klarer EU-Vorgaben

Laut Studie berichten über 75 Prozent der Teilnehmenden von Flüssigkeitsleckagen während der Verabreichung, in 11 Prozent der Fälle sogar gelegentlich bis häufig. In rund 38 Prozent der Situationen mussten Pflegefachpersonen Zytostatika manuell spiken, weil diese nicht an ein Infusionssystem angeschlossen waren – ein Verfahren, das das Risiko für Aerosole und Leckagen deutlich erhöhe. 

Obwohl EU-Recht den Einsatz geschlossener Transfersysteme (CSTD) seit April 2024 verbindlich vorsehe, nutzten nur 19 Prozent solche Systeme. 83 Prozent der Pflegefachpersonen erlebten hingegen Undichtigkeiten an Infusionssystemen. 

"Was wir beobachten, ist eine Diskrepanz zwischen den regulatorischen Vorgaben und der aktuellen Praxis", sagte Studienautor Patrick Jahn von der KOK. "Das Anspiken des Infusionsbeutels mit dem Infusionssystem direktam Patientenbett muss konsequent verhindert werden." 

Fehlende Schulungen und unzureichende Überwachung

Auch bei Schulungen und Monitoring zeigten sich deutliche Lücken. Ein Viertel der Befragten erhalte keine Auffrischungsschulungen zum Umgang mit Zytostatika; weitere 14 Prozent wüßten nicht, ob solche Angebote existierten. Mehr als 40 Prozent fühlten sich mit geltenden Sicherheitsrichtlinien nicht vertraut. 

Gesundheitsüberwachungen, wie sie EU-Recht vorsieht, fänden nur selten statt: 15 Prozent der Arbeitsplätze führten Oberflächenmessungen durch, lediglich zwei Prozent nähmen biologische Überwachungen vor. Zwei Drittel der Einrichtungen verzichteten vollständig auf regelmäßige medizinische Kontrollen der Exposition. 

"Diese deutsche Studie spiegelt eine Krise wider, die sich in ganz Europa abspielt", so Josh Cobb vom EBN, ebenfalls Studienautor. Viele Beschäftigte wüssten nicht, dass die Medikamente, mit denen sie täglich umgehen, gefährlich seien.

Gesundheitliche Beschwerden und Forderung nach Kontrollen

Mehr als acht Prozent der Pflegekräfte berichteten von Symptomen wie Hautreaktionen, Kopfschmerzen oder Übelkeit, die sie auf den Umgang mit Chemotherapeutika zurückführten. Besonders betroffen seien Fachpersonen mit über zehn Jahren Berufserfahrung in der Onkologie.

KOK und EBN fordern nun intensivere Überwachungen in den Einrichtungen, verpflichtende Schulungen sowie eine konsequente Einführung geschlossener Systeme entlang des gesamten Medikationsprozesses. Die Studie umfasst 1.012 onkologisch tätige Pflegefachpersonen und wurde zwischen März und Mai 2025 online erhoben.

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