Die Wertachkliniken Bobingen und Schwabmünchen wollen die Rahmenbedingungen für Pflegefachkräfte verbessern. Gelingen soll das mit einer Arbeitsmarktzulage und einem neuen Arbeitszeitmodell. Als kommunales Haus gelte für die Wertachkliniken zwar der Tarifvertrag des öffentlichen Diensts, mit der Arbeitsmarktzulage würden examinierte Fachkräfte im Pflegedienst aber zusätzlich mehr Geld bekommen. Die Entgelte würden jeweils um zwei Stufen angehoben und in den beiden letzten Stufen 20 Prozent mehr bezahlt, beschreibt Pflegedienstleiter Daniel Hierl. Die Zulage sei zunächst auf drei Jahre befristet und werde rückwirkend vom 1. Juli 2023 bis 30. Juni 2026 gezahlt.
Kurze Dienstzeiten statt dieselben Arbeitszeiten an weniger Tagen
Das neue Arbeitszeitmodell soll vor allem Wiedereinsteiger anlocken. Statt dieselben Arbeitszeiten an weniger Tagen, gebe es nun einen "sinnvollen Mix" aus kurzen Dienstzeiten. Diese würden bewusst die Stoßzeiten auf den Stationen ergänzen. Das sei beispielsweise am Vormittag während der Visite der Fall, von 8.30 Uhr bis 12 Uhr, und am Abend von 17 Uhr bis 22 Uhr. Eltern erhielten so die Möglichkeit, ihre Kinder in KiTa und Schule zu bringen und dann am Vormittag einige Stunden zu arbeiten, so Hierl weiter. Häuslich Pflegende könnten beispielsweise verkürzte, feste Arbeitszeiten am Abend vereinbaren.
Die beiden examinierten Pflegefachfrauen Kiara Jungert und Noemi Reichert sind von dem Angebot, zwischen Arbeitszeitmodell und Arbeitsmarktzulage wählen zu können, überzeugt.
Arbeitsmarktzulage: über 200 Euro netto mehr bei Steuerklasse 1
Jungert wolle im April von ihrer jetzigen Vollzeitstelle in das Arbeitszeitmodell wechseln. Dann beginne sie ihr berufsbegleitendes Studium der Medizinpädagogik und werde von Montag bis Mittwoch als Lehrerin an der Berufsfachschule der Wertachkliniken arbeiten; donnerstags werde sie als Pflegefachkraft weiterhin auf der Intensivstation tätig sein.
"Es ist mir sehr wichtig, weiterhin fest in der Praxis verankert zu sein und in allen drei Schichten zu arbeiten, damit ich in allen Tätigkeiten der verschiedenen Schichten fit bleibe."
Bis sie in die Teilzeitvariante wechselt, profitiert sie noch von der Arbeitsmarktzulage.
Für Reichert als Berufsanfängerin bedeute die Arbeitsmarktzulage brutto über 400 Euro mehr, beschreibt die Pflegefachfrau auf der chirurgischen Station. Netto habe sie trotz Steuerklasse 1 jeden Monat über 200 Euro mehr auf dem Konto. Insbesondere im Hinblick auf gestiegene Kosten – wie Mieten –mache das einen Unterschied.