• Pflegeimpuls
Stimmungsaufheller im Pflegealltag

So kommen Pflegekräfte besser durch den Winter

Pflegekräfte trotzen Dunkelheit und Kälte: Mit Lichtinseln, Ritualen und einem positiven Winter-Mindset lässt sich die dunkle Jahreszeit besser gestalten.

Frühe Dunkelheit, nasskaltes Wetter, wenig Tageslicht: So bringen Pflegekräfte mit kleinen Ritualen und Lichtinseln mehr Stimmung in den Winter.

 

Keiner sagt, dass Winter leicht ist. Oder: zu "wintern", wie es die Gesundheitspsychologin Kari Leibowitz ausdrückt. Sie beschreibt damit die Fähigkeit, den Winter, diese dunklen, nasskalten Wochen, auszuhalten, gar auszukosten ("Wintern", Klett-Cotta, 2024). Was es dafür braucht? Ein spezielles Winter-Mindset. Und sich das zuzulegen – auch im Pflegedienst –, ist gar nicht so schwer.

Aller Liebling: Licht

Es ist nachvollziehbar, dem Sommer hinterherzutrauern (oder ihm entgegenzufiebern, je nach Perspektive): Das Licht der warmen Jahreszeit tut dem Körper messbar gut. Tageslicht stabilisiert den zirkadianen Rhythmus, unterstützt eine gesunde Ausschüttung von Melatonin und Serotonin und hilft, wach, fokussiert und stimmungsmäßig stabiler durch den Tag zu kommen.

Auch Arbeitsmedizinerinnen, -mediziner und Berufsgenossenschaften betonen – vor allem mit Blick auf die Schichtarbeit –, dass jede Gelegenheit für natürliches Licht genutzt werden sollte. Pausen im Tageslicht, ein kurzer Gang um den Block oder einmal tief durchatmen am geöffneten Fenster sind kleine, aber wirksame Stellschrauben – vor allem jetzt im Winter.

 

Die Kraft von Licht

Licht ist nicht nur gefühlt wichtig: Für die sogenannte saisonale Depression (SAD) ist die Lichttherapie mittlerweile gut untersucht und kann bei vielen Betroffenen kurzfristig Symptome lindern. Gleichzeitig gilt: Bei anhaltender Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen oder Antriebslosigkeit lohnt eine ärztliche Abklärung – statt alles als "Wintermüdigkeit" abzutun.

Dunkel: die Einladung zum Rückzug

Doch bei aller Sehnsucht nach Helligkeit: Auch das Dunkel hat Vorzüge. Menschen in Regionen, in denen im Winter die Sonne nur selten zu sehen ist, erleben diese Jahreszeit nicht als Zumutung, sondern als eigene, wertvolle Saison, wie Kari Leibowitz in ihren Studien, unter anderem im norwegischen Tromsø, herausgefunden hat. "Wenn wir der Meinung sind, dass der Winter langweilig ist, werden wir die Zeiten, in denen wir den Winter langweilig finden, auch stärker wahrnehmen", schreibt sie.

Es geht also um zielgerichtete Aufmerksamkeit: Sie sollte auf das Positive des Winters gelenkt werden. So könne die nassgraue Winterwelt eine sein, in der "man Pfützen ausweichen muss und sich durchnässt fühlt", schreibt Leibowitz, oder aber eine, die "still und besinnlich" sei. Und die bibbernde Kälte? Die könne, so die Psychologin, doch auch "erfrischen" und "wachrütteln".

Dunkle Tage bieten außerdem Ruhe, Schutz, Rückzug. Erst die Dunkelheit ermöglicht guten Schlaf und echte Entspannung. Gerade für Schichtarbeitende ist das wichtig: Die Berufsgenossenschaften empfehlen ohnehin, Schlafräume zu Hause gut zu verdunkeln und Lärm so gut wie möglich auszublenden, damit der Körper nach der Nachtschicht auf "Nachtmodus" schalten kann. In der dunklen Jahreszeit fällt das vielen leichter.

Wie lässt sich die dunkle Zeit annehmen… 

…oder gar genießen? Indem man sich vorbereitet, sagt Leibowitz: sich einen Vorrat an Kerzen zulegt, die liebsten Wollsocken herausholt, sich am Lieblingswintermantel erfreut.

Und auch diese Tipps beherzigt:

  • Natur wahrnehmen: "Lenken wir unsere Aufmerksamkeit mit allen Sinnen auf das winterliche Wetter", sagt Leibowitz. Auf dem Weg zur Arbeit auf den Schnee achten, der die Geräusche dämpft. Am Stationsfenster stehen und auf die Bäume schauen, "die im pfeifenden Wind rauschen" – und auf das Winterlicht, das, anders als im Sommer, in einem schmeichelnden Winkel einfällt und alles golden erstrahlen lässt.
  • "Halten Sie den Moment fest", rät Leibowitz außerdem. Jeden Tag ein Foto machen von dem, was einem im Winter besonders aufgefallen ist, einem vielleicht sogar Freude macht. Im Pflegealltag könne das die Weihnachtsmütze sein, die ein Angehöriger einem Patienten mitgebracht hat, der stimmungsvolle Baum auf der Station oder die roten Wangen einer Kollegin, wenn sie wieder mit dem Fahrrad durch die Winterluft zur Arbeit gesaust ist.

Kleine Lichtinseln auf Station

Damit die dunkle Jahreszeit nicht nur grau wirkt, helfen sichtbare, warme Punkte im Stationsalltag:

  • Blumen und Grün: Ein Strauß Tulpen im Januar, ein Topf mit robustem Grün oder ein Zweig in einer schlichten Vase im Dienstzimmer erinnern daran, dass es eine andere Jahreszeit gibt – und wieder geben wird.
  • Helle Bilder statt düstere Kalenderblätter: Ein Bild mit Sonne und hellen Farben kann unaufdringlich gute Laune machen.
  • Sicheres Licht statt echter Kerzen: Auf Station haben offene Flammen aufgrund der Brandgefahr keinen Platz. Aber LED-Kerzen, kleine Lichterketten oder Lichtbänder im Pausenraum können ebenso gut etwas Helligkeit schaffen.
  • Kräuter als Begleiter: Kräuterexpertinnen wie Ruby Nagel schwören auf Tee aus bestimmten Heilpflanzen: Melisse, Gänseblümchen oder Engelwurz könnten "das innere Licht anknipsen", sagt die Heilpraktikerin. Auch wenn er keine medizinische Behandlung ersetze, könne ein aufgebrühter Tee doch ein wärmendes Ritual sein. Ihre Krisen-Teemischung zum Nachmachen erklärt Ruby Nagel hier

Es sich miteinander heller machen statt allein durchzuhalten

In belastenden oder dunklen Phasen ziehen sich viele lieber zurück. Doch gerade dann kann ein kurzes, wertschätzendes Miteinander gut tun:

  • Ein 30-Sekunden-Check-in am Anfang der Schicht ("Wie geht es Euch heute?"),
  • ein ehrliches "Danke für deinen Einsatz eben"
  • oder ein Ritual in Stationsbesprechungen: "Mein heutiger Lichtblick" – was mir heute besonders gut getan hat

fördern die Besinnung auf das Positive in der kalten Zeit. 

Freie Tage wirklich im Hellen nutzen

Im Frei rutschen viele Pflegekräfte in "Aufholprogramme", erledigen den Haushalt und fälligen Papierkram oder holen Schlaf nach. Das ist verständlich – aber es lohnt sich, trotzdem täglich ein Stück Helligkeit einzuplanen: einen Spaziergang am Nachmittag etwa oder den Kaffee am offenen Fenster statt eingekuschelt auf dem Sofa.

Winter-Bashing? Lieber nicht

Sich über den Winter zu beklagen, ist leicht, sagt Leibowitz. "Überall auf der Welt lieben es die Menschen, auf das Winterwetter zu schimpfen", so ihre Beobachtung. Das kann zusammenschweißen – mit dem Gefühl: Wir müssen hier alle gemeinsam durch. Doch Winter-Bashing sei in erster Linie tückisch, da es über Sprache Annahmen verfestige.

Wie erfrischend anders wäre es doch, wenn Kolleginnen oder Kollegen ins Stationszimmer kämen und sich – statt über den Winterregen zu klagen – über den "Geruch des Regens unterhalten", so Leibowitz. Ihr Rat: "Wenn wir wohlwollend über den Winter sprechen, können wir beeinflussen, wie sich diese Jahreszeit anfühlt."

Bonus-Tipp: den Song anhören, den die Bestsellerautorin Elizabeth Gilbert (Eat Pray Love; Big Magic) gemeinsam mit der US-amerikanischen Musikerin Callie Miles geschrieben und eingesungen hat. "Snow Angel", so der Songtitel, solle etwas Leichtigkeit in den Winter bringen, sagt Gilbert. Geradezu beschwörend klingt vor allem die Refrainzeile: "This winter bring us some beauty." Es wäre allen zu wünschen.

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