Rund 500.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden Schätzungen zufolge unter beeinträchtigenden chronischen Schmerzen. Darauf weist die Deutsche Schmerzgesellschaft anlässlich der Veröffentlichung einer neuen S2k-Leitlinie zur stationären Interdisziplinären Multimodalen Schmerztherapie (IMST) bei Kindern und Jugendlichen hin.
Die Leitlinie definiert erstmals bundesweit einheitliche Empfehlungen für die Behandlung junger Menschen mit schweren chronischen Schmerzsyndromen in spezialisierten stationären Einrichtungen. Ziel ist es, eine weitere Chronifizierung der Beschwerden zu verhindern und die Teilhabe am schulischen, sozialen und familiären Leben zu verbessern.
Indikationen für stationäre Behandlung präzisiert
Nach den Empfehlungen soll eine stationäre IMST insbesondere dann eingesetzt werden, wenn ambulante Therapien nicht ausreichend wirksam sind. Zusätzlich muss mindestens ein weiterer Belastungsfaktor vorliegen. Dazu zählen unter anderem eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität, häufige oder starke Schmerzen, psychosoziale Belastungen, Medikamentenfehlgebrauch sowie psychische oder somatische Begleiterkrankungen.
Vor Beginn der Behandlung fordert die Leitlinie ein multidimensionales Schmerzassessment. Erfasst werden sollen neben der Schmerzsymptomatik auch psychosoziale und biologische Einflussfaktoren. Berücksichtigt werden dabei beispielsweise Bewegungseinschränkungen, Ängste, depressive Symptome, Schlafstörungen, Fatigue oder belastende Lebensereignisse.
Pflege ist Teil des Kernteams
Die Leitlinie stellt hohe Anforderungen an die personelle Ausstattung der Einrichtungen. Zum interdisziplinären Kernteam gehören neben ärztlichen, psychotherapeutischen und physiotherapeutischen Fachkräften auch Gesundheits- und Kinderkrankenpflegepersonal beziehungsweise Pflegefachpersonen mit Vertiefung Kinderkrankenpflege. Angehörige des Behandlungsteams sollen möglichst über schmerzspezifische Weiterbildungen verfügen.
Die stationäre Therapie soll ausschließlich in kinder- und jugendmedizinischen Einrichtungen erfolgen. Empfohlen wird eine Behandlungsdauer von zwei bis sechs Wochen. Während des Aufenthalts sollen die Patientinnen und Patienten täglich mindestens eine Stunde aktive therapeutische Maßnahmen erhalten.
Nachsorge verbindlich empfohlen
Die Leitlinie legt besonderes Gewicht auf die Nachsorge. Allen Patientinnen und Patienten soll innerhalb von drei Monaten nach der Entlassung ein Nachsorgetermin angeboten werden. Zudem wird eine umfassende Evaluation sechs bis zwölf Monate nach Abschluss der Behandlung empfohlen.
Im Fokus der Therapie steht nach Angaben der Fachgesellschaft nicht allein die Schmerzreduktion. Verbessert werden sollen insbesondere die gesundheitsbezogene Lebensqualität, die körperliche Funktionsfähigkeit, die Teilnahme am Schulalltag sowie das emotionale Wohlbefinden der Betroffenen.