Die zahnmedizinische Versorgung älterer Menschen ist stärker an den Bedürfnissen geriatrischer Patientinnen und Patienten auszurichten. Das geht aus der neuen S2k‑Leitlinie zur zahnmedizinischen Betreuung geriatrischer Menschen hervor, die die Deutsche Gesellschaft für Zahn‑, Mund‑ und Kieferheilkunde (DGZMK) sowie die Deutsche Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ) veröffentlicht haben. Fünf weitere Fachgesellschaften waren beteiligt, darunter die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP).
Pflegeaufwand steigt – Selbstpflege sinkt
Die Leitliniengruppe weist darauf hin, dass immer mehr ältere Personen über eigenen Zahnbestand oder festen Zahnersatz verfügen – und damit einen deutlich höheren Pflegebedarf haben. Rund ein Drittel der Betroffenen sei nicht mehr in der Lage, Zähne oder Zahnersatz selbst zu pflegen. Unterstützende Personen wie Angehörige und Pflegefachpersonen seien daher konsequent einzubeziehen.
Pflegebedürftigkeit und ein hohes Lebensalter seien als eigenständige Risikofaktoren für eine Verschlechterung der Mundgesundheit zu bewerten. Reiche es nicht aus, eingeschränkte Selbstpflege zu unterstützen, könne die vollständige Übernahme der täglichen Mund‑ und Zahnpflege sowie die Organisation einer zahnärztlichen Behandlung notwendig werden.
Konkrete Empfehlungen zur täglichen Mundpflege
Die Leitlinie beschreibt detailliert, was zur täglichen Mundhygiene zählt: Zähneputzen zweimal täglich, die Reinigung der Interdentalräume, der Zunge und der Mundschleimhaut sowie die Pflege von Zahnprothesen. Empfohlen werden manuelle oder elektrische Zahnbürsten, fluoridhaltige Zahnpasten, Interdentalbürsten sowie geeignete Hilfsmittel zur Prothesenreinigung.
Für ältere Menschen seien möglichst große Interdentalbürsten mit langen Filamenten geeignet. Bei variierenden Zahnzwischenräumen könnten konische Bürsten sinnvoll sein. Bei motorischen Einschränkungen könnten Griffe mit knetbarem Silikonmaterial verstärkt werden. Die Leitlinie weist zudem darauf hin, dass der Einsatz elektrischer Zahnbürsten und Interdentalbürsten langfristig zu mehr kariesfreien Zahnflächen führt. Auch die Mundschleimhautpflege – etwa mit Watteträgern oder Schaumstoffstäbchen – sowie geeignete Trinkbecher zum Ausspülen werden beschrieben.
Fokus auf funktionelle Einschränkungen und Zusammenarbeit
Ausführlich behandelt die Leitlinie den Umgang mit funktionellen und kognitiven Beeinträchtigungen wie Demenz, Schluckstörungen oder motorischen Problemen. Pflegefachpersonen spielten eine zentrale Rolle, da sie Veränderungen wie Schmerzen, Abwehrreaktionen oder eingeschränkte Kaufunktion früh erkennen könnten. Auch stressreduzierte Kommunikationsstrategien für Menschen mit Demenz werden hervorgehoben.
Die Leitlinie betont zudem die Notwendigkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit. Pflegefachpersonen seien häufig die zentrale Schnittstelle zwischen Hausarzt‑ und zahnärztlicher Versorgung, Angehörigen und Betreuungspersonal. Sie koordinierten Termine, begleiteten Behandlungen und seien maßgeblich an der Nachsorge beteiligt. Daher wird eine strukturierte Kommunikation zwischen allen Beteiligten empfohlen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die aufsuchende Versorgung: Können Patientinnen und Patienten keine Zahnarztpraxis aufsuchen, gehöre der Hausbesuch zur vertragszahnärztlichen Versorgung. Pflegende übernähmen hierbei organisatorische Aufgaben sowie die Vor‑ und Nachbereitung.