Sachverständige haben im Gesundheitsausschuss des Bundestags einen stärkeren Hitzeschutz für Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen gefordert. Das geht aus einer Anhörung des Gesundheitsausschusses Ende vergangener Woche zu einem Antrag der Grünen-Fraktion für verbindlichere Maßnahmen gegen die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze hervor.
Im Mittelpunkt der Diskussion standen kommunale Hitzeaktionspläne, Investitionen in die Klimaanpassung von Einrichtungen sowie bessere Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen. Dazu zählen unter anderem ältere Menschen, Pflegebedürftige und chronisch Kranke.
Pflegeeinrichtungen besser auf Hitzewellen vorbereiten
Die Grünen fordern, kommunale Hitzeaktionspläne bundesweit verbindlich zu verankern und finanziell abzusichern. Zudem soll der Hitzeschutzplan des Bundesgesundheitsministeriums weiterentwickelt werden.
Für Pflegeeinrichtungen könnten dadurch Investitionen in Verschattung, Lüftung, Kühlung und Begrünung ermöglicht werden. Nach Auffassung der Antragsteller sind solche Maßnahmen notwendig, um die Folgen zunehmender Hitzewellen für Pflegebedürftige und Beschäftigte abzumildern.
Der Intensivmediziner Uwe Janssens von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin berichtete von erheblichen Belastungen während der Hitzewochen dieses Sommers. In Krankenhauszimmern seien Temperaturen von bis zu 35 Grad Celsius gemessen worden. Teilweise verfügten Kliniken über "keine klimatisierte Notaufnahme". Gegenmaßnahmen seien eine "gesamtgesellschaftliche Verantwortung", sagte Janssens.
Fachleute dringen auf verbindliche Maßnahmen
Alexandra Schneider vom Helmholtz Zentrum München bezeichnete Hitze in ihrer Stellungnahme als "eines der größten klimabedingten Gesundheitsrisiken in Deutschland". Kommunale Hitzeaktionspläne müssten ihrer Ansicht nach flächendeckend und verbindlich umgesetzt werden. Dafür seien ausreichende finanzielle Mittel erforderlich.
Miriam Meschede von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit verwies auf die Folgen für Beschäftigte. Nach den geltenden Arbeitsschutzregeln dürfe in Räumen mit Temperaturen von mehr als 35 Grad grundsätzlich nicht gearbeitet werden. Einrichtungen und Betriebe müssten deshalb Hitzeschutzpläne entwickeln. Zudem sprach sich Meschede für weitere Investitionen in die klimaresiliente Umgestaltung von Gesundheitseinrichtungen aus.
Finanzierung bleibt offen
Als zentrale Herausforderung nannten mehrere Sachverständige die Finanzierung. Henrik Scheller vom Deutschen Institut für Urbanistik erläuterte, einzelne Förderprogramme könnten kurzfristig helfen, ersetzten jedoch keine "verlässliche, rechtssichere und koordinierte Finanzierungsstruktur".
Die Anhörung reiht sich ein in eine seit Monaten intensiv geführte Debatte über Hitzeschutz in der professionellen Pflege. Pflegekammern, Verbände und Gesundheitsorganisationen hatten zuletzt wiederholt verbindliche Schutzmaßnahmen für Pflegebedürftige und beruflich Pflegende gefordert; unter anderem hatte auch ein breites Bündnis einen bundesweiten Hitzeschutzplan für die Pflege angemahnt.