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EU-Parlament fordert "Care Deal"

Mehr Rechte und Standards für Pflegekräfte geplant

Das EU-Parlament fordert bessere Arbeitsbedingungen und Mindeststandards für Pflegekräfte. Ein "Care Deal" – mit Fokus auf Ausbildung, digitale Kompetenzen, soziale Absicherung und bessere Arbeitsbedingungen – ist für 2027 geplant.

Das Europäische Parlament hat am Donnerstag einen Bericht verabschiedet, der die Rolle von Pflegekräften in Europa deutlich stärken soll. Im Zentrum stehen bessere Arbeitsbedingungen, mehr Anerkennung und langfristig ein eigener europäischer Rahmen für Pflegeberufe.

Die Abgeordneten betonen, dass der Zugang zu Pflege ein Grundrecht sei und fordern die EU-Staaten auf, die Rahmenbedingungen entsprechend anzupassen. Gleichzeitig rückt professionelle Pflege stärker als bisher in den Mittelpunkt europapolitischer Strategien. 

EU will Pflege strukturell aufwerten

Konkret spricht sich das Parlament für ein "Europäisches Statut für Pflegekräfte" aus. Damit sollen Mindeststandards für Arbeitsbedingungen, Bezahlung und Qualifikation europaweit besser abgestimmt werden.

Auch die zunehmende Belastung durch den demografischen Wandel spielt eine zentrale Rolle: Der steigende Pflegebedarf erfordere nachhaltige Finanzierung und strukturelle Reformen. 

Für die Praxis relevant ist zudem die Forderung nach:

  • besseren Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten
  • stärkerer sozialer Absicherung
  • mehr Unterstützung im Arbeitsalltag, etwa psychologische Angebote

 

Fachkräftemangel bleibt Schlüsselthema

Ein weiterer Fokus liegt auf dem Personalmangel. Das Parlament fordert, Pflegekräfte vorrangig im Inland auszubilden, gleichzeitig aber Zuwanderung stärker zu steuern und zu regulieren.

Migration soll künftig stärker an Bedarfen des Pflegesystems orientiert werden und mit Investitionen in Integration einhergehen. Zugleich warnt das Parlament vor Ausbeutung und prekärer Beschäftigung in der Pflege. 

Informelle Pflege stärker berücksichtigen

Neben der professionellen Pflege nimmt der Bericht auch informell Pflegende in den Blick. Diese sollen künftig besser in Sozial- und Rentensysteme eingebunden werden.

Hintergrund: In Europa übernehmen Millionen Menschen Pflegeaufgaben ohne Bezahlung – oft mit direkten Auswirkungen auf Erwerbsbiografien und Einkommen. 

"European Care Deal" 2027 erwartet

Viele der Forderungen bleiben allerdings zunächst politisch unverbindlich. Die EU-Kommission plant einen umfassenden "European Care Deal" erst für das Jahr 2027. 

Damit ist kurzfristig nicht mit konkreten Änderungen für Pflegekräfte in Deutschland zu rechnen. Die Vorschläge markieren jedoch eine strategische Neuausrichtung auf europäischer Ebene. Die Umsetzung bleibt allerdings weiterhin Aufgabe der Mitgliedstaaten. Ob und wie die europäischen Empfehlungen tatsächlich in die Versorgungspraxis einfließen, hängt daher maßgeblich von nationalen Reformen ab.

EU-Impulse treffen auf nationale Modelle

Die Vorschläge aus dem Europäischen Parlament zielen vor allem auf strukturelle Verbesserungen. In der Versorgungspraxis in Deutschland rücken parallel Modelle in den Fokus, die Versorgung anders organisieren – etwa durch frühere Begleitung, präventive Ansätze und eine engere Verzahnung von professioneller und informeller Pflege.

Wie solche Ansätze praktisch aussehen können, zeigt etwa das hessische Gemeindepflege-Programm "PaULa". Dort liegt der Fokus auf Prävention, frühzeitiger Unterstützung und der Entlastung pflegender Angehöriger. Solche Programme zeigen, dass Entlastung nicht nur über zusätzliche Ressourcen, sondern auch über veränderte Versorgungsstrukturen erreicht werden kann. Der Ansatz unterscheidet sich damit in der Stoßrichtung: Während die EU vor allem Rahmenbedingungen und Rechte adressiert, setzen Projekte auf Systemebene früher an – bei der Organisation von Pflege, der Steuerung von Bedarfen und der Rolle professionell Pflegender im Quartier.

Und: "Das Konzept der Gemeindepflege lebt bereits den Ansatz, der ein Schwerpunkt der anstehenden Pflegereform wird", sagte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) während ihres Projektbesuchs am Donnerstag in Hessen. 

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