Einbettzimmer könnten in der stationären Versorgung künftig eine deutlich größere Rolle spielen und Mehrbettzimmer langfristig ablösen. Das legt ein aktuelles Diskussionspapier zum Krankenhausbau in Schleswig-Holstein nahe.
Ausgangspunkt ist, dass der Landtag in Schleswig-Holstein am 27. März 2025 beschlossen hatte, Einbettzimmer künftig als Standard in der stationären Versorgung anzustreben.
Geringer Anteil – andere Länder weiter
Derzeit dominierten in deutschen Krankenhäusern weiterhin Mehrbettstrukturen. Laut Working Paper liege der Anteil von Einbettzimmern in der "Allgemeinpflege (auch: Normalpflege) in Allgemeinkrankenhäusern" bundesweit bei deutlich unter zehn Prozent, konkret bei etwa 6,4 Prozent der Betten.
Im internationalen Vergleich erscheine das als Sonderweg: In mehreren europäischen Ländern sowie in Nordamerika seien Einbettzimmer bereits deutlich verbreiteter und teilweise Standard, insbesondere bei Neubauten.
Das Diskussionspapier stellt deshalb die Frage, ob die bestehende Struktur noch zeitgemäß sei und ob ein grundlegender Umbau der Krankenhausinfrastruktur angezeigt sein könnte.
Mögliche Vorteile für Pflege und Patienten
Die ausgewertete Studienlage lege nahe, dass Einbettzimmer mit verschiedenen Effekten verbunden sein könnten, die auch die Pflegepraxis betreffen. Dazu zählten vor allem Vorteile in der Infektionsprävention, da Patienten räumlich getrennt untergebracht seien und Isolationsmaßnahmen leichter umgesetzt werden könnten.
Auch organisatorische Abläufe könnten sich verändern: Einbettzimmer ermöglichten eine flexiblere Belegung und verringerten demnach etwa Bettensperrungen oder Verlegungen innerhalb der Station.
Für die Pflege könne das bedeuten, dass Tätigkeiten stärker direkt im Patientenzimmer stattfinden und Stationsstrukturen anders organisiert werden. Dabei sei entscheidend, dass Raum- und Pflegekonzepte aufeinander abgestimmt würden.
Das Diskussionspapier betont zugleich, dass Effekte wie Wegelängen oder Arbeitsbelastung weniger von der Zimmerform als von der jeweiligen Pflegeorganisation abhingen.
Hinweise auf Nachteile und offene Fragen
Gleichzeitig verweist das Papier auf mögliche Nachteile. Diskutiert würden unter anderem eine stärkere soziale Isolation von Patienten sowie veränderte Anforderungen an die Beobachtung und Kommunikation im Pflegealltag.
Auch für das Pflegepersonal könne sich die Arbeitsorganisation verändern, etwa durch eingeschränkte Sichtbeziehungen zu den Pflegezimmern oder Abläufe auf der Station. Diese Effekte seien jedoch abhängig von der konkreten Umsetzung und organisatorisch teilweise kompensierbar.
Umsetzung vor allem durch Finanzierung begrenzt
Dass Einbettzimmer bislang die Ausnahme seien, liegt dem Working Paper zufolge weniger an fehlender Evidenz als an strukturellen Rahmenbedingungen.
Als zentrales Hemmnis wird das Vergütungssystem genannt: Solange Einzelzimmer als Wahlleistung gelten, könnten Krankenhäuser zusätzliche Erlöse erzielen. Würde das Einbettzimmer zum Standard, entfalle dieser Anreiz.
Zudem seien höhere Investitionskosten beim Bau und Umbau von Kliniken zu berücksichtigen, auch wenn diese laut Literatur teils durch betriebliche Effekte ausgeglichen werden könnten.
Diskussionspapier ohne verbindliche Vorgaben
Das Working Paper versteht sich ausdrücklich als Diskussionsgrundlage und nicht als verbindliche Empfehlung. Es solle dazu beitragen, die bisherigen Strukturen zu hinterfragen und mögliche Entwicklungen zu bewerten.
Aus Perspektive der Pflege zeigt die Analyse vor allem eines: Sollte sich der Einbettzimmerstandard durchsetzen, wäre dies mit Veränderungen in Arbeitsorganisation, Abläufen und Verantwortlichkeiten verbunden – deren konkrete Auswirkungen jedoch maßgeblich von der Umsetzung vor Ort abhingen.