Die Pflegewissenschaftlerin Doris Schiemann ist mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Wie die Stadt Osnabrück Ende vergangener Woche mitgeteilt hat, werden damit ihre Verdienste um die Akademisierung der Pflege, den Aufbau der Pflegebildung und die Qualitätsentwicklung in der professionellen Pflege gewürdigt.
Die emeritierte Professorin zählt zu den Wegbereiterinnen der Pflegewissenschaft in Deutschland. In den 1980er-Jahren war sie an der damaligen Fachhochschule Osnabrück am Aufbau des bundesweit ersten Pflegestudiengangs beteiligt. Später wirkte sie zudem an der Entwicklung der Studiengänge Pflegemanagement und Pflegewissenschaft mit.
DNQP und Expertenstandards aufgebaut
Als einen Meilenstein ihres Wirkens gilt die Gründung des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) im Jahr 1992. Unter Schiemanns Leitung entstanden dort über mehr als zwei Jahrzehnte die heute bundesweit etablierten evidenzbasierten Expertenstandards für die Pflege, darunter Standards zur Dekubitusprophylaxe, Sturzprävention, Schmerzversorgung und Versorgung chronischer Wunden.
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest verweist darauf, dass Schiemann damit wichtige Impulse für die Professionalisierung des Pflegeberufs und die wissenschaftliche Fundierung pflegerischer Praxis gesetzt habe. Für ihr Engagement wurde sie bereits zuvor mit der Agnes-Karll-Medaille des DBfK-Berufsverbands ausgezeichnet. Auch wurde sie mit dem Deutschen Pflegepreis des Deutschen Pflegerats geehrt.
Darüber hinaus war die Pflegewissenschaftlerin in zahlreichen nationalen sowie internationalen Expertengremien tätig und arbeitete unter anderem als Beraterin der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Bundesverdienstkreuz für Pflegewissenschaftlerin
Die Verleihung erfolgte am 17. September im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) überreichte die Ordensinsignien und die Verleihungsurkunde im Namen des Bundespräsidenten.
In ihrer Laudatio würdigte Pötter insbesondere den Praxisbezug von Schiemanns Arbeit. "Wir in Osnabrück sind stolz auf unsere Hochschulen, weil hier Forschung nicht im sprichwörtlichen Elfenbeinturm betrieben wird", sagte die Oberbürgermeisterin. Schiemann sei "das personifizierte Vorbild für diesen Anspruch".
In ihrer Dankesrede betonte Schiemann, dass sowohl der Aufbau der Pflegestudiengänge als auch die Entwicklung des DNQP das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen gewesen seien. Sie dankte ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, Wegbereiterinnen und Wegbereitern sowie ihrer Familie für die Unterstützung.
Schiemann erinnerte nach Informationen der Hochschule Osnabrück zugleich an ihre Anfänge in der Universitätsmedizin Anfang der 1970er-Jahre. Die Pflege habe damals über wenig wissenschaftliche und berufspolitische Gestaltungsmöglichkeiten verfügt. Die Erfahrung, dass pflegerische Perspektiven in der Versorgung kaum Gehör fanden, sei ein wichtiger Antrieb für ihr späteres Engagement in der Akademisierung und Professionalisierung der Pflege gewesen.