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Demenz

Neue App soll Pflege bei Demenz unterstützen

Demenz: App soll Pflegefachpersonen im Krankenhaus unterstützen

In deutschen Krankenhäusern werden täglich rund 50.000 Menschen mit Demenz behandelt. Nach Angaben des Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) zeigen etwa vier von fünf Betroffenen herausfordernde Verhaltensweisen wie Unruhe, Weglauftendenzen oder Abwehrreaktionen bei Untersuchungen und Behandlungen. Ein neues digitales Lern- und Unterstützungssystem soll Pflegefachpersonen künftig im Umgang mit solchen Situationen unterstützen.

Das Projekt "Skills4Dem" wird vom Saarbrücker iso-Institut gemeinsam mit einem Softwareentwickler umgesetzt. Im Rahmen der Welt-Alzheimerwoche vom 21. bis 27. September haben die Projektpartner nun einen ersten Prototyp der Fachöffentlichkeit vorgestellt.

Vier von fünf Betroffenen zeigen Auffälligkeiten

Menschen mit Demenz stellen Krankenhäuser vor besondere Herausforderungen. Orientierungslosigkeit, ständiges Rufen, Unruhe oder aggressives Verhalten können den Behandlungsablauf erschweren und führen nicht selten zu belastenden Situationen für Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie Beschäftigte.

Insbesondere Pflegefachpersonen sind häufig gefordert, auf solche Verhaltensweisen zu reagieren. Nach Angaben der Projektpartner können eskalative Situationen Auswirkungen auf die Patientensicherheit und die Versorgungsqualität haben.

Geplant sind digitale Lernangebote und eine App, die Pflegefachpersonen beim Umgang mit herausforderndem Verhalten von Menschen mit Demenz unterstützen sollen.

Beziehungsgestaltung trotz Zeitdruck

Menschen mit Demenz erleben einen Krankenhausaufenthalt häufig als belastend. Ungewohnte Abläufe, fehlende Orientierung und wechselnde Bezugspersonen können Unruhe, Angst oder herausforderndes Verhalten verstärken. Diplom-Pflegewirtin Kerstin Deiters, Assistentin der Pflegedirektion im Klinikum Westmünsterland am Standort Ahaus, verweist deshalb auf die Bedeutung einer personzentrierten Pflege, wie sie der Expertenstandard "Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz" fordert.

Ein möglicher Ansatz ist die Nutzung der Strukturierten Informationssammlung (SIS). Das in der Langzeitpflege etablierte Instrument enthält Informationen zu Gewohnheiten, Vorlieben, sozialen Beziehungen, Ressourcen und Unterstützungsbedarfen eines Menschen. Werden diese Informationen bei der Aufnahme ins Krankenhaus übernommen, erhalten Pflegefachpersonen schnell Zugang zu biografischen Hintergründen und können Verhalten besser einordnen.

Praxisbeispiele zeigen, dass bereits wenige Informationen helfen können: Wer weiß, dass ein Patient früher körperlich sehr aktiv war, kann auf Unruhe gezielter reagieren. Hinweise zu Hobbys, familiären Beziehungen oder früheren Berufen erleichtern zudem die Kommunikation und den Beziehungsaufbau.

Nach Einschätzung von Deiters kann die SIS so dazu beitragen, herausforderndes Verhalten besser zu verstehen, die Zusammenarbeit zwischen Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern zu verbessern und die personzentrierte Versorgung von Menschen mit Demenz auch im Akutkrankenhaus zu unterstützen. 

Zum Thema bietet Bibliomed CAMPUS auch das E-Learning Expertenstandard "Beziehungsgestaltung Menschen mit Demenz" an.

Zusätzlich entsteht eine App, die Pflegefachpersonen in konkreten Belastungssituationen unterstützen soll. Relevante Informationen sollen darüber mobil und unmittelbar verfügbar sein. 

Der erste Prototyp vermittelt Grundlagen zum Verständnis von Demenz und herausforderndem Verhalten im Krankenhaus.

Weitere Module zu Delir und Schmerzmanagement

Bis zum Projektende Ende 2027 sollen sieben weitere Module entstehen. Geplant sind unter anderem Inhalte zu Schmerzmanagement, Delir, Orientierung, Unruhe sowie zur Zusammenarbeit mit Angehörigen.

Die Praxistauglichkeit der digitalen Anwendungen soll im weiteren Projektverlauf wissenschaftlich untersucht werden. Dabei wollen die Projektpartner auch prüfen, ob das System zur Entlastung von Pflegenden beitragen und die Versorgung von Menschen mit Demenz im Krankenhaus unterstützen kann. Lernmodule und App sollen den Akutkrankenhäusern im Saarland nach Projektende im Dezember 2027 kostenfrei zur Verfügung stehen.

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