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Infektiologie

Antibiotikaresistenzen: Neue Behandlungsstrategie

Die Forschungsgruppe an der CAU untersucht die Mechanismen der Resistenzevolution bei bakteriellen Krankheitserregern, um künftig vorhandene Antibiotika sinnvoll kombinieren, ihre Wirksamkeit bewahren und die Bildung von Resistenzen hemmen zu können.

Neue Forschungsergebnisse der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zeigen einen möglichen Ansatz, um Antibiotikaresistenzen gezielt zu begegnen: Durch eine bestimmte Reihenfolge der Wirkstoffe könnten bakterielle Erreger wieder empfindlicher für Therapien werden, teilte die Uni in der Vorwoche mit. 

Ein Forschungsteam hat untersucht, wie sich der Krankenhauskeim Pseudomonas aeruginosa durch eine Vorbehandlung mit einem Antibiotikum für ein zweites sensibilisieren lässt. Ziel ist es, Resistenzentwicklungen zu bremsen und vorhandene Medikamente wirksamer einzusetzen.

Sequenzielle Gabe verstärkt Therapieeffekt

Die Forschenden beschreiben einen Effekt, bei dem ein zunächst verabreichtes Beta-Laktam-Antibiotikum die Bakterienzellen so verändert, dass ein nachfolgend gegebenes Aminoglykosid besser eindringen kann. Dieser Mechanismus wird als "negative Hysterese" bezeichnet.

"Unsere Untersuchungen zeigten, dass die negative Hysterese eine allgemeine Schwachstelle im Problemkeim P. aeruginosa darstellt, die bereits durch geringe Dosen des sensibilisierenden Antibiotikums ausgelöst werden kann", sagte Ko-Seniorautor Roderich Roemhild. 

Durch die geschädigte Zellhülle könne der zweite Wirkstoff effektiver wirken. Laut den Autoren fördere die richtige Abfolge der Medikamente "das Absterben der Krankheitskeime" und begrenze deren Anpassungsfähigkeit. 

Relevanz für Pflege noch offen

Pseudomonas aeruginosa ist ein häufiger Erreger nosokomialer Infektionen, insbesondere bei immungeschwächten Patientinnen und Patienten oder bei chronischen Lungenerkrankungen. Für die Pflege sind solche Infektionen etwa in der Beatmung, Wundversorgung oder bei invasiven Maßnahmen relevant. 

Der beschriebene Ansatz könnte perspektivisch Einfluss auf Antibiotikaregime haben, etwa durch sequenzielle Therapieschemata. Konkrete Empfehlungen für die Praxis lassen sich aus den vorliegenden Daten jedoch noch nicht ableiten. Es handelt sich um experimentelle Grundlagenforschung.

RKI: Resistenzentwicklung bleibt Herausforderung

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zählt die Zunahme antibiotikaresistenter Erreger zu den zentralen Herausforderungen im Gesundheitssystem. Aktuelle Berichte verweisen auf eine anhaltend hohe Bedeutung multiresistenter Bakterien in der Versorgung sowie auf die Notwendigkeit eines rationalen Antibiotikaeinsatzes.

Vor diesem Hintergrund zielt die Kieler Arbeit darauf ab, vorhandene Wirkstoffe effizienter zu nutzen und die Entstehung weiterer Resistenzen zu verlangsamen – ein Ansatz, der insbesondere in klinischen Settings an Bedeutung gewinnen könnte.

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