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  • 26.01.2017
  • Praxis

Patientenedukation

Jede Chance für Gespräche nutzen

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 1/2017

Seite 30

Zeit ist im hektischen Pflegealltag ein knappes Gut. Dennoch ist es möglich, Patienten und Angehörige angemessen zu beraten und anzuleiten. Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier gehen Pflegende neue Wege, um trotz knapper Zeitressourcen Patienten-edukation in den Pflegealltag zu integrieren.

Patientenedukation gewinnt in der Pflege zunehmend an Bedeutung. Denn die Verweildauern werden immer kürzer und chronische Erkrankungen nehmen zu. Betroffene brauchen Informationen und Beratung, um mit ihrer Erkrankung auch im häuslichen Umfeld gut leben zu können, aber auch um therapierelevante Entscheidungen zu treffen.

Seit Jahren ist Patientenedukation Bestandteil der professionellen Ausbildung in der Pflege. Im Pflegealltag wird sie aber aus Zeitgründen oft nicht durchgeführt.

Bewusstsein schaffen: Patienten- edukation ist pflegerische Aufgabe

Im Krankenhaus haben die Pflegenden den engsten Kontakt zu den Patienten. Sie gehen dadurch eine engere Beziehung ein als andere Berufsgruppen. Genau hier setzt der erste Schritt bei der Einführung von Patienten-edukation an. Eine grundsätzliche Haltung und Bereitschaft, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, bedarf kontinuierlicher Fort- und Weiterbildung.

Patientenedukation und die Entwicklung von Gesundheitskompetenz sind seit Jahren fester Bestandteil im Bildungsinstitut des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier (s. Kasten). Dadurch hat sich die Haltung der Pflegenden zur Patientenedukation gewandelt. Im Laufe der Zeit haben die Pflegenden selbst neue Vermittlungsmethoden überlegt und entwickelt, die nun im Pflegealltag eingesetzt werden. So entstanden individuelle Ideen und Konzepte. Unterstützt werden die Pflegenden hierbei von den Mitarbeiterinnen des Patienten-Informationszentrums.

Gespräche machen einen großen Teil des pflegerischen Handelns aus. Auch kurze Gespräche können genutzt werden, um Informationen weiterzugeben oder auf individuelle Fragen der Patienten einzugehen. Wenn Pflegende ihr Handeln erklären oder Medikamente verteilen und hierbei die Patienten über deren Wirkungsweise informieren, dann ist auch dies eine Form von „Patientenedukation“. Pflegende benötigen dazu keine zusätzliche Zeit für das Anleiten und Beraten. Als Grundsatz gilt: Jede beim Patienten verbrachte Zeit kann zugleich auch zu edukativen Zwecken genutzt werden.

Die Art der Kommunikation durch die Pflegenden spielt hier eine sehr große Rolle. Um auch die kurzen Gespräche erfolgreich werden zu lassen, ist es wichtig, schon bei den ersten Kontakten Beziehungsarbeit zu leisten. So entsteht Vertrauen. Dies geschieht am ehesten durch empathische Zuwendung, Wertschätzung und einfühlendes Verstehen. Das alles erleichtert später die Zusammenarbeit mit dem Patienten und dessen Angehörigen.

Auch die Wahl der Sprache ist wichtig. Patienten sind in der Akutphase häufig durch Schmerzen, Ängste oder andere Faktoren nicht in der Lage, alle Einzelheiten im Gespräch zu erfassen und aufmerksam zuzuhören. Hier ist eine authentische, verständliche und ermutigende Sprache hilfreich. Komplizierte Informationen oder Anleitungen können auf kleine Einheiten verteilt werden. Somit ist der Patient nicht überfordert, und die Pflegenden können die Lerninhalte besser in den Pflegealltag integrieren. Bei Patienten mit hohem Informations- und Beratungsbedarf hat sich der Einsatz der Pflegeexperten im Hause bewährt.

Ein weiterer Baustein in der Umsetzung von Patientenedukation auf Station ist die Entwicklung von schriftlichem Informationsmaterial.

 


Patientenedukation in der Fort- und Weiterbildung

In unterschiedlichen Fort- und Weiterbildungsangeboten am Bildungsinstitut der Barmherzigen Brüder Trier werden Bereiche der Patientenedukation integriert mit dem Ziel, eine Haltung zu entwickeln und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

  • Den Pflegenden die eigenen Stärken bewusst machen
  •  Patientenedukation als pflegerisches Arbeitsfeld erkennen
  • Theorie der Patientenedukation
  • Kommunikationstechniken in der Patientenedukation
  • Wittener Werkzeuge




Die wichtigsten Lerninhalte schriftlich weitergeben

Schriftliche Informationen wie Handzettel oder kleine Broschüren können in der Patienten- und Angehörigenberatung als niederschwelliges Angebot sehr hilfreich sein. In verständlicher Sprache werden die wichtigsten Lerninhalte festgehalten und können so zur Unterstützung im Beratungsprozess genutzt werden.

Die Handzettel dienen dazu, konkrete Fertigkeiten zu erlernen oder wichtige Informationen festzuhalten. Eine Visualisierung durch Bilder erleichtert das Nachvollziehen der einzelnen Schritte. Die Handzettel werden handlungsbegleitend eingesetzt. Während der täglichen Arbeit am Patientenbett werden die Inhalte in kurzen Gesprächseinheiten vermittelt. Beispiele hierfür können der Umgang mit Medikamenten, postoperative Verhaltensmaßnahmen oder präventive Maßnahmen wie die Sturzvorbeugung im Krankenhaus sein.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die Handzettel im Alltag zu nutzen. Das gezielte Aushändigen an den Patienten während der pflegerischen Handlung und Anleitung ist eine Form der Weitergabe. Diese Handzettel liegen meist auf dem Pflegewagen oder werden auf dem Spritzentablett mitgeführt. Wieder andere werden zusätzlich im Wartebereich, am Schwarzen Brett oder im Patientenzimmer ausgelegt oder aufgehängt. Patienten und deren Angehörige erhalten so frühzeitig die für sie wichtigen Informationen und haben damit die Möglichkeit, sich auf Gespräche vorzubereiten und noch ausstehende Fragen zu klären.

Viele Themen werden von den Pflegefachkräften der Stationen vorgeschlagen. Dies sind meist häufig auftretende Krankheitsbilder, zum Beispiel COPD, Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfall. Einige Handzettel basieren auf den Expertenstandards in der Pflege und werden im Krankenhaus als wichtige Informationstools zur Qualitätssicherung eingesetzt.

Bei der Patientenaufnahme durch die Pflegenden erhalten Betroffene schon beim Aufnahmegespräch schriftliche Informationen zur Sturzvorbeugung im Krankenhaus und zum Umgang mit Schmerz. So haben die Patienten die Möglichkeit, das Gehörte später noch einmal in Ruhe nachzulesen. Insgesamt werden im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier aktuell 36 Handzettel und 16 Broschüren, zum Beispiel „Leben mit einem Stoma“, genutzt, um Patientenedukation handlungsbegleitend durchzuführen. Die Handzettel und Broschüren werden dabei in interprofessionellen Projektgruppen erstellt.

Vor der Einführung von neuem Informationsmaterial auf den Stationen werden Patienten und Angehörige in den Prozess mit eingebunden. Alle Materialien werden von ihnen auf Verständlichkeit und Lesbarkeit hin gegengelesen. In regelmäßigen Abständen werden die Inhalte der Handzettel und Broschüren noch einmal auf deren Richtigkeit und Aktualität überprüft (Wittener Liste).

Die Erfahrung zeigt, dass die Broschüren und Handzettel von Patienten und Angehörigen dankbar angenommen werden. Durch die individuelle Zuwendung und verständliche Informationsweitergabe fühlen sich viele Betroffene sicherer und gestärkt im Umgang mit der Erkrankung.

Um Gespräche als pflegerisches Handeln erfahrbar zu machen, wurde schon vor mehreren Jahren die Pflegedokumentation geändert. Pflegerische Gespräche werden mit Minutenwerten in der Pflegedokumentation erfasst (im „Optiplan“ und in der digitalen Dokumentation „Orbis“). Durch die Erfassung von Pflegeminutenwerten in der PPR (Pflegepersonalregelung) werden Gespräche in der Pflege entsprechend gewürdigt und als pflegerisches Handeln deutlich gemacht.

Gespräche erhalten neue Wertigkeit

In der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Patientenedukation als pflegerisches Handlungsfeld, hat sich die Grundhaltung der Pflegenden im Laufe der Jahre geändert. Gespräche erhalten eine neue Wertigkeit und werden in den Pflegeprozess integriert. Trotz knapper Zeitressourcen ist eine Umsetzung von Patienten-edukation mit niederschwelligen Angeboten möglich.

Das Vorhalten von Informationsmaterial zur Unterstützung von kurzen pflegerischen Interventionen und Gesprächen hat sich im Laufe der Jahre bewährt. Viele Pflegefachkräfte nutzen das Angebot zur Anleitung und Beratung ihrer Patienten und deren Angehörigen.