Saoussen Salah hat ihre Heimat Tunesien verlassen, um in Deutschland eine Pflegeausbildung zu beginnen. Im Interview berichtet sie über Motivation, Herausforderungen und ihren Weg in den Pflegeberuf – zwischen Sprachbarrieren, Neuanfang und klaren Zukunftszielen.
Frau Salah, Sie leben in Offenburg und absolvieren die Pflegeausbildung im Vita Tertia Haus Limone. Warum haben Sie sich für die Pflege entschieden?
Der Pflegeberuf war schon immer mein Traum. Außerdem ist eine meiner vier Schwestern Krankenschwester in Tunesien. Sie hat mich motiviert und mich auf meinem Weg bestärkt.
Warum haben Sie Ihr Land verlassen?
Nach meinem Studium arbeitete ich einige Jahre in einer Praxis, hatte jedoch täglich einen sehr langen Arbeitsweg. Anfangs war das für mich in Ordnung, weil ich Berufserfahrung sammeln wollte. Denn in Tunesien ist das Studium stark theoretisch geprägt, Praxiseinsätze gibt es nur am Ende. Mit der Zeit wurde der Alltag jedoch sehr belastend. Als ich von der Möglichkeit erfuhr, über ein Anwerbeprogramm eine Pflegeausbildung in Deutschland zu beginnen, habe ich diese Chance genutzt. Mir war klar, dass ich mich in diesem Beruf vielfältig weiterentwickeln kann.
Was waren die größten Herausforderungen?
Die Sprache war am Anfang die größte Herausforderung. Ich hatte zwar bereits in Tunesien Deutsch gelernt, aber das Sprechen vor anderen fiel mir zunächst schwer. Mittlerweile habe ich deutlich mehr Sicherheit gewonnen. Was ich an Deutschland besonders mag, sind Ordnung, Pünktlichkeit und klare Regeln – zum Beispiel im Straßenverkehr (lacht).
Was unterscheidet Ihren Alltag hier von dem in Tunesien?
Der Alltag in Deutschland ist stärker organisiert und strukturiert. Anfangs lebte ich in einer Wohngemeinschaft, was für mich aufgrund meiner religiösen Praxis nicht immer einfach war. Inzwischen habe ich eine eigene Wohnung, in der ich mich wohler fühle. Eine Moschee habe ich bisher noch nicht gefunden, aber ich lebe meinen Glauben auch für mich selbst.
Wie halten Sie Kontakt zu Familie und Freunden, und was vermissen Sie?
Videotelefonie macht den Kontakt heute zum Glück einfach. Ich vermisse besonders das tunesische Essen – vor allem die scharfen Gerichte (lacht). Auch die Gebetsrufe des Imams fehlen mir und natürlich meine Familie und Freunde.