Ein Pflegefachmann aus Usbekistan berichtet über Ausbildung, Migration und Unterschiede zur Pflege in Deutschland – und warum internationale Programme Chancen bieten.
Wie ist die Pflegeausbildung in Usbekistan geregelt?
Die Pflegeausbildung befindet sich im Wandel: Sie entwickelt sich vom früheren sowjetischen, schulischen Modell hin zu einem akademischen Berufsbild mit Bachelor- und Masterabschlüssen. Ich selbst habe von 2003 bis 2006 an einem Medical College in Taschkent studiert. Heute sind internationale Kooperationen wichtig, etwa ein Abkommen mit Deutschland, um Pflegefachpersonen nach deutschen Standards auszubilden.
Wie bewerten Sie solche Abkommen?
Usbekistan erlebt derzeit einen starken wirtschaftlichen Umbruch. Das Land hat 40 Millionen Einwohner, bietet aber nicht genügend Arbeitsplätze. Internationale Programme eröffnen vielen, besonders jungen Menschen deshalb gute Perspektiven.
Warum haben Sie sich für Deutschland entschieden?
Deutschland war für mich von Anfang an die erste Wahl. Als Pflegefachperson gibt es hier gute Verdienstmöglichkeiten und viele Weiterbildungen. Für meine Familie bedeutet das Sicherheit und bessere Zukunftschancen – insbesondere für die Ausbildung meiner Kinder.
Woran mussten Sie sich in Deutschland gewöhnen?
Eigentlich an vieles. In Usbekistan spielt Familie eine sehr große Rolle, mehrere Generationen leben oft zusammen. Das Leben ist flexibler, Geschäfte und Basare sind fast rund um die Uhr geöffnet. In Deutschland ist der Alltag stärker organisiert: Pünktlichkeit, feste Arbeitszeiten und klare Regeln sind sehr wichtig. Persönliche Beziehungen stehen hier weniger im Mittelpunkt.
Warum haben Sie sich für den Pflegeberuf entschieden?
Anderen Gutes zu tun und sie sowohl körperlich als auch seelisch zu unterstützen, bereitet einem Freude – deshalb.
Wie unterscheidet sich die Pflege in Usbekistan und Deutschland?
In Usbekistan übernehmen vor allem Familienangehörige die Pflege. In Deutschland ist sie stärker strukturiert und wird überwiegend von professionellen Pflegenden geleistet. Interview: SL