Der Fachkräftemangel in der Pflege führt dazu, dass Einrichtungen verstärkt Pflegefachpersonen aus dem Ausland rekrutieren. Die Integration in den Arbeitsalltag rückt damit zunehmend in den Fokus. Eine aktuelle qualitative Studie aus Bayern zeigt, wie Praxisanleitende diese Aufgabe erleben und welche Bedingungen für eine gelingende Integration entscheidend sind.
Grundlage der Untersuchung waren sechs halbstrukturierte Interviews mit Praxisanleitenden aus Akutkliniken, die regelmäßig internationale Pflegefachpersonen im Anerkennungsverfahren begleiten. Die Ergebnisse zeigen ein ambivalentes Bild: Einerseits berichten die Befragten von motivierten Mitarbeitenden, kultureller Vielfalt und einer Bereicherung für die Teams. Andererseits wird die Integration häufig als zusätzliche Belastung beschrieben, die neben dem regulären Arbeitsalltag bewältigt werden muss. Insbesondere Sprachbarrieren, unterschiedliche Pflegeverständnisse sowie unklare Zuständigkeiten hemmen den Prozess.
Ein zentrales Problem ist die fehlende strukturelle Vorbereitung. Häufig erhalten Teams erst kurzfristig Informationen über neue Mitarbeitende, was eine gezielte Einarbeitung erschwert. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse, dass Integration dort besser gelingt, wo es klare Strukturen, ausreichend Zeit und eine unterstützende Teamkultur gibt. Aus Sicht der Praxisanleitenden sind verbindliche und zugleich flexible Einarbeitungskonzepte entscheidend, mit festen Ansprechpersonen, regelmäßigen Rückmeldungen und ausreichend Zeit, um fachliche und sprachliche Kompetenzen aufzubauen.
Zudem spielt die Teamkultur eine zentrale Rolle: Offenheit, gegen- seitige Unterstützung und ein wertschätzender Umgang fördern nicht nur die fachliche Entwicklung, sondern auch das Zugehörigkeitsgefühl. Interkulturelle Sensibilisierung kann helfen, Missverständnisse zu reduzieren und kulturelle Unterschiede als Ressource zu nutzen. Auch die Sprachförderung wird als entscheidender Faktor beschrieben. Formale Sprachniveaus reichen im Arbeitsalltag oft nicht aus, weshalb praxisnahe und kontinuierliche Unterstützungsangebote notwendig sind. Ergänzend wird die Bedeutung psychosozialer Hilfe betont, da viele internationale Pflegefachpersonen mit persönlichen und organisatorischen Herausforderungen konfrontiert sind.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Integration nicht als Aufgabe einzelner Praxisanleitender verstanden werden kann. Vielmehr ist es eine gemeinsame Verantwortung von Team und Einrichtung. Verbindliche Strukturen, klare Zuständigkeiten und institutionelle Unterstützung sind zentrale Voraussetzungen, um Praxisanleitende zu entlasten und Integration nachhaltig zu gestalten. Denn Integration gelingt nur dort, wo sie als selbstverständlicher Bestandteil professioneller Pflegepraxis betrachtet wird.
Iris Gallwitzer ist Pflegepädagogin (M. A.) und seit 2022 an Pflegeschulen tätig. Von 2023 bis 2025 leitete sie das Anerkennungsverfahren für internationale Pflegefachpersonen und war an der Konzeption und Durchführung von Fachkenntnisprüfungen beteiligt. Ihren Master in „Berufliche Bildung im Gesundheitswesen – Fachrichtung Pflege“ absolvierte sie 2025 an der SRH University Campus Fürth mit dem Schwerpunkt Integration ausländischer Pflegefachpersonen.