Die Einführung der hochschulischen Pflegeausbildung markiert einen historischen Wendepunkt – doch der Weg zur Akademisierung der Pflege ist von Verzögerungen, politischen Konflikten und strukturellen Brüchen geprägt. Ein Blick auf mehr als 100 Jahre Entwicklung zeigt, warum Deutschland im internationalen Vergleich hinterherhinkt, welche Versäumnisse fortwirken und weshalb die Frage einer Vollakademisierung aktueller ist denn je.
Pflege primärqualifizierend studieren – was seit 2020 als regulärer Qualifikationsweg zur Berufszulassung als Pflegefachperson möglich ist, ist der vorläufige Höhepunkt einer jahrzehntelangen Entwicklung, die bis in die 1970er-Jahre – oder, genau genommen, sogar bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts – zurückreicht. Alles begann in den USA: 1907 war Mary Adelaide Nutting am Teachers College der Columbia University in New York auf den weltweit ersten Lehrstuhl für Pflege berufen worden. Nutting war eine Weggefährtin Agnes Karlls – der Vorsitzenden der Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands (BOKD). An der privaten Hochschule für Frauen in Leipzig initiierte Karll 1911 einen zweijährigen Studiengang zur „Ausbildung von Krankenpflegerinnen zu Oberschwestern und Oberinnen“ – und unternahm damit den ersten Versuch in Deutschland, zumindest die Qualifizierung von lehrenden und leitenden Pflegenden zu akademisieren [1, 2].
Erste Versuche scheiterten
Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte die Besatzungsmacht USA an der Universität Heidelberg einen Bachelorstudiengang für angehende Krankenschwestern einrichten. Es gab jedoch Widerstand von den zuständigen Bundesministerien und den damals wenig progressiven Pflegeberufsorganisationen, sodass sich mit der „Schwesternschule der Universität Heidelberg (USH)“ letztlich nur eine Modellschule nach US-amerikanischem Vorbild durchsetzen ließ [1, 2]. Als fortschrittlich galt die 2006 abgewickelte Schwesternschule dennoch. Sabine Bartholomeyczik, Schülerin an der USH von 1964 bis 1966, erinnert sich [3]: „Der theoretische Unterricht lag deutlich über dem, was das Krankenpflegegesetz vorschrieb. Für jeden der größeren medizinischen Bereiche gab es eine eigene Pflegelehrerin, die uns bei den Praxiseinsätzen auch auf den Stationen besuchte und anleitete. (…) Voraussetzung für die Arbeit als Lehrerin an der USH war ein Studienaufenthalt, anfangs in der Regel im Ausland. Während eines Praxiseinsatzes gab es zeitgleich in der Schule den entsprechenden Fachunterricht. (…) Innovativ an der USH war auch, dass große Teile des theoretischen nichtpflegerischen Unterrichts von Unidozenten erteilt wurden. Wir besuchten aber auch Vorlesungen an der Universität mit Studierenden anderer Fächer.“
1956 war Großbritannien das erste Land in Europa, das Pflege als Hochschuldisziplin etablierte. Viele weitere westeuropäische Länder zogen nach und verlagerten die Pflegeausbildung teilweise oder komplett auf den Hochschulbereich. Deutschland sollte dieser Entwicklung lange hinterherhinken – von einigen erfolglosen Initiativen abgesehen: Im Jahr 1970 hatten Überlegungen, die Pflegeausbildung im Zuge der bundesdeutschen Bildungsreform zu akademisieren, zu der Empfehlung des Wissenschaftsrats geführt, Hochschulstudiengänge auch für nichtärztliche Gesundheitsfachberufe – darunter auch Pflege – einzurichten. Die Universität Ulm beabsichtigte, dieser Empfehlung zu folgen, doch die Umsetzung scheiterte am Widerstand der Politik und der Ärzteschaft. An der Freien Universität Berlin gelang schließlich die Einrichtung eines Modellstudiengangs, der mit dem akademischen Grad „Lehrer/-in für Kranken- und Kinderkrankenpflege (Diplom)“ abschloss. Doch aufgrund mangelnder Akzeptanz innerhalb der Pflege selbst konnte der Studiengang nicht in ein Regelangebot überführt werden. [1, 2]
In den 1980er-Jahren wurde weiterbildenden Studiengängen der Vorzug gegeben [2]. So gab es an der Fachhochschule Osnabrück seit 1981 den Weiterbildungsstudiengang „Pflegedienstleitung im Krankenhaus“. Diese Hochschule richtete 1987 die erste Professur für Krankenpflege ein und besetzte diese mit Ruth Schröck (1931–2023) – ein Meilenstein für die Pflegewissenschaft und den Berufsstand Pflege. Schröck stammte aus Westberlin, arbeitete dort als Lehrerin und ließ sich in Großbritannien zur Krankenschwester ausbilden. An der Universität Edinburgh absolvierte sie ein pflegewissenschaftliches, philosophisches und sozialwissenschaftliches Studium und promovierte 1981 zum PhD.
Aufbruchstimmung nach der Wende
In der DDR hatte es seit 1963 einen Studiengang gegeben, der zum Medizinpädagogen und damit zur Lehrtätigkeit an medizinischen Fachschulen qualifizierte. Die Berliner Humboldt-Universität richtete 1982 ein berufsbegleitendes Teilzeitstudium ein, das Krankenschwestern und Krankenpfleger zu Pflegedienstleitungen qualifizierte. Eine echte Akademisierung war somit auch in der DDR nicht gegeben. Insgesamt galten die Bildungsstrukturen im dortigen Gesundheitswesen aber als durchlässiger. Nach der Wiedervereinigung führte unter anderem die Auseinandersetzung mit dem DDR-Bildungssystem zur Einrichtung von Dutzenden pflegebezogenen Studiengängen. Sie qualifizierten im Pflegemanagement, in der Pflegepädagogik oder in der Pflegewissenschaft und setzten in der Regel eine abgeschlossene dreijährige Ausbildung in einem Pflegeberuf sowie mehrjährige Berufserfahrung voraus.
Die Einrichtung von Pflegestudiengängen wurde von der einflussreichen Denkschrift „Pflege braucht Eliten“ der Robert Bosch Stiftung unterstützt, die 1992 erschien und eine Akademisierung der Pflege forderte, um „Spitzenpflege“ zu ermöglichen und den künftigen Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung zu begegnen.
Sabine Bartholomeyczik wurde 1993 als Professorin für Pflegewissenschaft an die Fachhochschule Frankfurt am Main (heute: Frankfurt University of Applied Sciences) berufen. Die damalige Aufbruchzeit beschreibt sie rückblickend so [3]: „Nachdem wir jahrelang für die Akademisierung gekämpft hatten, schien es nach der Wende plötzlich rasend schnell zu gehen. Vor allem an Fachhochschulen gab es ein größeres Interesse an der Einrichtung verschiedenartiger Pflegestudiengänge, hier taten sich insbesondere Fachhochschulen in kirchlicher Trägerschaft hervor, die – wie es mir schien – etwas freier die Rahmenbedingungen für ein Studium gestalten konnten. Schwierigkeiten gab es, die Professuren mit sowohl pflegeerfahrenen als auch wissenschaftlich qualifizierten Professorinnen zu besetzen. (…) Ich war damals der Überzeugung, dass das wissenschaftliche Interesse an der Weiterentwicklung der Pflegepraxis mit Pflegefacherfahrung wichtiger sei als die formal wichtigen wissenschaftlichen Abschlüsse. Für die Weiterentwicklung spielte damals die Robert Bosch Stiftung eine wichtige Rolle, weil sie Studienstipendien für das Ausland vergab und in Witten ein Promotionskolleg förderte.“
2004 erster dualer Studiengang
Der nächste Meilenstein in der Entwicklung der Akademisierung der Pflege war im Jahr 2004 erreicht: An der Evangelischen Fachhochschule Berlin startete der Modellstudiengang „Bachelor of Nursing“, der erstmals das Hochschulstudium mit der Pflegeberufsausbildung kombinierte [4]. Das Bildungsangebot führte nach sechs Semestern zur staatlichen Berufszulassung als Gesundheits- und Krankenpflegerin beziehungsweise Gesundheits- und Krankenpfleger und schloss nach acht Semestern mit dem akademischen Grad des Bachelors ab. Voraussetzung für die Immatrikulation war ein abgeschlossener Ausbildungsvertrag bei einem der damals sieben Kooperationspartner der Hochschule.
2012 sprachen sich sowohl der Wissenschaftsrat als auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen für die partielle Akademisierung der Pflegeberufsausbildung aus; der Wissenschaftsrat setzte die erforderliche Akademisierungsquote mit 10 bis 20 Prozent an. Zu diesem Zeitpunkt – acht Jahre vor Inkrafttreten des Pflegeberufegesetzes (PflBG) – existierten bundesweit bereits 37 Studiengänge, die grundständig für den Pflegeberuf ausbildeten. Der Deutsche Bildungsrat für Pflegeberufe konstatierte [5]: „Derzeit ist festzuhalten, dass die pflegerische Berufsausbildung durch ein wissenschaftliches Hochschulstudium in Deutschland schneller Realität wird als das Berufsrecht modernisiert wird.“ Doch auch bei einem weiteren Ausbau der grundständig berufsqualifizierenden Studienangebote könne die angestrebte Akademisierungsquote nur in einer längeren zeitlichen Perspektive erreicht werden.
Option Vollakademisierung
Die Option einer Vollakademisierung – die komplette Verlagerung der Berufsausbildung als Pflegefachperson auf den Hochschulbereich – wurde in Fachdiskursen punktuell ins Spiel gebracht. 2012 – kurz nachdem der Wissenschaftsrat die partielle Akademisierung des Pflegeberufs empfohlen hatte – sagte etwa der Bremer Pflegewissenschaftler Stefan Görres [6]: „Sinnvoll wäre eine Vollakademisierung des Pflegeberufs, wie sie auch in vielen anderen Ländern schon realisiert ist. Darunter müsste es natürlich noch andere Qualifikationsstufen geben, zum Beispiel ein- oder zweijährige Ausbildungsgänge. Meines Erachtens geht eine Professionalisierung der Pflege nur mit einer Vollakademisierung einher.“ Jüngst äußerte auch der Wittener Pflegewissenschaftler Hermann Brandenburg, dass die Vollakademisierung der Pflege eine „Perspektive“ böte, aber Mut erfordere und voraussetze, Widerstände innerhalb der Berufsgruppe zu überwinden [7].
Bei der Debatte um eine Vollakademisierung lohnt sich der Blick in die deutschsprachigen Nachbarländer. In der Schweiz ist die Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann auf der Tertiärstufe angesiedelt und dauert drei Jahre. Man kann sie entweder an einer Fachhochschule (Tertiär A) oder an einer Höheren Fachschule (Tertiär B) absolvieren. Beide Wege sind gleichwertig und ermöglichen vertiefte Qualifikationen, wobei die Hochschulen stärker auf Theorie und Forschung setzen, während die höhere Berufsausbildung praxisnäher gestaltet ist. In der französischsprachigen Westschweiz, mit Ausnahme des französischsprachigen Teils des Kantons Bern sowie des Wallis, wird die Ausbildung ausschließlich auf Tertiär-A-Stufe, also akademisch, angeboten. Für den Rest des Landes stellt die Vollakademisierung derzeit keine Option dar, wie Christine Bally, verantwortlich für den Bereich Bildung beim Schweizer Pflegedachverband Alliance Care, gegenüber Die Schwester | Der Pfleger darlegt: „In der Deutschschweiz und im Tessin herrscht Konsens, dass es zwei Wege geben soll, diplomierte Pflegefachpersonen gemäß den geltenden EU-Richtlinien auszubilden – sowohl an Fachhochschulen als auch an Höheren Fachschulen.“
Österreich geht bereits einen Schritt weiter. 2024 trat eine Ausbildungsreform in Kraft; seitdem gibt es drei Gesundheits- und Krankenpflegeberufe: den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege (drei Jahre Ausbildung), die Pflegefachassistenz (zwei Jahre Ausbildung) und die Pflegeassistenz (ein Jahr Ausbildung) [8]. Die Ausbildung im gehobenen Dienst zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegeperson (DGKP) kann ausschließlich an Fachhochschulen absolviert werden – ist also vollständig akademisiert. Ein ausbildungsintegrierendes Pflegestudium war bereits seit 2008 möglich [8].
Laut „Gesundheitsberuferegister 2024“ hat Österreich aktuell einen Akademisierungsgrad von sieben Prozent [9]. Die Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands (ÖGKV), Elisabeth Potzmann, bezeichnet die Ausbildungsreform von 2024 als „Erfolgsmodell“, auch weil die Akademisierung des gehobenen Dienstes in der Gesundheits- und Krankenpflege im Hinblick auf die Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung „alternativlos“ sei. Die Politik wolle als nächsten Schritt Spezialisierungen, die auf dem Bachelorstudium aufbauen, auf den Weg bringen; ein entsprechendes Gesetz könnte schon im Februar beschlossen werden. „Gleichzeitig arbeiten wir an einem Titelschutz für Advanced Practice Nurses, an einer Liste von Arzneimitteln, die durch diplomierte Pflegefachpersonen verordnet werden können, sowie an der Entwicklung von Pflege- und Therapiepraxen. „All das wäre ohne die Fachhochschulausbildung nicht denkbar“, macht Potzmann gegenüber Die Schwester | Der Pfleger deutlich.
Akademische Weiterbildungs- und Qualifikationsangebote auf Masterniveau bestehen in Österreich bereits. „Dabei handelt es sich um akademische Hochschullehrgänge auf Masterniveau, deren europaweite Vergleichbarkeit gewährleistet ist“, sagt Marius Contor, Studienprogrammleiter an der Hochschule Campus Wien, gegenüber Die Schwester | Der Pfleger. Der Zugang erfolge entweder über ein Bachelorstudium oder ein Diplom im gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege. „Ein Bachelorabschluss ist somit keine zwingende Voraussetzung“, so Contor weiter. „Das Studium baut auf der vorhandenen pflegerischen Qualifikation auf und dient der vertieften und spezialisierten akademischen Weiterentwicklung.“ Entsprechende Qualifikationsmodelle auf Masterniveau seien bereits in mehreren pflegerischen und gesundheitsbezogenen Schwerpunkten etabliert, unter anderem in Primary Health Care Nursing, Public Health und Forensic Nursing. Diese Studienangebote seien auch in Deutschland anerkannt und könnten überwiegend online absolviert werden. Die Planungen gingen weiter. Contor: „Abhängig von der künftigen gesetzlichen Lage in Österreich werden derzeit einige mögliche Projekte für die Zukunft geprüft, beispielsweise im Bereich Demenz oder Cancer Care Nursing.“
Wo steht Deutschland heute?
Wo steht Deutschland heute – fünf Jahre nachdem die hochschulische Pflegeausbildung als Regelangebot gesetzlich verankert wurde? Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) äußerte sich im Rahmen der Mitte Januar veröffentlichten Ergebnisse der zweiten Erhebungswelle im Pflegepanel eher verhalten [10]: Zwar seien die Abschlusszahlen in den untersuchten pflegepraktischen Bachelorstudiengängen – insbesondere in den primärqualifizierenden Formaten – steigend, allerdings seien die Neuimmatrikulationen rückläufig, was zu einer geringeren Auslastung der Studienangebote führe. Das BIBB hält es daher für unwahrscheinlich, dass der aktuelle Anstieg der Abschlüsse langfristig anhält. Offenbar seien die Hochschulen noch stärker vom Rückgang an Bewerberinnen und Bewerbern betroffen als Pflegeschulen und Praxiseinrichtungen. Zudem bestehe bei den Studiengangsleitungen Unsicherheit darüber, ob die akademische Pflegeausbildung für Schulabgängerinnen und -abgänger ausreichend attraktiv sei. Die geschätzten Abbruchquoten lägen jedoch in einem Bereich, der mit dem anderer Bachelorstudiengänge vergleichbar sei, so das BIBB.
Nach Ansicht des Pflegewissenschaftlers Hermann Brandenburg – bekannt geworden als Professor und Lehrstuhlinhaber für gerontologische Pflege an der 2023 abgewickelten Fakultät für Pflegewissenschaft an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar, heute als Professor an der Universität Witten/Herdecke tätig – sei die Akademisierung der Pflege „gescheitert“ [7]. Es sei zwar einiges erreicht worden, aber kein Fortschritt, der wirklich einen Unterschied mache. Brandenburg begründet seine These damit, dass es nach fast 40 Jahren „Akademisierungsbemühungen“ nicht gelungen sei, nachhaltige akademische Strukturen aufzubauen. Fachhochschulen böten zwar zahlreiche pflegebezogene Studiengänge, universitäre Standorte seien jedoch nur marginal vorhanden.
Akademisierung der Pflege: 40 Jahre Entwicklung – und was jetzt folgen muss
Die Akademisierung der Pflege in Deutschland steht an einem Wendepunkt: Nach Jahrzehnten zäher Fortschritte gewinnt die hochschulische Pflegeausbildung spürbar an Fahrt – befeuert durch neue gesetzliche Rahmenbedingungen, erweiterte heilkundliche Kompetenzen und die Aussicht auf die gesetzliche Einführung der Advanced Practice Nurse. Doch trotz steigender Attraktivität bleiben zentrale Herausforderungen bestehen: die Integration akademisch qualifizierter Pflegefachpersonen in die Versorgung, klare Rollenprofile und eine starke Selbstvertretung des Berufsstands. Der Professor für Pflegewissenschaft an der Hochschule Bielefeld und Sprecher der Sektion Hochschulische Pflegebildung der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP), Markus Zimmermann, erklärt im Interview, wo die Pflege heute steht – und was noch getan werden muss.
Zu einem weniger drastischen Resümee kommt Markus Zimmermann, Dekan des Fachbereichs Gesundheit an der Hochschule Bielefeld und Sprecher der Sektion Hochschulische Pflegebildung der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP). Er verweist auf den verstärkten Zulauf der primärqualifizierenden Pflegestudiengänge seit 2024, auch wenn er einräumt, dass noch immer nicht alle Studienplätze belegt seien. „In Deutschland wird weiterhin der Schwerpunkt auf die fachschulische Ausbildung gelegt“, so der Professor für Pflegewissenschaft gegenüber Die Schwester | Der Pfleger. Der hochschulische Weg zum Pflegeberuf sei aber insbesondere durch Nachbesserungen im Pflegestudiumstärkungsgesetz etabliert. Damit erhalte Deutschland endlich Anschluss an internationale Standards. „Dennoch machen hochschulisch qualifizierte Pflegende bisher nur einen minimalen Anteil unter den Beschäftigten aus. Außerhalb der Universitätskliniken sind es zum Teil weniger als ein Prozent, noch geringer ist der Anteil in der Langzeitpflege.“ Somit sei der Wirkungsgrad akademisierter Pflegefachpersonen nach Ansicht Zimmermanns bisher als zu gering anzusehen.
Aus Sicht von Sabine Bartholomeyczik zeige sich heute, dass die in den 1990er-Jahren eingeschlagenen Sonderwege nicht nachhaltig gewesen seien – unter anderem abzulesen an der Abwicklung sowohl der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar als auch des Instituts für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld [3]. Positiv hebt Bartholomeyczik die existierenden grundständigen Regelstudiengänge hervor, die ihr jedoch noch zu schulisch angelegt erschienen. Positiv zu vermerken sei, dass in vielen Bereichen der Politik und des Gesundheitswesens Pflegewissenschaft nicht mehr grundsätzlich infrage gestellt werde. „Wichtig für die Zukunft sind Zentren für Pflegewissenschaft, die über eine Reihe von Professuren und Lehrstühlen mit spezifischen Schwerpunkten in unterschiedlichen Pflegesettings verfügen und dadurch pflegeinterdisziplinäre Forschungs- und Praxisprojekte durchführen können.“
[1] Bartholomeyczik S. Historische Entwicklung der Pflegewissenschaft. Ein langer, steiniger Weg. Die Schwester | Der Pfleger 2021; 60 (6): 46–51
[2] Haubrock M, Schröck R. Qualifikationsmöglichkeiten im tertiären Bildungsbereich: Entwicklung. Die Schwester | Der Pfleger 1993; 32 (5): 371–382
[3] Lücke S. Biografisches Interview. „Ich wollte etwas verändern“. Die Schwester | Der Pfleger 2024; 63 (11): 48–53
[4] Lücke S. Pflege-dual-Absolventen. Kämpfende Pioniere. Die Schwester | Der Pfleger 2015; 54 (8): 12–15
[5] Ohne Autor. Grundständig pflegeberufsausbildende Studiengänge in Deutschland. Die Schwester | Der Pfleger 2012; 51 (11): 1112
[6] Teigeler B. Pflegeausbildung. „Wir brauchen eine Vollakademisierung.“ Die Schwester | Der Pfleger 2012; 51 (10): 1022–1025
[7] Brandenburg H. Ist die Akademisierung der Pflege gescheitert? Pflege & Gesellschaft 2025; 30 (4): 417–425
[8] Potzmann E. Pflegeausbildung in Österreich. Spannender Change-Prozess. Die Schwester | Der Pfleger 2024; 63 (4): 4–8
[9] Pilwarsch J, Schichl-Zach M, Gruböck A et al. Jahresbericht Gesundheitsberuferegister 2024. Gesundheit Österreich, Wien; 2025
[10] Müller N, Caspers A. Monitoring zur Umsetzung der Pflegeausbildungen. Ergebnisse der zweiten Erhebungswelle 2024 aus dem BIBB-Pflegepanel. www.bibb.de/dienst/publikationen/de/20828 (Zugriff: 19.01.2026)