Ein Learning Management System kann zur Entlastung in der Praxisanleitung beitragen, auf individuelle Lernbedürfnisse gezielt reagieren und den Lernerfolg in der Pflegeausbildung stärken. Zwingend sind eine schrittweise und systematische Implementierung, technische Zuverlässigkeit und die Ergänzung durch persönliche Interaktion.
Im Zuge der digitalen Transformation des Gesundheitswesens rücken zunehmend auch mediengestützte Bildungswege in den Fokus. Während die Prozessoptimierung in der direkten Versorgung von Patientinnen und Patienten bereits fortschreitet, ist der gesundheitspädagogische Bildungsbereich, insbesondere die praktische Pflegeausbildung, bislang unzureichend adressiert. Dabei führt das Spannungsfeld aus demografischem Wandel, Fachkräftemangel und steigenden Anforderungen zu einer wachsenden Belastung der Auszubildenden und Praxisanleitenden.
Ein innovatives Forschungsprojekt untersuchte den Einfluss eines fachspezifischen LMS (Learning Management System) im akutstationären Bereich auf den Lernerfolg von Auszubildenden zur Pflegefachperson. Ziel war es, die Wirksamkeit eines eigens konzipierten LMS als begleitendes pädagogisches Instrument in der praktischen Ausbildung hinsichtlich Lernfortschritt, nachhaltigen Lernens, personellen sowie zeitlicher Ressourcen zu evaluieren.
Die Methodik basierte auf einer deskriptiven, nicht experimentellen, einarmigen Querschnittsstudie nach dem Design-Based-Research-Ansatz. Dafür führten die Forschenden sechs halbstrukturierte Experteninterviews und werteten sie mit der inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse aus.
Die Ergebnisse zeigen, dass das LMS den individuellen Lernprozess der Auszubildenden signifikant unterstützt, insbesondere durch Stärkung von Selbstvertrauen, Orientierung und Sicherheit. Die Möglichkeit zum selbstgesteuerten und ortsunabhängigen Lernen fördert die Autonomie und den langfristigen Wissenserwerb. Gleichzeitig reduziert sich der Arbeitsaufwand für Praxisanleitende, da strukturierte Anleitungsprozesse digital vorbereitet und Lerninhalte effizient und repetitiv vermittelt werden können. Rahmenbedingungen wie eine nutzerfreundliche Oberfläche, transparente Lernstrukturen und kontinuierliche Schulungsangebote zur Förderung digitaler Kompetenzentwicklung sind unverzichtbar.
Die Integration des LMS zeigt deutliche Potenziale zur Optimierung der Ausbildungsqualität. Dies gibt Anlass zur reflexiven Diskussion. Allerdings ist für die Wirksamkeit des LMS eine tragfähige technische Infrastruktur, eine didaktisch durchdachte Aufbereitung der Lerninhalte sowie eine kontinuierliche persönliche Lernbegleitung zwingend erforderlich.
Das LMS ist als Ergänzung zur praktischen Anleitung zu verstehen. Eine offene Haltung gegenüber digitalen Lehrformaten sowie curriculare Systemreformen im Aus- und Fortbildungssektor sind zentrale Voraussetzungen für eine nachhaltige Implementierung.