• 26.10.2020
  • Bildung
Prüfungsvorbereitung in Pandemiezeiten

Resilienz trainieren

Die Lehrenden am Klinikum Worms haben ein Seminar entwickelt, um bei den angehenden Pflegefachfrauen und -männern Stress zu reduzieren.

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 11/2020

Seite 72

Die Lehrenden der Zentralen Ausbildungsstätte für Pflegeberufe des Klinikums Worms haben ein Seminar entwickelt, um bei den angehenden Pflegefachfrauen und -männern Stress zu reduzieren und für Entspannung zu sorgen.

Mit der Pandemie kam das abrupte Ende des Präsenzunterrichts. Von heute auf morgen wurde die Zentrale Ausbildungsstelle für Pflegeberufe (ZAfP) geschlossen. In Windeseile stellten die Lehrenden der Bildungseinrichtung des Klinikums Worms mit 266 Ausbildungsplätzen auf digitalen Unterricht um. Das klappte erstaunlich gut, doch von nun an waren die Auszubildenden weitgehend auf sich gestellt. Sie mussten ihren Lernalltag und die Prüfungsvorbereitung eigenverantwortlich organisieren.

Das führte bei vielen Auszubildenden zu Ängsten, Belastungen und Unsicherheiten – besonders bei jenen, die sich auf das Examen vorbereiten mussten. Von ihnen erhielten die Lehrenden immer häufiger telefonische Äußerungen depressiver Verstimmungen und immenser Überforderung. Viele sorgten sich zudem um die Zeit nach dem Examen. Wird die Pandemie einen Einfluss auf ihren Berufsstart als examinierte Pflegefachperson haben?

Examensstress und Prüfungsangst besser standhalten

Als sich Deutschland im pandemiebedingten Shutdown befand, standen zwei Examenskurse des ZAfP mit gesamt 42 Auszubildenden vor dem mündlichen Examen. Die schriftliche und die praktische Prüfung waren bereits unter strengsten Corona-Auflagen erfolgt. Im Vorfeld der mündlichen Prüfungen nahmen die Belastungen noch einmal merklich zu.

Um den Auszubildenden zu helfen, dem Examensstress und der Prüfungsangst besser standzuhalten, entwickelten die Lehrenden der ZAfP ein spezielles Seminarangebot.

Es erwies sich als hilfreich, dass sich im Kollegium eine Pflegefachfrau und Diplom-Pflegewirtin befand, die auch Entspannungspädagogin und Heilpraktikerin für Psychotherapie war. Sie konnte ihre Fachkenntnisse gezielt einbringen. Letztlich entstand ein Seminar, das die Auszubildenden in die Lage versetzen sollte,

  • Signale der eigenen Anspannung zu erkennen,
  • Entspannungsverfahren zu erlernen,
  • Resilienz zu trainieren,
  • Entlastung durch Austausch und Gespräch zu erfahren,
  • Hintergrundwissen zur Stressentstehung zu erhalten und zu verstehen.

Positive Rückmeldungen

Sobald es die pandemiebedingten Beschränkungen zuließen, wurde das Seminar fünfmal in der ZAfP durchgeführt. Hierzu wurden fünf Präsenzgruppen aus jeweils bis zu zehn Auszubildenden gebildet. Ziel war es, den Auszubildenden unterschiedliche Möglichkeiten der Entspannung anzubieten.

Sowohl vor als auch nach dem Seminar wurden die Auszubildenden gebeten, anonym Fragebögen auszufüllen. Die Befragung vor dem Seminar brachte noch einmal ungefiltert die immensen examens- und pandemiebedingten Belastungen zutage.

Die Auswertung der zweiten Befragung nach dem Seminar ergab indes, dass sich der Stress deutlich reduziert hatte. 97,4 Prozent der Befragten äußerten, dass ihre Erwartungen an das Seminar erfüllt wurden. Viele meldeten zurück, dass sie sich ein solches Angebot schon vor den praktischen und schriftlichen Prüfungen gewünscht hätten. Einige hoben positiv hervor, dass im Seminar hilfreiche Methoden vermittelt wurden, um mit Ängsten und Anspannung besser umzugehen.

Künftig ist geplant, allen Examenskursen ein solches Seminar anzubieten. Damit soll ein Angebot geschaffen werden, die Examensvorbereitung auch in diesem ganzheitlichen Sinne zu verbessern. Die hohe Zustimmung lässt den Bedarf deutlich erkennen.

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