• 25.05.2018
  • Bildung
Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Was bringt die neue Weiterbildungsordnung?

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 6/2018

Seite 97

In Rheinland-Pfalz ist im Januar 2018 die erste Weiterbildungsordnung einer Landespflegekammer in Kraft getreten. Die neuen Regelungen sind nun für alle Pflegefachpersonen des Bundeslandes gültig. Was bedeutet das für die Pflegenden?

Die Weiterbildungsordnung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz regelt verbindlich die Weiterbildung für Pflegefachpersonen, die in Rheinland-Pfalz durchgeführt werden. Sie gilt gleichermaßen für Gesundheits- und Krankenpfleger/innen, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen und Altenpfleger/innen. Die Regelungen beziehen sich dabei auf Fachweiterbildungen, zum Beispiel Intensiv- und Anästhesiepflege, psychiatrische Pflege sowie Funktionsweiterbildungen, zum Beispiel Leitung einer Funktionseinheit und Praxisanleitung. Ziel der neuen Ordnung ist ein Weiterbildungskonzept, das sich an den zukünftigen Herausforderungen der professionellen Pflege orientiert.

Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz ist nun zuständig für:

  • den organisatorischen Ablauf,
  • die Zulassung von Weiterbildungsstätten und Weiterbildungen,
  • die Zulassung zu Prüfungen,
  • die Ausstellung der Zeugnisse und Urkunden sowie
  • die Anerkennung von Weiterbildungen, die im Ausland absolviert wurden.

Damit setzt die Kammer deutliche Qualitätsstandards für pflegerische Weiterbildungen.

Weiterbildung in Rheinland-Pfalz: Aus der Pflege für die Pflege

Bislang lagen die staatlich anerkannten Weiterbildungen in Rheinland-Pfalz, wie in den meisten anderen Bundesländern auch, im Zuständigkeitsbereich des Landes. Sie wurden durch das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Rheinland-Pfalz geregelt und verwaltet. Als die erste Landespflegekammer am 1. Januar 2016 ihre Arbeit aufgenommen hat, erhielt sie im HeilBG den Auftrag, eine Weiterbildungsordnung bis zum 1. Januar 2018 zu erstellen. Dies war notwendig, da landesrecht­liche Regelungen zuletzt 1998 aktualisiert wurden.

Dies ist die Legitimation, die Belange der Weiterbildung selbst in die Hand zu nehmen. Dazu erstellte der Ausschuss für Weiterbildung und Fortbildung der Landespflegekammer eine Weiterbildungsordnung. Die Ausschussmitglieder wurden von der Vertreterversammlung der Pflegekammer gewählt und sind allesamt erfahrene Pflegefachpersonen. Bei der Erstellung war es für den Ausschuss von entscheidender Bedeutung, die oftmals langjährige Erfahrung von Pflegenden einzuholen. Diese Expertise, die aus der Pflegepraxis sowie aus dem pflegepädagogischen und pflegewissenschaftlichen Bereich stammt, kommt damit von den Pflegefachpersonen selbst.

Mit der Weiterbildungsordnung wurde im ersten Schritt ein pädagogisch-didaktischer Begründungsrahmen entwickelt, der das Gesamtkonzept erläutert und wissenschaftlich begründet. Als erste Weiterbildung in neuem kompetenzorientierten und modularen Gewand wurde die Rahmenvorgabe für die Weiterbildung zur Praxisanleiterin zum 1. Januar 2018 in Kraft gesetzt. Damit wird der ehemalige Teil 8 der „alten“ Anlage der Landesverordnung (GFBWBGDVO) nach einer Übergangsfrist außer Kraft gesetzt. Weitere Weiterbildungen werden durch Experten-Arbeitsgruppen, ebenfalls alle Pflegende aus der Praxis, nach und nach neu entwickelt und als Anlage der Weiterbildungsordnung in Kraft gesetzt. Das Gesundheitsministerium im Land hat die Regelungen rechtlich geprüft und genehmigt. Damit ist die Weiterbildungsordnung nun für alle Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz gült

 

Was hat sich geändert?

Die wichtigste Änderung ist, dass die Standards für die Weiterbildung durch die Berufsangehörigen selbst gesetzt werden. Dies ist ganz im Sinne der Selbstverwaltung. So ist es zum Beispiel bei Ärztinnen und Ärzten seit Jahrzehnten der Fall.

Eine weitere elementare Änderung ist die Kompetenzorientierung, die die Fächerorientierung in den bisherigen Weiterbildungen ablösen wird. Neben dem Wissen werden das Können sowie die Werte und Einstellungen der Weiterbildungsteilnehmenden im Mittelpunkt stehen. Durch die in den Handlungsfeldern thematisierten Praxisinhalte können die Teilnehmenden bereits vorhandene Erfahrungen und Kompetenzen mit einbringen und weiterentwickeln. Dies stellt einen deutlichen Paradigmenwechsel dar.

Die neu entwickelten Weiterbildungen werden künftig in Modulen aufgebaut sein. Ein Modul ist eine inhaltlich und zeitlich abgeschlossene Lehr- und Lerneinheit, die sich aus verschiedenen Lehrveranstaltungen zusammensetzen kann. So können Pflegefachpersonen Kompetenzen, die sie bereits in anderen Weiterbildungen entwickelt haben, anerkennen lassen. Das vereinfacht Bildungskarrieren und spart Zeit. Außerdem sind die Module ähnlich aufgebaut wie in der hochschulischen Lehre. Somit wird es auch bei Aufnahme eines Studiums leichter sein, Kompetenzentwicklung vergleichbarer zu machen und gegebenenfalls anerkennen zu lassen. Dabei wird es weiterhin den Hochschulen vorbehalten bleiben, ob und welche Module sie anerkennen.

Praxisbegleitung und Praxisanleitung müssen künftig verbindlich erfolgen. Damit nimmt die Bedeutung des Praxisbezugs in der Weiterbildung zu. Der Prüfungsvorsitz wird durch qualifizierte Pflegefachpersonen wahrgenommen und nicht mehr von Ärzten, wie es an einigen Weiterbildungsstätten noch üblich war. Die Landespflegekammer ist dabei im Rahmen der Selbstverwaltung für den gesamten Prüfungsprozess verantwortlich. Im Bereich der Fort- und Weiterbildung sind die Pflegeberufe in Rheinland-Pfalz nun nicht mehr fremdbestimmt.

Eine weitere Neuerung: Künftig haben Weiterbildungsstätten nun die Möglichkeit, E-Learning und Blended-Learning-Methoden einzusetzen, wobei die Präsenzzeiten klar im Vordergrund stehen.

Einige Eckpunkte der neuen Weiterbildungsordnung

Erlaubnis und Voraussetzungen: Eine Voraussetzung zur Weiterbildung ist, dass das Kammermitglied nach Abschluss der Berufsausbildung mindestens ein Jahr lang den erlernten Beruf ausgeübt hat (§ 47 [2] HeilBG). Ausnahmen sind in Einzelfällen möglich. Für Pflegende anderer Bundesländer, die in Rheinland-Pfalz eine Weiterbildung absolvieren, gelten die gleichen Voraussetzungen. Grundsätzlich darf eine Weiterbildungsbezeichnung nur führen, wer die Anerkennung durch die Landespflegekammer hat. Die Weiterbildungsbezeichnung kann neben einer Berufsbezeichnung des Kammermitglieds geführt werden. Mehrere Weiterbildungsbezeichnungen dürfen nebeneinander geführt werden.

Dauer und Ablauf: Die in den Anlagen geregelten Mindeststundenzahlen dürfen nicht unterschritten werden. Eine Unterbrechung der Weiterbildung infolge von Krankheit, Schwangerschaft, Elternzeit, Pflegezeit, Sonderurlaub oder infolge von anderen wichtigen Gründen kann grundsätzlich nicht auf die Weiterbildungszeit angerechnet werden – es sei denn, die Unterbrechung dauert nicht mehr als zehn Prozent der vorgeschriebenen Stunden. Eine begonnene Ausbildung darf mit Unterbrechungen einen zeitlichen Umfang von vier Jahren nicht überschreiten.

Zulassung von Weiterbildungsstätten: Eine Weiterbildungsstätte ist eine von der Landespflegekammer anhand der Anforderungen der Weiterbildungsordnung geprüfte und damit zugelassene Bildungseinrichtung. Eine zugelassene Weiterbildungsstätte darf Weiterbildungen auch in Kooperation mit anderen zugelassenen Weiterbildungsstätten anbieten und durchführen. Für die Zulassung einer Weiterbildungsstätte müssen die personellen, räumlichen und sachlichen sowie die zeitlichen, inhaltlichen, strukturellen und finanziellen Anforderungen der Landespflegekammer erfüllt sein. Ein entsprechender Katalog „Kriterien für die Zulassung von Weiterbildungsstätten und Weiterbildungen“ ist auf der Homepage der Landespflegekammer veröffentlicht.

Modul- und Abschlussprüfungen: Zur Feststellung der erbrachten Leistungen werden in den zugelassenen Weiterbildungsstätten Prüfungen durchgeführt. Unterschieden werden Modulprüfungen von der Abschlussprüfung, die durch das HeilBG § 47 (3) zwingend vorgegeben wird. Modulprüfungen finden zum Abschluss jedes durchgeführten Moduls statt. Sie können in schriftlicher, mündlicher oder praktischer Form sowie in Kombinationen daraus bestehen. Ist eine Modulprüfung nicht bestanden, so kann die zu prüfende Person diese zweimal wiederholen. Die Abschlussprüfung findet zum Abschluss der Weiterbildung statt. Sie besteht in den Funktionsweiterbildungen aus einer schriftlichen Hausarbeit mit einem mündlichen Abschlusskolloquium. Die Hausarbeit ist dabei die thematische Grundlage für das mündliche Kolloquium. Im Rahmen der Fachweiterbildungen findet zusätzlich eine praktische Prüfung statt.

Ist die Abschlussprüfung insgesamt oder in Teilen nicht bestanden, kann die zu prüfende Person auf schriftlichen Antrag an die Landespflegekammer die gesamte Abschlussprüfung beziehungsweise den jeweils nicht bestandenen Prüfungsteil wiederholen. Jeder Prüfungsteil der Abschlussprüfung kann zweimal wiederholt werden. Die Landespflegekammer hat die Gesamtverantwortung für die Abschlussprüfungen. Zur Organisation und Durchführung von Prüfungen, Zulassung von Prüfer/innen, Besetzung von Prüfungsausschüssen, Zulassung von zu prüfenden Personen und die Erstellung von Urkunden wurde bei der Landespflegekammer eine Prüfungsstelle eingerichtet. Die Einsicht in die Prüfungsunterlagen bei der Landespflegekammer ist auf Antrag jederzeit möglich.

Übergangsbestimmungen: Wurde eine Weiterbildung noch vor dem Inkrafttreten dieser Ordnung begonnen, finden bis zum Ablauf von zwei Jahren die Regelungen der zuvor geltenden Weiterbildungsordnung der jeweils zuständigen Landesbehörde Anwendung. Die dabei erworbenen Weiterbildungsbezeichnungen nach dem bisherigen Weiterbildungsrecht können weitergeführt werden. Für die Organisation und die Durchführung der Prüfungen und Übergangsregelungen ist die Landespflegekammer zuständig. Auch für die Zulassung von Weiterbildungsstätten gelten Übergangsbestimmungen.

Eine Fortbildungsordnung wird folgen

§ 5 Pflegeberufegesetz (2017) beschreibt als ein Ausbildungsziel: „… Lebenslanges Lernen wird dabei als ein Prozess der eigenen beruflichen Biografie verstanden und die fortlaufende persönliche und fachliche Weiterentwicklung als notwendig anerkannt.“

Aus diesem Selbstverständnis heraus übernimmt die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz sowohl die qualitative wie auch die administrative Verantwortung für die Fort- und Weiterbildung ihrer Mitglieder. Neben den persönlichen Karrierechancen der Mitglieder ist dies für die Versorgungsqualität der Patienten und Empfänger von Pflegeleistungen in jedem Setting notwendig.

Im alltäglichen Sprachgebrauch werden die Bezeichnungen „Fortbildung“ und „Weiterbildung“ oft synonym verwandt. Sie sind dabei aber keineswegs deckungsgleich. Die Aktualisierung beruflichen Wissens und Könnens geschieht in Fortbildungen. Sie sind in der Regel nicht mit einem beruflichen Aufstieg oder dem Wechsel eines Aufgabengebietes verbunden.

Eine Fachweiterbildung/Funktionsweiterbildung hingegen ist eine Weiterbildung, die Berufsangehörige für ein bestimmtes pflegerisches Handlungsfeld/bestimmte Funktionen in Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens über die Ausbildung hinaus qualifiziert, in den Kompetenzen spezialisiert und die zum Tragen einer zusätzlichen Weiterbildungsbezeichnung berechtigt.

Die Fortbildungsordnung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz wird derzeit durch den Ausschuss für Weiterbildung und Fortbildung konzipiert. Einerseits werden die Modalitäten, wie Umfang, Teilnahme und Dokumentation (Anrechnung) der einzelnen Fortbildungen geregelt, zum anderen auch die unterschiedlichen Arten geprüft und bewertet, sei es die Auseinandersetzung mit Literatur, Präsenzveranstaltungen in der eigenen Einrichtung oder extern, Kongressbesuche, Nutzung von E-Learning, eigene Dozententätigkeit und viele andere Möglichkeiten. Auch diese Ordnung wird in mehreren Schritten mit den gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Vertreterversammlung beraten, bevor sie in Kraft tritt.

Landesverordnung zur Durchführung des Landesgesetzes über die Weiterbildung in den Gesundheitsfachberufen (GFBWBGDVO): landesrecht.rlp.de/jportal/ RP Teil 1&psml=bsrlpprod.psml
WBO der Landespflegekammer
Pädagogisch-didaktischer Begründungsrahmen

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