• 01.05.2020
  • PflegenIntensiv
Fehlermanagement

Eine vollständige Operationsausrüstung sicherstellen

Fehlende Instrumente, verunreinigte Siebe – solche unerwünschten Ereignisse werden in Berichts- und Lernsystemen wie CIRS häufig gemeldet. Wie lassen sich Prozesse etablieren, die eine optimale OP-Vorbereitung gewährleisten?

PflegenIntensiv

Ausgabe 1/2020

Seite 70

Fehlende Instrumente, verunreinigte Siebe – solche unerwünschten Ereignisse werden in Berichts- und Lernsystemen wie CIRS häufig gemeldet. Wie lassen sich Prozesse etablieren, die eine optimale OP-Vorbereitung gewährleisten?

Im Netzwerk CIRS Berlin – einem regionalen Berichts- und Lernsystem, in dem aktuell 36 Krankenhäuser zusammenarbeiten – berichtet ein Mitarbeiter von einem geschätzt jährlich auftretenden Ereignis aus der Chirurgie: Die OP eines Patienten musste abgebrochen werden, da auf dem sterilen Sieb eine Verunreinigung zu erkennen war und nur mit diesem Instrumentarium operiert werden konnte. Womöglich war die Endkontrolle im Steri nicht zuverlässig. Folge: Belastung des Patienten, OP-Planung geriet komplett durcheinander.

Eine Ärztin/ein Arzt berichtet ein geschätzt monatlich auftretendes Ereignis aus der Chirurgie: Im Sieb hat ein Instrumentenbestandteil gefehlt. Ein neues Sieb musste geholt und geöffnet werden. Dadurch verlängerte sich die OP- und Narkosezeit für den Patienten.

Fehlende Instrumente, verunreinigte OP-Siebe – ein häufiges Problem

Immer wieder wird in CIRS über fehlende Instrumente oder Bestandteile von Instrumenten und unzureichend sterilisierte OP-Siebe berichtet. Folgen davon sind oft eine Verzögerung des Narkose- und Operationsverlaufs, bisweilen sogar Abbruch einer OP bzw. Narkose.

Aus diesem Grund ist die Prüfung der Operationsausrüstung Bestandteil der Checkliste „Sichere Chirurgie“, um Schaden vom Patienten abzuwenden. Dabei wird zu mehreren Zeitpunkten geprüft: Spätestens bei der morgendlichen OP-Planung und in der Vorbereitung des OP-Saals wird kontrolliert, ob die erforderlichen Siebe (und Implantate) vorhanden sind.

Bei OP-Nachmeldungen oder Notfall-OPs ist eine engmaschige Abstimmung zwischen OP-Koordinator bzw. Operateur notwendig, damit die OP-Pflegenden die richtigen Vorbereitungen und Kontrollen durchführen können.

Je nach Haus und eingesetzter Checkliste wird die komplette Operationsausrüstung zudem bei jedem Eingriff vor Einleitung der Narkose, manchmal aber auch erst vor dem Hautschnitt geprüft. So gehört die abschließende Prüfung der Operationsmaterialien und -instrumente sowie Implantate – alles vorhanden, funktionsfähig und ordnungsgemäß sterilisiert? – vielerorts zur Abfrage im Team-Time-Out. Zu diesem Zeitpunkt ist der Patient allerdings bereits in Narkose. Wenn in der Vorbereitung etwas vergessen wurde, fällt es spätestens jetzt auf. Doch was tun, um rechtzeitig – vor dem Team-Time-Out – fehlende Instrumente oder mangelhaft gereinigte Siebe zu bemerken?

Wichtige Empfehlungen aus diesem Ereignis

  • Üblicherweise gibt es in Operationssälen zu allen Sieben auch immer eine Packliste. Damit ist jederzeit die Information verfügbar, welche Instrumente in welches Sieb gehören. Siebe, auf denen Material fehlt, können entsprechend auf dem Etikett gekennzeichnet werden.
  • Ersatzinstrumente sind oft nur begrenzt vorhanden, insbesondere wenn es sich um Leihsiebe oder Siebe für spezifische, selten durchgeführte Eingriffe handelt. Leihsiebe werden gemeinsam durch Operateur, OP-Personal und Mitarbeiter der hauseigenen Sterilisationsabteilung geprüft (Vergleich des Inhalts mit der Packliste) und erst dann gewaschen, sterilisiert und verpackt. Auch die eigenen Siebe werden von allen drei Berufsgruppen geprüft.
  • Manche Häuser arbeiten mit sogenannten Fall-wagen (und reduzieren parallel dazu Lagerkapazitäten für Operationsinstrumente). In einem Fallwagen befinden sich alle Materialien für die jeweilige Operation, sie werden in der Zentralsterilisation für die Mitarbeiter der OP-Pflege zusammengestellt. Dadurch sollen Prozesse und Artikelvielfalt vereinfacht und standardisiert werden, Lagerbestände vor Ort – im OP – sollen reduziert werden können. Allerdings: Wenn Instrumente in den Sieben fehlen oder aus anderen Gründen ersetzt werden müssen, kann wegen reduzierter Materialbestände im OP ggf. nicht mehr flexibel reagiert werden.
  • In einem monatlichen Jour fixe zwischen OP-­Bereichsleitung Pflege und dem Dienstleister der Sterilisation werden Fragen und Probleme sowie Verbesserungsmaßnahmen gemeinsam besprochen.

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