• 20.05.2019
  • PflegenIntensiv
Evaluation der Ein-Minuten-Fortbildung

Schnelle und effektive Wissensvermittlung

PflegenIntensiv

Ausgabe 2/2019

Seite 48

Mit der Ein-Minuten-Fortbildung, auch One Minute Wonder (OMW) genannt, sollen aktuelle Gesundheitsinformationen gezielt und komprimiert in die Praxis überführt werden. Auf zwei Intensivstationen und einer Intermediate-Care-Station des Universitätsklinikums Schleswig- Holstein wurde die Methode nun evaluiert.

Die Methode der sogenannten Ein-Minuten-Fortbildung wurde im April 2017 zunächst auf der anästhesiologischen Intensivstation (AI) des UKSH eingeführt. Oberhalb des Blutgasanalysegeräts (BGA-Gerät), das sich an einer zentralen, häufig frequentierten Stelle der Station befindet, wurde ein gerahmtes Blatt im DIN-A4-Format angebracht, auf dem das Thema der Ein-Minuten-Fortbildung dargestellt wird. Seit der Einführung werden die Blätter mit wechselnden Themen alle 5–7 Tage ausgetauscht.

Im August 2018 wurde die Methode zur Wissensvermittlung auch auf den Intensiv- und Intermedi-ate-Care-(IMC-)Stationen der Herz- und Gefäßchirurgie eingeführt. Die Lerntafeln hängen dort an jeweils zwei Orten und das Wechselintervall beträgt dort aktuell 14 Tage. Auf der Intensivstation wurden ebenfalls das BGA-Gerät und zudem ein Getränkewagen ausgewählt, an denen das Pflegepersonal kurze Pausen machen kann. Auf der IMC-Station fiel die Wahl der Aushängeorte ebenfalls auf das BGA-Gerät und zudem auf den Infusionsraum.

Zu Beginn der Einführung wurde das Konzept der Ein-Minuten-Fortbildung den Pflegeteams vorgestellt. Die Inhalte der Lerntafeln fokussierten nicht nur auf Themen der direkten Pflege, sondern es ging auch um Aspekte wie Personalschlüssel und Evidenzbasierung. Eine vollständige Liste aller Ein-Minuten-Fortbildungen kann unter www.uksh.de/Pflege/Pflegeforschung/1_Minuten_Fortbildung-p-738.html und auf omw.hdz-nrw.de eingesehen werden.

Im September und Oktober 2018 wurden die Mitarbeiter der drei Stationen des UKSH, auf denen die Ein-Minuten-Fortbildung eingeführt worden war, über diese Methode der Wissensvermittlung mittels Fragebogenerhebung befragt.

Der verwendete Fragebogen basierte auf einer vorherigen Umfrage [1] und beinhaltete 12 Fragen, von denen 4 Fragen Multiple-Choice-Fragen waren. Dadurch ist ein Vergleich zwischen beiden Häusern möglich. Es nahmen 55 Mitarbeiter teil. 80 % von ihnen wiesen mehr als 5 Jahre Berufserfahrung auf. Die Befragung ergab folgende Ergebnisse:

  • Annähernd alle Mitarbeiter (98,2 %) wussten, dass es auf ihrer Station die Ein-Minuten-Fortbildung gibt.
  • Die meisten Befragten (76,4 %, n = 42) gaben an, durch Aushänge auf die Methode der Ein-Minuten-Fortbildung darauf aufmerksam gemacht worden zu sein, 27,3 % (n = 15) erhielten die Information über andere Mitarbeiter.
  • 52,7 % (n = 29) begrüßen es, die Ein-Minuten-Fortbildung an zwei Plätzen statt nur an einem Ort auf der Station auszuhängen. Präferierte Aushängeorte waren das Umfeld des BGA-Geräts (90,9 %, n = 50), die Stationszentrale (40,0 %, n = 22), der Infusionsraum (25,5 %, n = 14) und am Getränkewagen (21,8 %, n = 12).
  • 56,4 % (n = 31) waren der Meinung, dass die Themen der Ein-Minuten-Fortbildung alle 14 Tage gewechselt werden sollten, 32,7 % (n = 18) präferierten alle 7 Tage.
  • 67,3 % (n = 37) befürworteten die Möglichkeit, die Informationen der Lerntafeln später in einem Ordner nachlesen zu können; 29,1 % (n = 16) hielten dies für nicht erforderlich. Zwei Teilnehmer enthielten sich bei dieser Frage.
  • Auf der anästhesiologischen Intensivstation gaben 80 % (n = 12) an, sich in pflegerischen Situationen an Inhalte der Ein-Minuten-Fortbildung erinnert zu haben, bei 13,3 % (n = 2) war dies nicht der Fall. Auf den Stationen der Herz- und Gefäßchirurgie waren es 32,5 % (n = 13) der Befragten, die sich in der Pflegepraxis an die Inhalte erinnerten.
  • Bei 43,6 % (n = 24) der Befragten hat die Ein-Minuten-Fortbildung zu keinen berufsethischen Konflikten geführt, etwa weil die Informationen im Widerspruch zu bisherigen Regeln professionellen Handelns, internen Standards, ärztlichen Anordnungen oder den Wünschen der Patienten standen. 10,9 % (n = 6) gaben an, dass es solche Konfliktsituationen gegeben habe. Mit 54,5 % (n = 30) machte zu diesem Thema nur etwa die Hälfte der Befragten eine Angabe.
  • 65,5 % (n = 36) der Befragten gaben Wünsche für künftige Lerntafeln an. Die gewünschten Themen waren: 24-Stunden-Besuchszeiten, Fixierung, Säure-Basen-Haushalt für Schüler, krankheitsbildbezogene Themen, medizinische Konzepte (Blutzucker-, Sturzmanagement), Wundmanagement und Darmmanagementsysteme.
  • Für die selbstständige Erstellung einer Ein- Minuten-Fortbildung interessierten sich 25,5 % (n = 14) der befragten Mitarbeiter. Von einem Pflegenden wurde dabei der Wunsch geäußert, die Erstellung einer Lerntafel nur während der Arbeitszeit zu erledigen.
  • Die befragten Mitarbeiter bewerteten die Ein-Minuten-Fortbildung für sich selbst mit einer durchschnittlichen Schulnote von 2,2 und für das Team mit der Note 2,1.

Diskussion der Ergebnisse

Die Ein-Minuten-Fortbildung hat für viele Mitarbeiter einen direkten praktischen Nutzen. Nahezu alle Pflegenden kannten die Fortbildungsmethode. In der Herz- und Gefäßchirurgie zeigte sich aktuell noch eine geringere Erinnerungsrate als auf der anästhesiologischen Intensivstation. Diese Tatsache kann auf den erst kurz zurückliegenden Zeitpunkt der Implementierung zurückgeführt werden.

Im Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW) erfolgte 2017 ebenfalls eine Evaluation der Ein-Minuten-Fortbildung. Dort ist die Methode unter dem englischen Begriff „One Min- ute Wonder“ (OMW) bekannt, der mit entsprechender Genehmigung aus dem englischsprachigen Netzwerk übernommen wurde. Hier hatten 44,4 % (n = 43) der Befragten angegeben, dass sie sich in der pflegerischen Praxis an die Inhalte eines OMW erinnern konnten. Vor der Evaluation wurden dazu über ein halbes Jahr im wöchentlichen Wechsel neue Themen präsentiert [1]. Auf der anästhesiologischen Intensivstation des UKSH ist das Ergebnis besser. Dort bestätigten 80 % (n = 12) der Pflegenden, sich in der Praxis an die Inhalte der Lerntafeln zu erinnern. Die Einführung war hier zum Erhebungszeitpunkt knapp 1,5 Jahre her.

Bei der Angabe der präferierten Aushängeorte haben die aktuell genutzten Plätze möglicherweise zu einem Verzerrungseffekt geführt: Denn den befragten Mitarbeitern sind aktuell genutzte Präsentationsorte vertraut und wurden daher eventuell vornehmlich ausgewählt. Dies gilt auch für die Angabe des präferierten Wechselintervalls. Auch hier war den Mitarbeitern das zum Zeitpunkt der Befragung festgelegte Wechselintervall bekannt, was zu einer bevorzugten Nennung geführt haben könnte. Auf den Stationen der Herz- und Gefäßchirurgie erfolgt der Wechsel der Lerntafeln seit der Einführung der Methode alle 14 Tage. Dies war ein Ergebnis aus der vorangegangenen Evaluation und wurde hier erneut von den Pflegenden bestätigt [1]. Vor allem Teilzeitbeschäftigte in der Pflege profitieren dadurch, da sie möglicherweise nicht jede Woche in ihrer Abteilung sind. Somit verpassen sie deutlich weniger Aushänge.

Der Aushangort am BGA-Gerät wurde im HDZ NRW mit rund 90 % (n = 42) von ebenfalls den meisten Pflegenden gewählt. Mit einer Zustimmung von rund 45 % für die Stationszentrale fiel das Ergebnis auch hier ähnlich aus wie im UKSH. Mit rund 48 % würden fast doppelt so viele Pflegende im HDZ NRW ein Lernposter in der Mitarbeiterküche platzieren wie im UKSH [1]. Ähnliche Ergebnisse zwischen den Kliniken gibt es bei der Frage, ob Pflegende bereits ausgehangene Poster noch einmal nachlesen möchten. Dies bejahten im UKSH rund 10 % mehr Pflegende als im HDZ NRW [1].

Die umfassenden Angaben zu Themenwünschen lassen darauf schließen, dass ein reges Interesse an dieser Form der Fortbildung besteht. Die Ergebnisse im UKSH ähneln in vielen Punkten der vorangegangenen Evaluation in Bad Oeynhausen. Rund ein Viertel der Befragten im UKSH kann sich vorstellen, zukünftig selbst ein Lernposter zu erstellen. Im HDZ NRW gaben dazu mit rund 50 % doppelt so viele Pflegende an, die Lernmethode aktiv unterstützen zu wollen [1].

Schlussfolgerung der Autoren

  • Die Ein-Minuten-Fortbildung ist ein von den Befragten gut bewertetes Instrument, um neue Gesundheitsinformationen in die Praxis zu transferieren. Das zeigt auch die Bewertung durch die befragten Pflegenden mit der Schulnote „gut“.
  • Neben originär pflegerischen Themen können nach Meinung der Autoren auch berufspolitische Themen sinnvoll sein, z. B. die Aufgaben einer Pflegekammer. Dabei ist es wichtig, dass die Sachinformationen im Vordergrund stehen, um keinen politischen Einfluss zu nehmen.
  • Nach den Ergebnissen der Evaluation am UKSH wird dort künftig ein einheitliches Wechselintervall von 14 Tagen angestrebt.
  • Die Ein-Minuten-Fortbildung soll über die Einbindung von interessierten Mitarbeitern und eine wiederholte Befragung zu Themenwünschen weiter optimiert werden.
  • In einer erneuten Evaluation soll der Nutzen von Themen aus dem Management oder der Berufspolitik stärker berücksichtigt werden.
  • Einrichtungen im Gesundheitswesen sind eingeladen, sich am Netzwerk OMW zu beteiligen.

 

[1] Krüger, L. Warten mit Sinn. Intensiv 2017; 25: 246–248

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