Angesichts der wachsenden Ansprüche an Qualität und Kosteneffizienz besteht ein großes Interesse daran, Teilprozesse im OP zu optimieren. OP-Sets, sogenannte Sterile Procedure Trays, bieten hier ein enormes Potenzial, wie eine Testung am Universitätsspital Basel zeigte.
Für eine erfolgreiche Operation muss das erforderliche Material in der richtigen Menge und Qualität, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und zu angemessenen Kosten zur Verfügung stehen.
Aus Gründen der Prozessoptimierung, Qualitätssicherung, Kosteneffizienz und Patientensicherheit hat sich das Universitätsspital Basel (USB) vor diesem Hintergrund dazu entschieden, sogenannte Sterile Procedure Trays (SPT) im OP-Bereich und anderen behandelnden Einheiten einzuführen.
Ein SPT, auch OP-Set genannt, ist eine kundenindividuelle Zusammenstellung von verschiedenen Einweg-Medizinprodukten und Komponenten, die für einen speziellen Eingriff im OP benötigt werden. Hierzu zählen OP-Abdeckungen, Skalpellklingen und Nahtmaterial. Die Materialien werden steril angeboten in einer einzigen Verpackung.
Die Erstellung eines SPT erfolgt in Zusammenarbeit von Anwendern und Lieferanten. In einem kundenspezifischen SPT können beispielsweise 80 bis 100 Prozent aller benötigten Einmalartikel für eine Operation oder Behandlung enthalten sein – je nach Einsatz- und Flexibilitätswunsch der Anwender.
Dies ist sehr sinnvoll, denn die OP-Mitarbeiter des USB wissen ganz genau, was für welche Operation oder Behandlung gebraucht wird. Um einen SPT für den OP des USB zu erstellen, wurden nicht nur die einzelnen Komponenten und Set-Inhalte durch die Fachbereiche definiert.
Mehr Zeit für den Patienten
Eine interne Evaluation hat ergeben, dass durch den Einsatz von SPT die OP-Vorbereitungszeiten im USB um bis zu 35 Prozent gesenkt werden konnten. Das OP-Pflegepersonal hat somit mehr Zeit für den Patienten.
SPT bewirken, dass der Operationssaal insgesamt an Schnelligkeit gewinnt. Natürlich wird nicht die Operationsdauer an sich verkürzt, aber Leerlaufzeiten minimieren sich. Zeiten, in denen keine direkte Leistung am Patienten erbracht wird. Es resultiert daraus eine effizientere Saalauslastung und eine bessere Naht-Schnitt-Zeit, also eine kürzere Zeit nach OP- Ende bis zum Beginn der nächsten Operation.
SPT haben auch deutliche Vorteile hinsichtlich der Hygiene und Patientensicherheit: Da fast keine einzelnen sterilen Artikel mehr auszupacken sind, entstehen weniger Berührungspunkte und somit ein geringeres Kontaminationsrisiko. Auch gibt es weniger Verpackungsmaterial, was die Entsorgungskosten reduziert und auch gut für die Umwelt ist.
Finanzen, Logistik und Einkauf profitieren ebenfalls von SPT: Die Materialbestellung in den Krankenhäusern wird vereinfacht, da beispielsweise nicht 1500 einzelne Artikel geordert werden, sondern eben nur noch 500. Es entstehen geringere Lagerhaltungskosten, da Lieferanten, die sich auf SPT spezialisiert haben, sogar eine Just-in-Time-Materialversorgung ermöglichen. Mindermengenzuschläge oder Transaktionskosten für verschiedene „Einzelstücke“ können gesenkt werden. Auf teure Material-Lagerplätze in Spitälern und ebenfalls teure Lagerhaltung bei chronischem Platzmangel in Krankenhäusern kann immer mehr verzichtet werden.
In den einzelnen Funktionsbereichen entstehen durch SPT mehr Kostentransparenz und eine effizientere Materialverrechnung: Denn anstatt beispielsweise 22 einzelne Artikel einzuscannen, genügt ein einziger Barcode. Dies macht SPT auch preislich überaus attraktiv.
Durch minimales Verpackungsmaterial reduzieren SPT die Abfallmenge. Neue Materialien, die frei von Farbstoffen und Bleichmitteln sind und einen geringeren Energieverbrauch bei der Herstellung aufweisen, unterstützen Anwender wie das USB, in seiner Nachhaltigkeits-Strategie.
OP-Sets „auf Herz und Nieren“ prüfen
Alles, was Vorteile hat, bringt auch Nachteile mit sich: Bis ein SPT in seiner perfekten Form im Einsatz ist, muss es „auf Herz und Nieren“ geprüft werden. Ein SPT wird geprüft, zusammengestellt, gesichtet und durch die Anwender getestet. Erst dann kommt die definitive Produktion, in der die kundenspezifischen Sets sterilisiert und dem Anwender geliefert werden. Dieser Erstellungsprozess dauert einige Wochen und verlangt den Anwendern viel ab. Viel Manpower und viele Gespräche sind notwendig, bis die Set-Inhalte bis ins Detail geklärt und definiert sind. Und doch lohnt sich diese Investition von erfahrenem Fachpersonal und deren kostbare Zeit.