• 27.04.2018
  • PflegenIntensiv
Volumenersatztherapie

Eine Lösung für fast alles

PflegenIntensiv

Ausgabe 2/2018

Seite 52

Volumenersatztherapie Am Klinikum der Medizinischen Hochschule Hannover hat ein interdisziplinäres Team einen einheitlichen Standard für die Volumen- ersatztherapie erstellt. Unterschiedliche Verfahrensweisen, selbst innerhalb einer Klinik, fanden damit ein Ende.

Der menschliche Körper besteht zu 60 Prozent aus Wasser. Die Flüssigkeitsverteilung reguliert der Wasser-Elektrolyt-Haushalt. In bestimmten Situationen, beispielsweise durch starken Durchfall, Erbrechen, Blutverlust oder Nierenversagen, kann diese Regulation gestört sein. Ein zu hoher Flüssigkeitsverlust kann lebensbedrohlich sein und muss sofort behandelt werden – zum Beispiel durch eine Volumenersatztherapie mit elektrolythaltigen Lösungen. Für diese Therapie gibt es an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) seit vergangenem Jahr eine einheitliche SOP (Standard Operation Procedure).

Klinikweit umgesetzt

„Dieser Standard stellt die Grundlage der Volumen- und Flüssigkeitstherapie von stationär behandelten erwachsenen und pädiatrischen Patienten dar“, erklärt Dr. Michael Sasse, Oberarzt auf der Intensivstation der Kinderklinik. Die SOP ist vor allem für den Einsatz auf Intensivstationen und im Rahmen von Operationen gedacht, ist aber auch anwendbar bei Patienten auf Normalstationen.

Sasse ist Mitglied der interdisziplinären Arbeitsgruppe Volumentherapie, die den Standard erstellt hat. Die SOP wird mittlerweile an der gesamten Hochschule umgesetzt und schafft mehr Sicherheit für die Patienten sowie für Ärzte und Pflegende.

 

 

Sterofundin nun Standardlösung

Statt eines einheitlichen Standards gab es in den einzelnen MHH-Kliniken bisher verschiedene Ansätze der Volumentherapie und oft sogar verschiedene Vorgehensweisen innerhalb einer Klinik. „Das sorgte für Unzufriedenheit beim ärztlichen und pflegerischen Personal und war darüber hinaus auch keine gute Voraussetzung für die Ausbildung des Nachwuchses“, erläutert Sasse.

Den genauen Status quo hatte Dr. Gernot Beutel, Oberarzt in der Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation, zur Vorbereitung der neuen SOP in einer Online-Umfrage erfasst: Von den 604 Teilnehmern gaben mehr als die Hälfte der Teilnehmer an, überwiegend Kochsalzlösungen, also NaCl 0,9 %, Ringer-Acetat und Ringer-Lösung, zur Hydrierung und Volumenersatz einzusetzen. Trotz der Angabe, dass sich die Mehrheit bei Anwendung, Zusammensetzung der Lösungen und Indikation sicher fühlte, sahen Dreiviertel der Befragten die Notwendigkeit zur Etablierung einer SOP.

Die uneinheitliche Situation spiegelte sich auch in der Lagerhaltung der MHH-Zentralapotheke wider. „Wir mussten elf verschiedene Lösungen bereithalten, was sehr viel Lagerkapazität und damit Platz beanspruchte“, sagt Apothekerin Dr. Gesine Picksak. Inzwischen hält die Zentralapotheke nur noch eine isotone ausbalancierte Lösung (Sterofundin ISO) zur Volumentherapie bereit. Das ist nicht nur platzsparend, sondern hat auch deutliche Vorteile für die Patienten.

„Die Lösung ist von der Zusammensetzung her ideal für den menschlichen Körper. Sie ist verträglicher als viele andere Lösungen und passt sich leichter an“, erklärt Picksak. „Mit der Lösung lassen sich etwa 95 Prozent aller Fälle abdecken. Und für Sonderfälle und Abweichungen finden wir ebenfalls schnell einen Weg“, ergänzt Sasse.

Interdisziplinäres Team erstellte Standard

Der neue Standard basiert auf dem aktuellen Kenntnisstand und lehnt sich an die S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft (AWMF) an. „Wir haben die SOP bewusst kurz gehalten. Sie soll einen Überblick geben und die Diskussion über das Thema Volumentherapie anregen“, sagt Sasse. Damit möglichst viele Kolleginnen und Kollegen aus verschiedene Berufsgruppen der MHH die neue SOP kennenlernen, veranstaltete die AG Volumentherapie zwei große Fortbildungen.

Die AG Volumentherapie ist aus der AG SET (Standardisierungs-Expertenrat) Infusionsmanagement entstanden, deren Sprecher Sasse ist. Außer Sasse, Beutel und Picksak waren weitere sechs Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen der MHH mit der SOP für die Volumenersatztherapie beschäftigt: Privatdozent Dr. Sascha David, Dr. Christine Fegbeutel, Dr. Wolfgang Knitsch, Dr. Frank Logemann, Dr. Thomas Palmaers und Dr. Jochen Tillmanns. „Wir waren ein interdisziplinäres Team und alle waren mit vollem Engagement dabei“, stellt Sasse fest. Der Kinderarzt sieht darin einen Grund, dass die SOP schon nach wenigen Wochen in allen MHH-Kliniken umgesetzt wurde und sich seitdem gut etabliert hat.

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