Die Patientengefährdung in deutschen OP-Sälen hat zugenommen. Schwachstellen sind vor allem die Hygiene und die Personalsituation. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.
Das OP-Barometer für die Mitarbeiter der OP-Pflege und Anästhesiepflege startete bereits zum fünften Mal. Die Beteiligungsquote war mit mehr als 1 730 ausgefüllten Fragebögen erneut überragend. Die Ergebnisse wurden von den Medien äußerst interessiert aufgenommen. Dabei stand in diesem Zusammenhang primär die Frage nach der Einhaltung von Hygienerichtlinien im Vordergrund. Auf alle Fälle konnte durch die hohe Öffentlichkeitswirkung ein wichtiges Ziel des OP-Barometers erreicht werden – nämlich die sehr bedeutende Arbeit der Funktionspflege in den OP-Bereichen mit seinen aktuellen Problemstellungen und Facetten in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen.
OP-Barometer 2015 – die Datengrundlage
Das OP-Barometer ist die größte Befragung in der OP-Funktionspflege im deutschsprachigen Raum. Als Erhebungszeitraum für das OP-Barometer 2015 wurde der Zeitraum Juli 2015 bis November 2015 gewählt. Insgesamt erreichten das Zentrum für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) 1 738 Fragebögen. Von diesen konnten 1 730 Fragebögen in die Auswertung einfließen. Dies bedeutet eine Steigerung der Beteiligungsquote um über 30 Prozent zum OP-Barometer 2013.
Zirka 53 Prozent der an der Befragung Beteiligten gehörten der Berufsgruppe OP-Pflege an, etwa 31 Prozent der Anästhesiepflege und rund 15 Prozent waren den Operationstechnischen Assistenten (OTA) zuzuordnen.
Interessant ist der sehr hohe Beteiligungsanteil von fast 74 Prozent aus kommunalen Krankenhäusern, während die freigemeinnützigen knapp mit etwas über 18 Prozent beteiligt waren. Die Beteiligungsquote der privaten Krankenhausträger lag zwar mit nur etwas über drei Prozent sehr niedrig, war aber schon etwas höher als im OP-Barometer 2013 (zirka 0,4 Prozent). Damit konnte diese Trägergruppe mit in die Auswertung aufgenommen werden.
Mit etwa 46 Prozent hat der Großteil der Befragten eine Fachweiterbildung absolviert, 44 Prozent sind ohne Fachweiterbildung und knapp vier Prozent befinden sich gerade in der Fachweiterbildung. Knapp 36 Prozent arbeiten seit weniger als fünf Jahren im aktuellen OP-Bereich, 18 Prozent seit sechs bis zehn Jahren, gut zwölf Prozent seit elf bis 15 Jahren und etwa 32 Prozent seit mehr als 15 Jahren.
Arbeitszufriedenheit nimmt ab
Bei Fragen zum Arbeitsplatz zeigen sich die Operationstechnischen Assistenten (OTA) im Vergleich zur OP- oder Anästhesiepflege als zufriedenste Berufsgruppe, Mitarbeiter in freigemeinnützigen Krankenhäusern sehen ihren Arbeitsplatz positiver als die in öffentlichen Kliniken. Diejenigen Pflegekräfte, die weniger als fünf Jahre im Beruf arbeiten, antworten in der Regel positiver als diejenigen, die schon länger dabei sind. Wie in allen OP-Barometern zuvor sind die deutlich unzufriedensten Befragten in großen OP-Bereichen – das heißt, größer als acht OP-Säle – zu finden. Ein ähnliches Bild ergab sich bei Fragen zur Organisation.
Auch bei den Fragen zum Patienten gab es ähnliche Ergebnisse. Dabei sehen die Anästhesiepflegenden am ehesten eine Zunahme der Patientengefährdung, während die OTA die Einhaltung der Hygienerichtlinien am schlechtesten beurteilen.
Insgesamt wurde zur Beantwortung der Fragen eine Skala von 1 (sehr) bis 7 (überhaupt nicht) zur Verfügung gestellt. Dabei wurden die Angaben der Skalierung 1 bis 3 zur Aussage „eher ja“, 4 zur Aussage „neutral“ und 5 bis 7 zur Aussage „eher nein“ zusammengefasst.
Wie bereits in den vorherigen OP-Barometern fallen bei den Fragen zum Arbeitsplatz die niedrigen Werte bei der Anerkennung durch die Krankenhausleitungen („eher ja“ zirka 27 Prozent) und bei der Bewertung der Unternehmenskultur („eher ja“ zirka 40 Prozent) auf. Positiv gesehen werden hingegen die Sorge um den Arbeitsplatz („eher nein“ zirka 66 Prozent) und der akzeptable Rahmen der Überstunden („eher ja“ zirka 71 Prozent).
Die Zufriedenheit mit dem aktuellen Arbeitsplatz wird mit „eher ja“ zu zirka 64 Prozent beantwortet. Die Ergebnisse aus den OP-Barometern 2013 („eher ja“ 68 Prozent) und 2011 („eher ja“ 71 Prozent) zeigen hier jedoch einen deutlich negativen Trend. Diese abnehmende Zufriedenheit hängt sicherlich auch mit der gefühlten Zunahme der Arbeitsbelastung („eher ja“ zirka 74 Prozent) zusammen.
Die Frage „Wir haben ausreichend Pflegepersonal, um die Arbeit zu bewältigen“ wurde als Frage zum Bereich Arbeitsplatz in das OP-Barometer neu aufgenommen. Dabei beschreiben die Antworten („eher nein“ 51,6 Prozent) sicherlich ein Kernproblem der aktuellen Situation. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass wohl nicht in allen Fällen tatsächlich zu wenig Personal vorgehalten wird, sondern dass das vorhandene Personal durch bestehende Organisationsdefizite – zum Beispiel viele Wartezeiten, unstrukturierte Abläufe – in seiner Leistungsmöglichkeit beeinträchtigt wird.
Tipp
Die ausführlichen Ergebnisse des OP-Barometers 2015 können unter www.frankfurt-university.de/zgwr in der Rubrik „Projekte“ abgerufen werden
Hoher Krankenstand
Die Fragen zur Organisation werden wie auch in den letzten OP-Barometern primär bestimmt durch
- einen schlechten Organisationsgrad (Organisationsgrad ist gut „eher ja“ zirka 46 Prozent),
- unnötige Wartezeiten („eher ja“ zirka 57 Prozent) und
- unzuverlässige OP-Pläne (zuverlässige OP-Pläne „eher ja“ zirka 34 Prozent).
Die Frage nach Problemen mit der Steri-Qualität beantworten immerhin noch etwa 34 Prozent mit „eher ja“, wobei sich dieser Wert im Vergleich zu den vorherigen OP-Barometern deutlich zum Positiven verändert hat. 2013 haben zirka 39 Prozent mit „eher ja“ geantwortet, 2011 etwa 44 Prozent.
Für Insider nicht überraschend ist das Ergebnis der – in diesem OP-Barometer – neu gestellten Frage nach dem hohen Krankenstand („eher ja“ zirka 61 Prozent). Dieser dürfte das Resultat aus schlechter Organisation, personeller Unterbesetzung und den steigenden Anforderungen sein und führt inzwischen nicht selten dazu, dass Operationen aufgrund von Pflegemangel abgesetzt werden müssen.
Die größte Öffentlichkeitswirkung erzielen sicherlich die Fragen zum Patienten. Wenig Personal und hohe Krankheitsquoten gepaart mit weiter steigenden Leistungsanforderungen führen zwangsläufig auch zu einer höheren Gefährdung der Patienten. So geben über 46 Prozent der Befragten an, dass die Patientengefährdung in den vergangenen zwei Jahren zugenommen hat. Nur 60 Prozent sehen eine strenge Einhaltung der Hygienerichtlinien – hier müssten eigentlich 100 Prozent stehen!
Fortschritte in Bezug zum letzten OP-Barometer gibt es bei der regelmäßigen Durchführung des Team-Time-Out. Dies bejahen immerhin mehr als 72 Prozent.
Die wichtigste Schlussfolgerung aus den Ergebnissen zum OP-Barometer lassen sich eigentlich aus der Fragestellung ziehen, ob es den Krankenhäusern künftig gelingen wird, Pflegepersonal in ausreichender Quantität und Qualität zu gewinnen oder zu erhalten, um den Anforderungen an die Patientensicherheit und die OP-Organisation gerecht zu werden. Die Antwort aktuell ist eher ernüchternd. Auf die Frage „Wenn ich heute entscheiden könnte, würde ich den Beruf wieder auswählen?“ antworten aktuell nur 43,2 Prozent mit „ja, im gleichen Krankenhaus“, 18,5 Prozent mit „ja, in einem anderen Krankenhaus“ und 36,8 Prozent mit „nein“. Der Vergleich mit vorherigen OP-Barometern zeigt eine eindeutige Tendenz: 2011 hatten 47 Prozent „ja, im gleichen Krankenhaus“ geantwortet, 2013 dann 45 Prozent.