• 17.10.2016
  • Praxis
Infektionsprophylaxe

Antiseptisch waschen und pflegen

PflegenIntensiv

Ausgabe 3/2016

Seite 42

Nosokomiale Infektionen nehmen gerade auf Intensivstationen zu. Die tägliche Ganzkörperpflege mit einer antiseptischen Lösung kann dazu beitragen, die Keimlast eines Patienten effektiv zu senken. Ein Erfahrungsbericht.

Als auf der neurochirurgischen Intensivstation des Universitätsklinikums Düsseldorf steigende Zahlen nosokomialer Infektionen wahrgenommen wurden, wurde gemeinsam im Team nach Lösungen gesucht. Eine hausinterne Recherche ergab, dass eine tägliche pflegerische Grundversorgung mit einer antiseptischen Lösung zur Infektionsprävention auf der chirurgischen Intensivstation bereits fest im Arbeitsalltag integriert ist. Sie beinhaltet, dass der Patient bei der Grundversorgung mit einer Polihexanid-Lösung komplett von Kopf bis Fuß, inklusive der Haare, versorgt wird. Die antiseptische Lösung dient hier zur Inaktivierung und Wachstumshemmung von den am Gewebe haftenden Mikroorganismen. Dies soll zur Vermeidung von nosokomialen Infektionen effektiv beitragen.

Mehrere Produkte zur Auswahl

Es fiel die Entscheidung, die antiseptische Ganzkörperpflege auch auf der neurochirurgischen Intensivstation einzuführen. Zunächst setzte sich das Team ausführlich mit der zur Auswahl stehenden Produkte auseinander und prüfte mögliche Applikationsarten hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile. Ein besonderes Augenmerk wurde hier auf die Wechselwirkung mit den neurochirurgischen Krankheitsbildern gelegt.

Zur Auswahl stand eine Fertiglösung als kompletter Waschersatz. Diese Anwendung wird einmal am Tag zur Ganzkörperpflege verwendet. Eine andere Möglichkeit bestand in einem kompletten Waschersatz in Form von feuchten Tüchern. Bei dieser Applikationsart werden keine zusätzlichen Waschutensilien benötigt.

Die Entscheidung fiel jedoch auf eine dritte Möglichkeit – auf einen antiseptischen Reinigungsschaum, der mit zwei unterschiedlichen Verfahrensweisen auf Haut und Haar aufgetragen werden kann. Vorteil dieser Methode ist, dass individuelle Wünsche des Patienten weitaus besser berücksichtigt werden können als mit den anderen beiden Möglichkeiten.

Dies ist gerade in der Neurochirurgie von hoher Bedeutung, denn die aktivierende Ganzkörperpflege nimmt bei wahrnehmungsbeeinträchtigten Patienten einen besonderen Stellenwert ein. Die Förderung der Wahrnehmung und Motorik gehört zu den primären Zielen dieses Fachgebiets; die individuelle patientenorientierte Pflege ist insofern ein unverzichtbarer Baustein. Die Verwendung des Reinigungsschaums bietet die Möglichkeit, eine patientenorientierte Pflege und Maßnahmen zur Dekontamination sinnvoll miteinander zu verknüpfen.

Ein weiteres spezielles Problem im Bereich der Neurochirurgie stellt die Katheter-assoziierte Infektion der Externen Ventrikel Drainage (EVD) dar, eine Drainage im Ventrikelsystem des Gehirns zur Hirndrucküberwachung und Regulierung. Eine Infektion in diesem Bereich kann zu einer Enzephalitis oder Ventrikulitis führen, die gefährliche Komplikationen für den Intensivpatienten darstellen. Hier existieren nur wenige Anwendungsmöglichkeiten zur Infektionsprävention. Durch die tägliche Haarpflege mit dem gewählten Reinigungsschaum kann auch in diesem Bereich dekolonisierend einwirkt werden.

Zwei Arten der Anwendung

Der gewählte Reinigungsschaum schließt nicht nur die Prävention nosokomialer Infektionen, sondern auch die Dekolonisation bei vorhandenen Multiresistenten Erregern (MRE) ein. Das Produkt hat einen 24-stündigen antimikrobiellen Barriere-Effekt. Der dafür verantwortliche Wirkstoff ist Polihexanid.

Es bestehen zwei verschiedene Möglichkeiten, den Reinigungsschaum aufzutragen. Bei der ersten Variante wird der Reinigungsschaum als Pflegemittelersatz bei der Ganzkörperpflege verwendet. Auf weitere Waschzusätze im Waschwasser wird verzichtet. Ein bis zwei Hübe des Reinigungsschaums werden auf den feuchten, mit klarem Wasser benetzten Waschlappen aufgetragen, um die Haut des Patienten zu reinigen. Dieser Vorgang wiederholt sich für jede weitere Körperregion mit je einem weiteren Waschlappen. Auch die Intimpflege wird in gleicher Anwendung durchgeführt.

Es folgt eine Einwirkzeit von mindestens einer Minute, in der der Patient nicht abgetrocknet werden soll. Im Anschluss daran können je nach Patienten- oder Therapiewunsch weitere zusätzliche Pflegemittel aufgetragen werden. Es ist zu beachten, dass die Haut nach der Reinigung mit dem Schaum nicht abgespült werden darf. Ein hautfreundliches Pflegemittel in Form von Panthenol ist im Reinigungsschaum bereits enthalten.

Die zweite Variante beruht auf einer Anwendung des Schaums nach der individuellen Ganzkörperwäsche mit privaten oder therapeutischen Waschzusätzen des Patienten. Hierbei wird der Schaum im Anschluss an die Ganzkörperpflege auf die Haut des Patienten aufgetragen. Auch hier erfolgt eine Einwirkzeit von ein bis drei Minuten. Durch den bereits im Schaum enthaltenen Wirkstoff Panthenol dient das Auftragen gleichzeitig als Hautpflege. Dies bedarf keiner weiteren Produkte, sofern es vom Patienten nicht gewünscht ist.

Bei beiden Verfahrensweisen werden neben der Ganzkörper- und Hautpflege auch alle äußerlich sichtbaren Schläuche der Zu- und Ableitungen ebenfalls gereinigt. Der Reinigungsschaum ist für die Anwendung auf Katheteroberflächen zugelassen.

Im Anschluss an die durchgeführte Körperpflege wird der Reinigungsschaum für die Haar- und Kopfpflege verwendet. Um EVD-assoziierte Infektionen zu vermeiden, muss der Reinigungsschaum sorgfältig in die Haare und auf die Kopfhaut einmassiert werden. Je nach Haarlänge ist eine Einwirkzeit von drei bis fünf Minuten erforderlich. Zu beachten ist, dass die Haare danach nicht ausgespült werden. Die Haare dürfen nach der Waschung jedoch wie gewohnt getrocknet werden.

Standard wurde erarbeitet

Auf der neurochirurgischen Intensivstation des Universitätsklinikums Düsseldorf wird der Reinigungsschaum routinemäßig einmal täglich bei der Grundpflege bei allen Patienten, die länger als 24 Stunden auf der Station bleiben, verwendet. Dies wurde in einem stationsinternen Standard festgelegt.

In Vorbereitung der Einführung wurde auch eine Standardarbeitsanweisung festgelegt, um eine einheitliche Durchführung zu gewährleisten. Diese beinhaltet die Definition, Indikation, Zielsetzung, Dokumentation, Prinzipien, Qualifikation des Personals, Materialen und die Durchführung. Bei der Erarbeitung des Standards, die zwei Monate in Anspruch nahm, hielten sich die Mitarbeiter an die Herstelleranweisung, wobei diese teilweise an die Anforderungen des Fachgebiets angepasst wurden.

Manche Mitarbeiter befürchteten, dass die Verwendung des Reinigungsschaums zu einem zeitlichen Mehraufwand führen wird. Dies ist nicht eingetreten. Die Implementierung erfolgte zügig, sodass die antiseptische Ganzkörperwaschung schnell in den Arbeitsalltag integriert war. Positiv anzumerken ist auch, dass es aufgrund der regelmäßigen Versorgung des Schaums zu keinem veränderten oder negativ beeinflussten Hautzustand des Patienten gekommen ist. Die Mitarbeiter haben den Eindruck, dass der Schaum feuchtigkeitsspendend und hautpflegend wirkt. Auch wurde ein Rückgang der Körpergerüche des Patienten beobachtet – besonders wenn der Schaum täglich bei der Intimpflege verwendet wird.

Entgegen der Befürchtung vieler Mitarbeiter, dass der Schaum aufgrund seiner Einwirkzeit ein kaltes und nasses Hautgefühl hinterlässt, wurde festgestellt, dass dies aufgrund der schnellen Einwirk- und Trockenzeit nicht gegeben ist. Die wachen und ansprechbaren Patienten haben zudem die Rückmeldung gegeben, dass das Auftragen des Schaums als sehr angenehm empfunden wird. Die Information über die Notwendigkeit der Maßnahme bewirkte außerdem, dass die Patienten das Gefühl haben, aktiv an ihrem Genesungsprozess mitzuwirken.

Aufgrund des noch kurzen Anwendungszeitraums können noch keine belastbaren Zahlen zum Rückgang nosokomialer Infektionen genannt werden. In den kommenden Monaten ist jedoch eine weite Datenerhebung der bestehenden Infektionen geplant. Diese soll dann mit der im Vorfeld durchgeführten Erhebung verglichen werden.

Das Team erhofft sich einen Rückgang der Infektionszahlen, um die Sinnhaftigkeit der antiseptischen Ganzkörperpflege zu untermauern. Den Mitarbeitern ist bewusst, dass diese Art der Infektionsprophylaxe nur einen Teil eines Bündels an Maßnahmen darstellt. Dennoch möchten wir diesen Baustein nutzen, um den ohnehin schon belastenden Faktor der Intensivtherapie zu verringern sowie Folgekomplikationen und damit verbundene längere Liegezeiten im Krankenhaus zu vermeiden.

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