• Pflegeimpuls
Weihnachten

Wichteln im Pflegeteam: So klappt’s stressfrei

Praktische Tipps für entspanntes Wichteln im Pflegeberuf: klare Regeln, Budgetideen und kreative Geschenkoptionen für das Team.

Kleines Budget, klare Regeln, alltagstaugliche Ideen: So wird Wichteln im Pflegeteam zur entspannten Gute-Laune-Adventsaktion statt zur Stressfalle.

 

Ob im Rahmen einer Weihnachtsfeier oder einfach zwischendurch: Wichteln ist eine schöne Gelegenheit, sich im Team gegenseitig eine kleine Freude zu machen – und sorgt im Pflegealltag für einen kleinen Geschenke-Kick. Gerade dort, wo Dienstpläne eng sind und Teams häufig wechseln, lässt sich Wichteln leichter terminlich einbauen als eine Stationsfeier – vorausgesetzt, ein paar Spielregeln stehen vorher fest. So klappt das wichtelige Beschenken besonders gut:

Einmal Klartext bitte: Das gilt es, vorab zu vereinbaren

Bevor es ans Besorgen der Geschenke geht, hilft eine kurze Klärungsrunde – vor allem zur Form des Wichtelns: Steht ausdrücklich Schrottwichteln auf dem Plan – Ironie und Augenzwinkern inklusive? Oder sind ernst gemeinte, wenn auch kleine Geschenke gewünscht? Darf es praktisch sein oder witzig – oder lieber ausgewählt und stilvoll?

Besser ein Budget feststecken

Und wie steht’s ums Budget? Ein gemeinsam vereinbarter Höchstbetrag (zum Beispiel fünf oder zehn Euro) verhindert spätere unangenehme Überraschungen, sagt Britta Krahn, Sozialpsychologin an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die sich unter anderem mit der Psychologie des Schenkens beschäftigt. "Die Verabredung eines meist recht niedrigen Höchstbetrages ist sehr sinnvoll." Peinliche Situationen aufgrund eines allzu großen Preisgefälles bei den überreichten Geschenken würden so vermieden. "Sie könnten das Beziehungsgefüge empfindlich stören." Ohnehin komme es in erster Linie darauf an, dass das Geschenk wertschätzend ist.

Wer beschenkt wen?

Ebenfalls eine wichtige Entscheidung: Wie werden Schenkende und Beschenkte einander zugeordnet? Per Losverfahren, bei dem alle einen Namen ziehen? Vorteil: Der oder die Schenkende weiß genau, wen sie beglückt, kann also zielgerichtet einkaufen (wahlweise auch: backen oder kochen). Doch Achtung: Es steigt auch der Anspruch, wirklich etwas zu finden, das zur beschenkten Person passt. Die Alternative: Alle bringen jeweils ein Geschenk mit, das in einen Sack oder unter einen kleinen Baum gelegt wird. So sind die Erwartungen niedriger – und der Überraschungseffekt größer.

Ich weiß, was du diesen Winter bekommen wirst: Wenn der Name feststeht

Da steht man nun und schaut auf den gezogenen Namenszettel, darf sich jetzt also gedanklich mit dem neuen Pfleger beschäftigen, von dem man doch (noch!) so wenig weiß – oder mit der Pflegedienstleiterin, die doch ohnehin immer etwas reserviert ist. Was könnte ihnen gefallen – oder zumindest: ihnen am wenigsten nicht gefallen?

Beobachten, andere Kollegen fragen

Tipp: Für ein paar Tage in Beobachtungshaltung gehen: Trinkt die Kollegin in ihrer Pause vor allem Rooibos-Tee? Dann bietet sich eine besondere Teemischung an – Drogerien und Supermärkte haben inzwischen eine große Auswahl. Lebt jemand gerade zuckerfrei? Dann wäre eine große Packung zuckerfreier Kaugummi eine gute Idee (das Kauen hilft gegen Zuckergelüste). Der Kollege kommt täglich mit dem Rad? Dann freut er sich vielleicht über eine I-love-my-bike-Fahrrad-Klingel (gibt es im Fachhandel, aber auch in Baumärkten).

Ebenfalls erlaubt: eine kurze Rückfrage bei einer Vertrauensperson – etwa bei der Kollegin, mit der die Betreffende häufig den Dienst oder die Pausen verbringt. Fragen wie "Mag sie Kaffee oder Tee?", "Hat sie ein Haustier?" oder "Was liest er gern?" helfen enorm.

Geschenke für Vertraute

Ist die zu Beschenkende mehr Freundin als Kollegin – oder der Kollege längst zum Verbündeten im Stationsalltag geworden? Dann lässt sich Wichteln wunderbar nutzen, um gemeinsame Zeit zu verschenken, etwa einen Gutschein fürs Schlittschuhlaufen, eine Minigolfpartie im nächsten Sommer oder einen gemeinsamen Café-Besuch nach dem Dienst.

Gutscheine sind zu profan? Ein Blick auf Plattformen wie Etsy oder in kleine lokale Läden lohnt sich: Hier gibt es handgemachte Kleinigkeiten, etwa themen- oder berufsbezogene Stoff-Weihnachtswichtel (für Pflegende besonders passend: Wichtel mit Spritze oder Pflaster) bis zum minimalistischen Kerzenhalter.

"Selbstgemachtes schlägt Selbstgekauftes" ist hingegen das Motto? Wie wäre es mit einem Wichtel-Mitbringsel aus der eigenen Küche? Kollegen, die auf tierische Produkte verzichten, freuen sich sicher über vegane Plätzchen (ein Rezept für butter- und eifreie Vanillekipferl bietet die Wiesbadener Veganbäckerin Kerstin Linder zum Beispiel hier.) und Ernährungsbewusste über ein Glas selbstfermentiertes Gemüsekimchi (wie’s geht, erklärt die Ernährungsberaterin Sarah Maria Klamm hier). 

Diese Geschenke besser nicht!

Grundsätzlich, sagt die Wirtschaftspsychologin Britta Krahn, sollten pauschale Kategorisierungen vermieden werden. "Pralinen für die Oma, Blumen für die Frau" – solche immer gleichen Gaben drücken eher Gleichgültigkeit aus. Übertragen auf den Arbeitsalltag: Bitte nicht den hundertsten Werbe-Kugelschreiber oder die "She’s the Boss"-Tasse fürs Stationszimmer.

Zudem lohnt ein kurzer Check, bevor individuelle Geschenke im Einkaufswagen landen:

  • Alkohol ist immer heikel (aufgrund von Suchtproblematik, Medikamente, Vorbildfunktion), besser: ein feiner Saft oder Sirup.
  • Sehr persönliche Produkte (Seife, Deo, Anti-Falten-Cremes, Diät-Artikel) können verletzend wirken.
  • "Scherzartikel", die sich über den Körper, das Gewicht oder das Alter lustig machen, sind tabu.

Sicher fährt, wer auf neutrale, alltagstaugliche Kleinigkeiten setzt.

Eins für alle: Geschenke, die viele Geschmäcker treffen

Kommen die Geschenke in einen großen Weihnachtssack, aus dem jede Person blind ein Päckchen zieht? Oder werden sie unter ein kleines Stations-Bäumchen gelegt und nacheinander herausgepickt? Gute Idee, sagt Britta Krahn: "Viele fühlen sich mit dieser Variante deutlich wohler, als sich für einen wenig bekannten Kollegen etwas Geeignetes überlegen zu müssen."

Doch es braucht Allrounder-Geschenke, mit denen alle etwas anfangen können – und die im Zweifel gut weitergegeben (oder getauscht) werden können. "Kleine Dinge, die viele Menschen gerne benutzen oder die den weihnachtlichen Anlass unterstreichen, sind gut geeignet", so Krahn. Doch auch sie sollten zeigen, "dass man sich unabhängig von einem konkreten Empfänger Gedanken gemacht hat", so die Psychologin.

Mit diesen Ideen klappt die Wichtelfreude:

  • Gutschein für die Cafeteria oder das Café gegenüber
  • eine Handcreme (am besten duftneutral, parfüm- und allergenfrei)
  • eine schöne Kerze oder ein Teelichthalter
  • ein Stressball oder ein anderes kleines "Fummelspielzeug" für die Kitteltasche
  • eine Amaryllis im Wachsmantel (oft vergleichsweise günstig auf Wochenmärkten erhältlich)
  • eine eingemachte Köstlichkeit aus dem Spezialitätenladen (Antipasti, Marmelade)
  • Handwärmer für kalte Finger

Ach du lieber Schrott! Schrottwichteln mit Bedacht

Selten werden Dachböden, Abstellkammern oder diese eine alte Kiste im Keller ("Flohmarkt" mag draufstehen oder: "Kann vielleicht weg…") so gründlich durchforstet wie zur Weihnachtszeit. Wenn Schrottwichteln ansteht, bekommen so manche über Jahre ungenutzte Gegenstände eine neue Bühne. Das Prinzip ist klar: Jede Person bringt einen ausrangierten Gegenstand mit, verpackt ihn neutral, alles landet in einem gemeinsamen Sack – und daraus wird reihum gezogen.

Gut fürs Klima

Unter Klimaaspekten eine gute Tradition: Da die Gegenstände lediglich die Besitzer wechseln, also nicht neu gekauft werden müssen, sei diese Art des Schenkens besonders umweltfreundlich, sagen die Aktivisten von Greenpeace (die hier übrigens noch weitere Ideen für ein nachhaltiges Weihnachten liefern). Doch damit dem Überkonsum wirklich etwas entgegengesetzt wird, sollte das Team explizit vereinbaren, nur gebrauchte Stücke zu verwichteln – und nicht etwa neue Plastik-Wegwerfware aus dem nächsten Billigladen.

Schrott? Aber bitte mit Wertschätzung!

Zudem sollte festgehalten werden, dass der Gegenstand zwar gern kurios, jedoch bitte nicht defekt oder angeschlagen darf. Mit Schrott, "also Dingen, die niemand gerne haben möchte", lasse sich ohnehin "kaum Anerkennung oder Wertschätzung ausdrücken", warnt Britta Krahn. "Diese Variante untergräbt eigentlich die positive Funktion des Gebens."

Es sei denn, das Team stellt bewusst den Second-Hand-Gedanken in den Vordergrund. "Bei dieser Variante tragen die Teilnehmenden etwas bei, das vielleicht echten Retro-Charme hat und können vielleicht auch eine Geschichte dazu erzählen."

Übrigens: Hübsche Second-Hand-Artikel gibt es auch im örtlichen Oxfam- oder Caritas-Laden. Dort findet sich unter den gebrauchten und gespendeten Gegenständen fast immer etwas Schenkbares – vom Rentier-Salzstreuer bis zum alten Charles-Dickens-Heftchen. Die Einnahmen kommen einem guten Zweck zugute.

Was hast Du, was ich nicht habe? Tauschen erlaubt!

Die vielleicht spaßigste Aktion der ganzen Wichtelei (zumindest, wenn sie anonym durchgeführt wird): der Tauschhandel nach der Bescherung. Wer mit einem Geschenk dasitzt, das so gar nicht zu ihm passt, muss sich nicht ärgern. Im Gegenteil: Beim offenen Tausch wandern die Dinge dorthin, wo sie wirklich gebraucht werden: das Dickens-Heft zur Kollegin, die gern liest; die gibt dafür ihre Handcreme weiter an jemanden mit besonders strapazierten Händen, der wiederum froh ist, die Amaryllis loszuwerden.

So lernt das Team ganz nebenbei die Vorlieben der anderen besser kennen – und aus einer Wichtelpartie wird ein kleines Ritual der gegenseitig geschenkten Aufmerksamkeit. Wenn Budget und Rahmen klar sind und am Ende sogar noch getauscht werden darf, bleibt vom Wichteln vor allem eins: eine vergnügliche, adventliche Teamrunde mit Erinnerungswert.

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