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  • 27.08.2018
  • Die Schwester Der Pfleger

Kammerbefragung in Nordrhein-Westfalen

"Dieses Votum ist wegweisend"

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 9/2018

Seite 38

Pflegefachpersonen in Nordrhein-Westfalen werden im Oktober befragt, ob sie eine Pflegeberufekammer oder eine andere Form der Interessenvertretung möchten. Über die Details dieser Abstimmung sprachen wir mit dem Vorsitzenden des DBfK Nordwest, Martin Dichter.

Herr Dichter, welche Form der Befragung ist in Nordrhein-Westfalen (NRW) geplant?

Im Oktober werden 1.500 Pflegefachpersonen des Landes repräsentativ befragt, ob sie eine Pflegeberufekammer* oder eine andere Form der Interessenvertretung favorisieren. Ein vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, kurz MAGS, beauftragtes Institut wird zufällig ausgewählte Krankenhäuser, stationäre Pflegeeinrichtungen und ambulante Dienste aufsuchen und die Pflegefachpersonen vor Ort in Einzelinterviews befragen.

Es ist also keine Befragung aller Pflegefachpersonen in NRW geplant.

Richtig. Eine Vollerhebung wäre logistisch überhaupt nicht möglich. Denn wir wissen nicht, wie viele Pflegefachpersonen es im Land gibt. Es ist nicht bekannt, wo sie leben und arbeiten, und es gibt keine Kontaktadressen. Dafür benötigt man ein Beruferegister, und dieses erhalten wir erst mit einer Pflegeberufekammer. Aus statistischer Sicht ist eine Zahl von 1 500 ausreichend, um eine Repräsentativität zu gewährleisten. Zudem wird darauf geachtet werden, dass es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Pflegefachpersonen im Krankenhaus, Pflegeheim und in der ambulanten Pflege geben wird.

Welche Entscheidungsoptionen haben die Befragten?

Die Pflegefachpersonen können sich entweder für eine Pflegeberufekammer oder für eine Pflegevereinigung mit freiwilliger Mitgliedschaft, wie es sie in Bayern gibt, aussprechen. Es wird zudem eine dritte Entscheidungsvariante geben, wobei mir aktuell nicht bekannt ist, ob diese „weiß nicht“ oder „wünsche weder Pflegeberufekammer noch Pflegevereinigung“ sein wird.

Welche Argumente sprechen für die Kammer?

Die Pflegeberufekammer ist das einzige Instrument, um unseren Beruf eigenständig weiterzuentwickeln sowie um über Qualitäts- und Bildungsstandards selbst zu entscheiden. Nur mit einer Kammer erhalten wir ein Beruferegister, um endlich Zahlen über unseren Beruf zu generieren. Erst mit diesen Fakten wird es uns möglich sein, politische Forderungen zu stellen. Und: Heilberufekammern sind im deutschen Gesundheitswesen seit vielen Jahren etablierte und erfolgreiche Organisationen. Ärzte, Apotheker, Psychotherapeuten, Zahnärzte – alle diese Berufe verfügen über Kammern. Pflegefachpersonen können sich nur dann auf Augenhöhe mit diesen Berufen bewegen, wenn wir über das gleiche Instrument der Interessenvertretung verfügen.

Was spricht für eine Pflegevereinigung mit freiwilliger Mitgliedschaft, wie sie in Bayern anstelle einer Kammer eingerichtet wurde?

Es spricht nichts dafür. Denn freiwillig können sich Pflegende bereits in Berufsverbänden und Gewerkschaften organisieren. Diese bringen sich ebenfalls in die politischen Meinungsbildungsprozesse ein, doch nur die Pflegeberufekammer ermöglicht es, eigenverantwortlich über Weiterbildungs- und Berufsordnungen zu entscheiden sowie Qualitätsstandards festzulegen.

Welche Bedeutung hat die Kammerbefragung in NRW?

Die Abstimmung im bevölkerungsreichsten Bundesland ist wegweisend für ganz Deutschland. Sollten sich die Pflegefachpersonen in NRW für die Kammer entscheiden, ist spätestens das der Weckruf für alle anderen Bundesländer, ebenfalls entsprechende Initiativen zu starten. Auch für Bayern würde das eine Aufforderung bedeuten, die Entscheidung für die Pflegevereinigung noch einmal kritisch zu hinterfragen.

Der von Ihnen vertretene Regionalverband ist zuständig für die Mitglieder in NRW. Was tun Sie, um die Pflegenden über die anstehende Abstimmung zu informieren?

Bereits vor einigen Monaten haben wir DBfK-NRW-Teams eingerichtet, die für Einrichtungen kostenlose Informationsveranstaltungen anbieten. Eine E-Mail an nordwest@dbfk.de genügt und wir melden uns, um einen Termin zu vereinbaren. Zudem informieren wir unsere Mitglieder über alle gängigen Kanäle, wie unter anderem Newsletter, Social Media und Flyer. Parallel dazu hat auch das MAGS Ende August eine Informationskampagne mit einer Website und Flyern gestartet.

Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass Kammern auch unter den Pflegenden noch immer umstritten sind. Können Sie die Argumente der Kammergegner verstehen und wie nehmen Sie die Stimmung in NRW wahr?

Die Stimmung im Land macht mich sehr optimistisch, dass sich die Pflegenden im Oktober für die Kammer entscheiden werden. Viele Pflegende in NRW – so zumindest ist meine Wahrnehmung – sind für die Pflegeberufekammer und können auch sehr gut argumentieren, warum sie dafür sind. Ich nehme hingegen durchaus auch wahr, dass es eine große Zahl von Pflegenden gibt, die noch nicht ausreichend informiert sind. Diesen Kollegen machen wir wie gesagt das Angebot, in ihren Einrichtungen vorbeizukommen und zu informieren – kostenlos und mit Wunschtermin. Der DBfK Nordwest ist mittlerweile auf allen gängigen Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter, Instagram und Youtube aktiv – und diese Ressourcen nutzen wir, um möglichst viele Pflegende zu erreichen. Jetzt liegt es auch an den Pflegenden selbst, das Glück ihres Berufs selbst in die Hand zu nehmen und sich zu informieren.

Herr Dichter, vielen Dank für dieses Gespräch.