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  • 29.08.2019
  • Die Schwester Der Pfleger

Pflegeausbildung

Ein bisschen Spass muss sein

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 3/2019

Seite 68

Die zahlreichen positiven Eigenschaften und Auswirkungen von Humor haben das Klinikum Ludwigshafen dazu bewogen, Humor als Pflichtfach in der Ausbildung einzuführen und in den Klinikalltag aufzunehmen. Ein kurzer Einblick, wie Humor den Pflegealltag erleichtern und die Zusammenarbeit mit Kollegen verbessern kann. 

„Wir wollen Pflege neu denken, denn die Anforderungen an die Kolleginnen und Kollegen im Haus steigen täglich“, sagt Pflegedirektorin Alexandra Gräfin von Rex. Neben dem Umgang mit den Patienten ist für sie die Kommunikation unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein wichtiges Thema im oftmals belastenden Berufsalltag. Mit Humor können sie diesen gelassener und stressresistenter bewältigen.

Um den Pflegenden die Möglichkeiten zu geben, Kompetenzen zu trainieren, die ihnen helfen, Kooperationsbereitschaft und Vertrauen zu gewinnen und aufzubauen – bei Kollegen, Patienten, Angehörigen –, holte sich das Klinikum die Kompetenz der Stiftung „Humor hilft heilen“ ins Haus. Das Ziel der von Dr. Eckart von Hirschhausen gegründeten Stiftung ist es, „das Humane in der Humanmedizin und Pflege zu stärken“ und „die heilsame Stimmung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu fördern“, wie auf der Stiftungsseite zu lesen ist.

„Die Stiftung war uns natürlich ein Begriff. Auf die Idee, uns bei ‚Humor hilft heilen‘ tatsächlich zu bewerben, kam ich, als ich während eines Wochenendrufdienstes in einer Kundenzeitschrift in einem Drogeriemarkt blätterte. Dort war zu lesen, dass die Stiftung ihre Leistungen inzwischen auch für Krankenpflegeschulen anbietet – daher haben wir dort auch gleich angefragt. Meinen Kolleginnen, Kollegen und mir war und ist das Thema ein absolutes Herzensanliegen. Wir sind froh, dass wir diese Chancen bekommen haben“, beschreibt Pflegedirektorin Gräfin von Rex, wie es überhaupt zu der Bewerbung kam. Im Juni 2018 erhielt die Pflegedirektion dann die Zusage für eine Zusammenarbeit. Mittlerweile haben einige der Mitarbeiter/-innen Weiterbildungsworkshops durchlaufen und die Praxisanleiter/-innen und Führungspersonen erhielten Einblick in die Schulungsinhalte.

„Wesentlich war, dass die Führungskräfte und Praxisanleiter/-innen zuerst eine Schulung und eine Einführung in das Konzept erhielten. Sie müssen einfach wissen, was unsere Zielrichtung ist“, erklärt Gräfin von Rex. Die Führungskräfte sollen das Thema in die Führungstätigkeit integrieren, die Praxisanleiter/ -innen künftig gewissermaßen als Humorbeauftragte fungieren und die Inhalte aus der Schulung in die Praxis transportieren. „Wir haben auf jeder Station mindestens einen Praxisanleiter, sodass – egal in welchem Bereich die Auszubildenden eingesetzt sind – sich dort jemand des Themas annimmt und das immer präsent hält“, ergänzt die stellvertretende Pflegedirektorin Marion Dietrich. Langfristig sei es das Ziel, „jeden Kollegen in Humor zu schulen“.

Seit Ende Januar dieses Jahres ist das Thema Humor Teil der theoretischen Ausbildung in der Pflegeschule des Klinikums Ludwigshafen. „Das Konzept sieht vor, dass wir in jedem der 3 Ausbildungsjahre einmal einen Ganztagesworkshop leiten. Dieser soll künftig gesplittet werden in 2 Halbtagsworkshops, damit das Thema über die kürzeren Zeitabstände noch nachhaltiger wirkt, noch präsenter bleibt“, erklärt der Workshopleiter und Humortrainer der Stiftung „Humor hilft heilen“, Felix Gaudo.

Stiftung "Humor hilft heilen"

Die Stiftung „Humor hilft heilen“ mit Sitz in Bonn beschäftigt bundesweit Regionaltrainer, die in ihrem Zuständigkeitsbereich Einrichtungen als Gastdozenten besuchen. Stiftung und Trainer haben ein Curriculum für die Ausbildung entwickelt, das beständig verbessert wird.

Kliniken, die Interesse an Humorfortbildungen haben, können sich bei der Stiftung für eine Förderung bewerben. Ein Antragsformular findet sich auf der Website der Stiftung www.humorhilftheilen.de. Die Stiftung übernimmt die Kosten für den Trainer. Die Einrichtungen wiederum überweisen eine Spende an die Stiftung.

Kommunikation nach Theaterpädagogik

Die Schulungen beinhalten ein Kommunikationstraining mit Schwerpunkt Humor. Kommunikation erlebbar zu machen, ist dabei elementar: „Wir machen viele Übungen, die spielerisch sind und die Teilnehmer zu Handlungen bewegen. Dazu gehören Kommunikationstechniken wie aktives Zuhören oder Ich-Botschaften“, so Gaudo. Viele der Übungen stammen aus der Theaterpädagogik. Der Humorexperte vergleicht das Betreten eines Patientenzimmers gern mit dem Moment, wenn Schauspieler vor ihrem Publikum die Bühne betreten. „Innerhalb von Sekundenbruchteilen passiert ganz viel. Manchen Pflegekräften – grad wenn sie noch in der Ausbildung sind – ist nicht bewusst, dass das ein entscheidender Moment ist.“ Die Auszubildenden lernen im Workshop, sich diese Situationen bewusst zu machen: „Wie wirke ich anders und wie nehme ich auch anders wahr, wenn ich ein Zimmer betrete und ich mich darauf konzentriere, was dort vor sich geht, anstatt in Gedanken noch mit anderen Dingen beschäftigt zu sein?“

Theaterpädagogik gehört schon längere Zeit zum Ausbildungsprogramm der Pflegeschule. Laut Gräfin von Rex nimmt jede Klasse in der Ausbildung an einem 2-tägigen Workshop zum Thema Respekt in einem Ludwigshafener Theater teil. „Im Theater wird dieses Thema einfach noch einmal von einer ganz anderen Seite beleuchtet“, sagt sie. „Dieser andere Blick auf die Dinge ist für die Schüler ganz wichtig, auch für sich selbst einen Weg zu finden.“

Fehler machen und aus ihnen lernen

In den Humorworkshops sind die Sitzplätze der Teilnehmer im Kreis angeordnet. „Wir starten mit einem Kreisspiel, in dem die Teilnehmer Impulse weitergegeben, also bestimmte Bewegungen ausführen sollen. Dazu müssen sie hoch konzentriert sein. Dadurch werden die Teilnehmer ganz präsent für den Augenblick. Sie haben in dieser Phase der Konzentration keine Zeit mehr, über gestern oder morgen nachzudenken“, beschreibt Gaudo die Übungen. Und wenn die Teilnehmer Fehler machen, dann kommt der Spaß hinzu: „Die Teilnehmer lachen sich kaputt. Denn wenn ich überfordert bin in meiner Konzentrationsfähigkeit, passieren natürlich dauernd Fehler. Und das ist sehr lustig, wenn man sich selbst und den anderen Leuten beim Denken zuschauen kann“, erklärt Gaudo eine entscheidende Erfahrung und Botschaft dieser Workshops: „Fehler zu machen, ist natürlich. Wir können uns nur weiterentwickeln und verbessern, wenn wir immer wieder den Mut haben, Fehler zu machen. Denn jede kreative Weiterentwicklung lebt von try, fail, try again, fail better.“

Stets zu versuchen, Fehler zu vermeiden oder nicht zuzugeben, ist nach Ansicht des Humorexperten der falsche Weg. Deshalb brauche es eine wertschätzende Kommunikation – auch interdisziplinär –, um eine gute Fehlerkultur entstehen zu lassen. Gaudo: „Nur da, wo eine konstruktive Fehlerkultur auf Station entsteht, entstehen auch eine Lebendigkeit und ein viel konstruktiveres Miteinander.“ Dietrich pflichtet dem bei: „Fehler passieren, aber es ist wichtig, dass wir aus unseren Fehlern lernen. Deshalb müssen wir darüber reden. Bei uns darf die Krankenpflegeschülerin – ohne Konsequenzen fürchten zu müssen – dem Chefarzt sagen, wenn sie den Eindruck hat, dass etwas falsch läuft.“

Zu dieser „Gute-Fehler-Kultur“, die in den Workshops vermittelt wird, gehört auch, dass die Teilnehmer in der Praxis einfach mal das Risiko eingehen sollen, ins Fettnäpfchen zu treten. „Wenn man jemandem auf den Schlips getreten ist und das wahrnimmt, dann sollte man nicht in eine Verteidigungsposition gehen, sondern aktiv sagen: ,Oh, Entschuldigung. Das habe ich so nicht gemeint.‘ Dann passiert meist ganz viel Positives. Wenn ich jedoch versuche, auch hier Fehler zu vermeiden – lieber keinen Humor, denn der könnte ja in den falschen Hals geraten –, dann beschneide ich mich selbst und jede kreative Weiterentwicklung meiner eigenen Humorfähigkeit ist von Anfang an unterbunden“, ermuntert Gaudo die Teilnehmer, sich ruhig einmal zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Um mittels Humor angespannte Situationen deeskalieren zu können, brauche es Übung, erst mit der Zeit entwickelten sich immer mehr Geschicklichkeit und Fingerspitzengefühl.

Ein Büfett, das zum Probieren einlädt

Die ersten Workshops im vergangenen Jahr haben auch schon Wirkung gezeigt, berichtet die stellvertretende Pflegedirektorin weiter. „Gerade nach gemischten Workshopgruppen mit Teilnehmern von verschiedenen Stationen zeigt sich, dass diese nun intensiver miteinander kommunizieren als früher. Hier wächst tatsächlich etwas zusammen. Die Mitarbeiter/ -innen tauschen sich mehr untereinander aus.

Im Zuge der Workshops muss selbstverständlich niemand Berufskomiker/-in werden. „Der Workshop ist gedacht wie ein Büfett, an das ich herantreten und kucken kann, was mir schmeckt. Also schaue ich mir ein Schmankerl an und probiere es aus“, beschreibt der Humorexperte eines der Seminarziele. Und da jeder seinen eigenen Charakter hat, gibt er den Teilnehmern noch mit auf den Weg: „Für den einen ist der Workshop eine Bestätigung, dass er mit seiner humorvollen Art auf dem richtigen Weg ist. Und für den anderen ist er eine Anregung, auf seine eigene leise Art ein bisschen Zutrauen zu sich selbst zu bekommen.“

Das Klinikum Ludwigshafen (www.klilu.de) veranstaltet ab 11. April einen 3-tägigen Kongress zum Thema „Gesund in die Zukunft“. Auf diesem Kongress wird unter anderem Felix Gaudo über seine Erfahrungen berichten.

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