• 26.05.2026
  • Szene
Glosse

Heinz Erhardt trifft Pflegepolitik

Mit Witz und feiner Ironie blickt die Glosse auf Pflegepolitik und Sprachdebatten – inspiriert vom Stil Heinz Erhardts und überraschend aktuell.

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 5/2026

Seite 88

Mit Witz und feiner Ironie blickt die Glosse auf Pflegepolitik und Sprachdebatten – inspiriert vom Stil Heinz Erhardts und überraschend aktuell.


Angenommen, Heinz Erhardt wäre heute zu einer pflegepolitischen Beratung eingeladen. Er käme wahrscheinlich mit einem freundlichen „Guten Tag! Ich bringe nichts mit außer Zeit – und davon habe ich wenig!“ herein, setzte sich, wischte unsichtbare Brotkrümel von seiner Weste und würde erst einmal schweigend die Lage betrachten. Das tat er gern: erst schauen, dann schmunzeln, dann scharfzüngig sanft zuschlagen.

Vorgestellt würden Konzepte. Also Papiere, die man so lange faltet, bis sie in jede Schublade passen. Die Menschen um ihn herum würden über „Strukturen“ und „Ressourcen“ reden. Und alle würden nicken. Erhardt würde wohl sagen, es wurde so viel genickt, dass alle eine Fortbildung im Kopfnicken absolvierten.

Wenn jemand sagt: „Die Pflege braucht Sichtbarkeit“, würde er wahrscheinlich höflich anmerken: „Jawohl! Am besten auf Augenhöhe. Denn von oben sieht man zwar viel, aber selten das Richtige.“ Sobald das Wort „Entlastung“ fiele, sagte er gewiss: „Entlasten? Heißt das, man nimmt die Last weg? Oder legt man sie nur aussichtsvoller woanders hin?“

Wenn von „Kompetenzerweiterung“ die Rede wäre, würde er wohl betonen: „Die Pflege hat Kompetenzen wie ein Uhrwerk Zahnräder: präzise, zuverlässig und immer etwas unterschätzt. Bitte nicht erweitern – nur endlich gewichten.“

Er würde sich Notizen machen, keine langen, nur kleine: „Rahmenbedingungen – sind die aus Holz?“, „Sektorengrenzen – kann man die streichen?“, „Personalbemessung – wie bemisst man Blicke?“

Und am Ende würde er aufstehen, sich räuspern und sagen: „Verzeihung, ich bin nur Gast. Aber vielleicht müssen Sie die Pflege gar nicht neu erfinden. Vielleicht müssen Sie sie einfach ernst nehmen. Und zwar so ernst, dass sie trotzdem lachen darf.“ Und dann würde er mit einem Reim gehen:

„Die Pflege, oh, sie pflegt, doch pflegt sie selbst sich nicht; drum zeigt, was sie bewegt, rückt sie ins rechte Licht!“

Wie immer warm, weise und unverschämt freundlich.   

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