Die Duale Hochschule Baden-Württemberg und das Klinikum Stuttgart haben das Zertifikatsprogramm „Akutstationäre pädiatrische Pflege“ entwickelt, um generalistisch ausgebildeten Pflegefachpersonen vertiefende Kenntnisse für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu vermitteln.
Seit 2023 stehen Kinderkliniken vor der Herausforderung, dass Absolvent:innen der Pflegeausbildung nachqualifiziert werden müssen, da jene ohne vertiefenden oder spezialisierenden Abschluss nicht über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten für die Pflege von kranken Säuglingen, Kleinkindern, Schulkindern und Jugendlichen verfügen [1]. Um im Bereich der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege tätig zu sein, ist dieses spezialisierte theoretische Wissen erforderlich, das in einer pädiatrischen Anschlussqualifizierung erworben werden kann. Eine bundesweit einheitliche, staatlich anerkannte Anschlussqualifzierung existiert bislang nicht, wird jedoch von manchen Fachorganisationen gefordert [1].
Praxisnahes Curriculum
In einer Kooperation der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und dem Klinikum Stuttgart hat eine pflegefachliche beziehungsweise -wissenschaftliche Arbeitsgruppe ein praxisnahes Curriculum in Form eines Zertifikatsprogramms für beruflich qualifizierte Pflegefachpersonen entwickelt. Das Ziel besteht darin, Pflegefachpersonen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten möchten, evidenzbasiertes theoretisches Wissen auf dem Niveau 6 des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR 6) zu vermitteln und sie dazu zu befähigen, dieses Wissen anzuwenden und zu reflektieren. Daneben erwerben die Teilnehmenden Leistungspunkte nach dem European Credit Transfer System (ECTS), die beispielsweise auf ein Studium angerechnet werden können. Das entwickelte Curriculum „Akutstationäre pädiatrische Pflege“ ist akkreditiert und wird im Rahmen des Zertifikatsprogramms für beruflich qualifizierte Pflegefachpersonen in drei Modulen angeboten (Tab. 1).
Das Modul „Grundlagen pädiatrischer Pflege“ ist Voraussetzung für die Belegung der Module „Pflege kranker Kinder und Jugendlicher in Akutsituationen“ und „Pflege chronisch kranker Kinder und Jugendlicher“. Zur Zielgruppe der pädiatrischen Anschlussqualifizierung gehören Pflegefachpersonen mit Berufserlaubnis nach § 1 Abs. 1 und Abs. 2 PflBG, die in der pädiatrischen Pflege beginnen oder ihr Wissen vertiefen möchten. Da diese Kolleginnen und Kollegen bereits Erfahrung mit dem Erlernen pflegerelevanten Wissens besitzen, beinhaltet das entwickelte Curriculum einen größeren Umfang an Selbststudienzeit. Das vorliegende Curriculum kann sowohl in Präsenz als auch in Online-Modulen angeboten werden.
Bei erfolgreichem Abschluss eines Moduls erhalten die Teilnehmenden ein Modulzertifikat (10 ECTS-Leistungspunkte). Bei erfolgreichem Abschluss von zwei Modulen erhalten sie das „Certificate of Basic Studies“ (20 ECTS-Leistungspunkte) und bei erfolgreichem Abschluss aller drei Module das „Diploma of Basic Studies“ (30 ECTS-Leistungspunkte).
Das praxisnahe Curriculum soll Kinderkliniken dabei unterstützen, in absehbarem Zeitraum Pflegefachpersonen mit fundiertem pädiatrischen Wissen auf akademischem Niveau zur Verfügung zu haben. Zudem erlaubt der erfolgreiche Abschluss der Module den Nachweis einer qualifizierten theoretischen Fortbildung zur pädiatrischen Pflege.
Danksagung: Die Autorin dankt Prof. a. D. Dr. Elisabeth Holoch, Anne Grunau und Silke Hurton für die gemeinsame Curriculumentwicklung.
[1] Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit e. V. Weißbuch Personalressourcen in der Kinder- und Jugendgesundheit. Im Internet verfügbar: www.buendnis-kjg.de/wp-content/uploads/2025/07/weissbuch-personalressourcen.pdf; Zugriff: 21.08.2025