• 24.09.2020
  • Praxis
20 deutsche Kliniken nehmen an europaweitem Projekt teil

Große Freude, Teil von "Magnet 4 Europe" zu sein

Das Klinikum Lüneburg, eins von 20 teilnehmenden deutschen Häusern, über seine Motivation, an der Studie "Magnet 4 Europe" teilzunehmen.

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 10/2020

Seite 10

Bis Ende 2023 werden 60 Kliniken in sechs Ländern Europas auf ihrem Weg zum Magnetkrankenhaus begleitet. Ziel ist herauszufinden, ob die gezielte Umgestaltung der Arbeitsumgebung zu höherer Arbeitszufriedenheit, einer geringeren Burn-out-Rate beim Personal und einer besseren Versorgungsqualität führt. Das Klinikum Lüneburg, eins von 20 teilnehmenden deutschen Häusern, über seine Motivation, an der Studie teilzunehmen.

Die Pflegedirektion des Klinikums Lüneburg ist seit Jahren bestrebt, Maßnahmen zur Stärkung und Weiterentwicklung der Pflege umzusetzen. Die Teilnahme an der Interventionsstudie „Magnet 4 Europe“ erschien daher als eine logische Konsequenz, um diese Entwicklung weiter voranzutreiben. Glücklicherweise konnten die Geschäfts- und Betriebsleitung schnell von den Vorteilen der Studienteilnahme überzeugt werden, sodass einer Bewerbung nichts mehr im Wege stand.

Teilnahme fand regen Zuspruch

Dem Team der Pflegedirektion war nicht nur die Überzeugung der oberen Leitungsebene des Krankenhauses wichtig, sondern auch die Akzeptanz und Beteiligung der Pflegebasis. Die „Magnet 4 Europe“-Initiative wurde deshalb sowohl den Führungspersonen in der Pflege als auch den Stationsteams vorgestellt und erläutert. Die mögliche Teilnahme fand überall regen Zuspruch. Die Freude ist nun sehr groß, dass das Klinikum Lüneburg seit dem 1. Januar 2020 tatsächlich Teil von „Magnet 4 Europe“ geworden ist.

Nach ersten Kontakten mit der Technischen Universität Berlin, die die Umsetzung der Studie als Kooperationspartner in Deutschland begleitet, fand im Juli das erste Online-Seminar mit den 20 teilnehmenden deutschen Kliniken statt.

Die Hauptverantwortlichen, Professor Walter Sermeus von der Katholischen Universität Löwen in Belgien und die in der ganzen Welt renommierte Pflegewissenschaftlerin Professor Linda H. Aiken von der University of Pennsylvania in Philadelphia/USA, begrüßten die Krankenhäuser offiziell zum Studienstart und erläuterten den Ablauf.

Als nächster Schritt findet Anfang Oktober für alle teilnehmenden Krankenhäuser die erste europäische Lerngruppe („Learning Collabora- tive“) zum Magnetkonzept statt, die in diesem Jahr pandemiebedingt virtuell durchgeführt wird.

Im Oktober wird es ebenfalls die erste Datenerhebung in allen teilnehmenden Kliniken geben, um die aktuelle Zufriedenheit der Mitarbeitenden sowie der Patientinnen und Patienten zu erfassen.

Das Studiendesign der randomisierten kontrollierten Studie sieht eine zufallsgesteuerte Aufteilung der teilnehmenden europäischen Krankenhäuser in zwei Gruppen vor. Die erste Gruppe wird im Oktober direkt mit den ersten Interventionen beginnen. Die zweite Gruppe startet zeitversetzt im Herbst 2021 mit den Interventionen.

Geplant ist eine individuelle „Lückenanalyse“ („Gap Analysis“), die die Entwicklungspotenziale des Krankenhauses anhand der Magnetprinzipien (Textkasten: Prinzipien des Magnetkrankenhauskonzepts) aufzeigt.

Zusätzlich gibt es Partnerschaften („Twinning Partner“) der teilnehmenden Kliniken mit jeweils einem Magnetkrankenhaus in den USA, das die Umsetzung der Magnetprinzipien unterstützt. Diese Begleitung erfolgt in monatlichen Videokonferenzen, die durch halbjährliche Besuche einer Delegation des Partnerkrankenhauses ergänzt werden (sobald sicheres Reisen vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Pandemie wieder möglich ist).

Sehr vorteilhaft ist, dass jedes Krankenhaus bei der Umsetzung der Magnetkrankenhausprinzipien über eigene Handlungsspielräume verfügt. So haben die Krankenhäuser die Möglichkeit, am aktuellen Entwicklungsstand anzuknüpfen und individuelle Besonderheiten zu berücksichtigen.

Prinzipien des Magnetkrankenhauskonzepts („Magnet Model Components“)

Transformationale Führung („Transformational Leadership“). Das Führungsverhalten der Pflegedienstleitung zeichnet sich durch Partizipation, Zugänglichkeit, Präsenz und Wertschätzung aus. Selbstinitiative und Leistungsbereitschaft werden gefördert. Durch den partizipativen Führungsstil können Pflegende eigene Ideen einbringen.
Strukturelle Befähigung („Structural Empowerment“). Magnetkrankenhäuser verfügen über Organisations- strukturen, die die Pflegenden mit anderen klinischen Berufsgruppen auf eine hierarchische Ebene stellt. Die interprofessionelle Kommunikation erfolgt auf Augenhöhe und zeichnet sich durch gegenseitigen Respekt aus. Durch gezielte Entwicklungsprogramme wird die Professionalisierung der Pflege unterstützt. Leistungsbereitschaft, Bildung und Weiterentwicklung in der Pflege werden aktiv gefördert.
Professionelle Pflegepraxis („Exemplary Professional Practice“). Das professionelle pflegerische Handeln zeichnet sich durch Eigenverantwortung und Selbstständigkeit aus. Die Pflegenden verfügen über eigenständige Verantwortungsbereiche. Sie bilden sich in bestimmten klinischen Feldern weiter und sind als Expertinnen und Experten etwa in der Wundversorgung oder im Case Management tätig. Kontinuierlicher fachlicher Austausch findet in allen Abteilungen statt.
Neues Wissen, Innovationen und Verbesserungen („New Knowledge, Innovations & Improvements“). Die Organisation fördert pflegewissenschaftliche Strukturen, um die professionelle Berufsausübung und die Generierung evidenzbasierten Wissens zu unterstützen. Pflegende sind am Qualitäts-, Fehler- und Beschwerdemanagement aktiv beteiligt.
Empirische Ergebnisse („Empirical Outcomes“). Die Ergebnisse der professionellen Pflege werden mittels kontinuierlicher Evaluation gemessen. Die eigenen Arbeitsergebnisse werden mit den Resultaten anderer Kliniken abgeglichen. Empirische Ergebnisse sind Ansporn für kontinuierliche Verbesserung.

Pflegerisch geleitete Arbeits- gruppen erarbeiten Strategie

Um die Interventionen unter Beteiligung der Pflegebasis umzusetzen, werden in allen teilnehmenden Krankenhäusern Arbeitsgruppen etabliert.

Am Klinikum Lüneburg setzen sich diese hauptsächlich aus Pflegefachpersonen verschiedener Bereiche und Qualifikationen zusammen. Ärztinnen und Ärzte ergänzen die Arbeitsgruppen, um Schnittstellen zum ärzt- lichen Dienst zu berücksichtigen. Jeweils eine Pflegefachperson leitet die Arbeitsgruppen und koordiniert die einzelnen Studienschritte.

Die Arbeitsgruppen erarbeiten anhand der Lückenanalyse eine individuelle Strategie für das jeweilige Krankenhaus. Im Anschluss werden die einzelnen Prozesse initiiert, gesteuert und begleitet. Für diese Aufgabe wird den teilnehmenden Krankenhäusern ein Handbuch in digitaler Form zur Verfügung gestellt, das detaillierte Beschreibungen der Magnetkranken- hausprinzpien enthält. Zusätzlich zu diesen klinikinternen Maßnahmen sind im Studienverlauf jährliche Treffen der 60 teilnehmenden europäischen Kliniken geplant und es besteht die Möglichkeit des gegenseitigen Austauschs über eine spezielle Online-Plattform.

In jedem teilnehmenden Krankenhaus werden im gesamten Studienverlauf Daten zur Zufriedenheit der Mitarbeitenden sowie der Patientinnen und Patienten, zur Versorgungsqualität und zur Sicherheit der Patientinnen und Patienten erhoben.

Ergänzend stellen die teilnehmenden Krankenhäuser weitere Routinedaten zur Evaluation zur Verfügung.

„Magnet 4 Europe“ bietet die einmalige Gelegenheit, die Arbeitsbedingungen in der Pflege und die Versorgungsqualität weiter zu verbessern. Als Klinikum in kommunaler Trägerschaft ist es von Vorteil, dass im Rahmen der Studie keine Gutachter- und Beratungsgebühren anfallen und die Begleitung durch die Partnerkrankenhäuser unentgeltlich stattfindet. Nur die Reisekosten für den persönlichen Austausch mit dem Partnerkrankenhaus müssen vom Klinikum Lüneburg übernommen werden.

Gespannt auf den Projektverlauf

Mit Begeisterung sehen wir sehr gespannt den kommenden Jahren als offizieller Teilnehmer von „Magnet 4 Europe“ entgegen. Wir erhoffen uns viele neue Impulse und einen regen Austausch - sowohl mit unserem Partnerkrankenhaus in den USA als auch mit den anderen beteiligten deutschen und europäischen Krankenhäusern.

Autor

Weitere Artikel dieser Ausgabe

WEITERE FACHARTIKEL AUS DEN KATEGORIEN