• 25.07.2019
  • Bildung
Patientenedukation

Expertinnen klären auf

Die Mitarbeiterinnen des PIZ (v. li.): Katrin Horst (Pflegetrainerin), Eva Schneider (Onkologischer Konsildienst), Annika Dangendorf (Pflegeberaterin), Julia Gawlitta (Pflegetrainerin), Stefanie Federhen (Leiterin des PIZ), Dr. Barbara Strohbücker (Pflegewissenschaftlerin), Dr. Cindy Scharrer (Pflegepädagogin, Pflegewissenschaftlerin)

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 8/2019

Seite 70

Am Patienteninformationszentrum (PIZ) der Uniklinik Köln finden Ratsuchende in Sachen Pflege umfassende Unterstützung – egal, ob es um die Versorgung eines demenzkranken Angehörigen oder den Übergang vom Krankenhaus in das häusliche Umfeld geht. Kürzlich feierte die in vielerlei Hinsicht besondere Beratungseinrichtung ihr fünfjähriges Bestehen.

Das PIZ wurde im Februar 2014 auf Initiative der damaligen Pflegedirektorin Vera Lux gegründet mit dem Ziel, die Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten (im Folgenden: Patienten) zu fördern. Es handelt sich um ein pflegerisch geleitetes Beratungszentrum, an das sich Patienten der Uniklinik Köln, deren Angehörige sowie Kölner Bürgerinnen und Bürger wenden können.

Die Ratsuchenden sind häufig chronisch krank, versorgen ein krankes Familienmitglied oder stehen vor der Herausforderung, ihr Leben nach der Entlassung allein zu organisieren. Um Krankheitssymptome zu lindern, körperliche Einschränkungen auszugleichen, die emotionalen Auswirkungen einer Erkrankung in der Balance zu halten, mit teilweise komplexen Therapien zurechtzukommen und ihre Lebensführung anzupassen, z. B. nach einer Nierentransplantation, benötigen sie die unterschiedlichsten Fähig- und Fertigkeiten.

Evidenzbasierte Angebote

Die Aufgabe der Mitarbeiterinnen des PIZ ist es, den Betroffenen dabei zu helfen. Dies geschieht direkt durch Beratung, Schulung und Training, aber auch indirekt – etwa durch die Entwicklung von Schulungskonzepten, durch die Ausbildung künftiger Pflegefachpersonen sowie durch Forschung und Weiterentwicklung im Bereich der Patienten- und Familienedukation. Die Angebote des PIZ sind evidenzbasiert und entsprechen den Qualitätskriterien hochwertiger Gesundheitsinformation.

Eine wichtige Funktion des PIZ ist es, den Übergang vom Klinikaufenthalt in den häus- lichen Sektor sicherzustellen. Zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden zu Hause von ihren Familienangehörigen versorgt – und diese sind auf die neue Situation oft nicht vorbereitet. Die Mitarbeiterinnen des PIZ fördern deren Gesundheitskompetenz über Angebote der sog. Familialen Pflege, z. B. durch Pflegetrainings im Krankenhaus und zu Hause. Die Angehörigen erlernen auf diese Weise spezielle Pflegemethoden und besprechen in Einzel- und Familienberatungen herausfordernde Situationen. Besonders Angehörige mit psychisch erkrankten Familienmitgliedern profitieren immens von den Gesprächs- und Trainingsangeboten.

Ein Schwerpunkt des PIZ liegt im Bereich Demenz: Erkrankte Personen, die im Zentrum für Gedächtnisstörungen betreut werden bzw. wurden, werden nach der Diagnosestellung langfristig weiterbegleitet. Die Angehörigen der Betroffenen werden im Rahmen von Familienberatungen, Einzelgesprächen und Gruppenschulungen gezielt eingebunden.

Um ein verlässlicher Ansprechpartner für pflegende Angehörige zu sein, ist eine gute Erreichbarkeit wichtig. Es gibt zwar zahlreiche Unterstützungsangebote in der Region, aber oft sind diese nur wenige Stunden in der Woche erreichbar. Das PIZ hingegen ist von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Eine Pflegefachperson berät und schult hier direkt vor Ort.

Das PIZ in Zahlen

21.105 Patienten bzw. Angehörige haben bislang ein Angebot des PIZ genutzt. Es fanden 10.794 Informationsgespräche und 5.517 Beratungen zu gesundheitsrelevanten Schwerpunkten statt. 1.945 Personen erhielten eine individuelle Schulung. Inhalte waren u. a. das Leben mit einer Krebserkrankung, die Unterstützung bei der Tabakentwöhnung, das Erstellen einer Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht und Hilfe zum Leben mit Demenzerkrankung. Auch Schulungen zur Gerinnungswert-Selbstmessung werden angeboten. Besondere Highlights im PIZ sind die halbjährlichen Präventionswochen, die auf große Resonanz stoßen, z. B. die Woche der Sturzprävention, der gesunden Ernährung und der Zahngesundheit. Den Mitarbeiterinnen des PIZ liegt besonders die Ausbildung künftiger Pflegefachpersonen am Herzen. Von 2016 bis 2018 haben 56 Auszubildende, Studierende und Praktikanten einen Einsatz im PIZ absolviert und somit eine praxisnahe Ausbildung im Bereich der Patientenedukation erfahr

 

Die Gesundheitskompetenz der Patienten stärken

Das PIZ trägt auch dazu bei, Pflegeberatung in der Klinik weiterzuentwickeln und auf diese Weise Menschen mit einer chronischen Erkrankung zu befähigen, ihr Leben nach dem Klinikaufenthalt zu gestalten. Exemplarisch dafür steht die Entwicklung eines Pflegetrainings für Patienten nach Nierentransplantation. An der Uniklinik Köln erhält jede Woche ein Patient eine postmortale oder eine Lebendnierenspende und wird anschließend weiterbetreut. Ein Teil der Patienten wird wegen Komplikationen behandelt, z. B. wegen Abstoßungsreaktionen und Funktionsverschlechterung der transplantierten Niere. Für den Erhalt der neuen Niere ist die Mitarbeit der Betroffenen essenziell.

Wie trägt das PIZ dazu bei, die Gesundheitskompetenz dieser Personen zu stärken? Die Mitarbeiterinnen haben das Team des Transplantationszentrums dabei unterstützt, herauszufinden, warum Patienten ihre Medikamente nicht regelmäßig einnehmen und sich nicht an wichtige Maßnahmen bei der Alltagsgestaltung halten, z. B. an die Küchenhygiene. Sie haben das Team anschließend dabei unterstützt, Meilensteine im Krankheits- und Behandlungsverlauf zu identifizieren, an denen Informationsbedarf für Betroffene besteht, und auf dieser Basis gemeinsam mit ihnen ein modularisiertes Schulungsprogramm („Wissenstankstellen“) entwickelt, um die Transplantierten und ihre Familien mit dem Wissen und den Fertigkeiten auszustatten, die nötige Selbstpflege kompetent durchzuführen.

Das Schulungskonzept wurde auf der Station implementiert. Es ist nicht nur wissensbasiert, sondern bietet auch Raum für Training, etwa über das Tasten der Niere und das Selbsteinschätzen von Entzündungszeichen. Die Schulungen werden im Rahmen der Routineversorgung vor und nach der Nierentransplantation von den Pflegepersonen durchgeführt, die die Patienten auch nach der Transplantation betreuen. Ein Teil der Schulungen wird vor der Klinikaufnahme vermittelt, ein Teil danach. Hierzu gibt es eine Pflegesprechstunde im PIZ. Zusätzlich trifft sich die Selbsthilfegruppe „Das zweite Leben e. V. – Leben nach Nierenspende“ einmal im Quartal im PIZ und steht zum Austausch zur Verfügung. Das Angebot wird von einer Pflegeperson für Transplantation begleitet.

Das Schulungskonzept wird aktuell auf seine Wirksamkeit hin untersucht, insbesondere im Hinblick auf Adhärenz, Lebensqualität und Komplikationen nach der Transplantation. Ein ähnliches Projekt wurde im Herzzentrum gestartet: Hier geht es um die Begleitung von Betroffenen nach Herz-OP.

Ziele für die nächsten fünf Jahre

Das PIZ wird weiter dazu beitragen, dass sich Patientenberatung in der Klinik weiterentwickelt und gemeinsam mit den verschiedenen Zentren spezifische Beratungsangebote für Patienten aller Fachabteilungen der Uniklinik erarbeiten. Ziel ist auch, dass jeder pflegende Angehörige an einem Pflegetraining teilnehmen kann. Angedacht ist außerdem eine Onlineberatung, um auch Ratsuchende mit Mobilitätseinschränkungen zu erreichen. Nicht zuletzt will das PIZ auch verstärkt im Bereich der Pflegeforschung aktiv werden und erstellte Schulungskonzepte evaluieren. Ein wichtiger Kooperationspartner dabei ist das Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie der Universität zu Köln, mit dem aktuell ein gemeinsames Projekt zur Förderung der Gesundheitskompetenz im Bereich der Hygiene umgesetzt wird.

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