• 01.08.2002
  • Praxis

Epidemieprophylaxe in einer Abteilung für Altersheilkunde

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 8/2002

Die in einer akutgeriatrischen Klinik behandelten, in aller Regel multimorbiden und oft kognitiv eingeschränkten Patienten stellen an die Hygiene besonders hohe Anforderungen. In einer geriatrischen Klinik in Zürich erkrankten gleichzeitig viele Patienten und auch Pflegepersonal an einer nosokomialen Gastroenteritis, die sich durch Diarrhöe mit Übelkeit und teils verbunden mit Bauchschmerzen und Fieber manifestierte. Hardy-Thorsten Panknin befragte dazu für Die Schwester/Der Pfleger die verantwortliche Spitalhygieneberaterin und den Chefarzt der Klinik für Geriatrie und Rehabilitation über das infektiologische Procedere.Frage:
Welcher Erreger war für die Gastroenteritis-Epidemie an Ihrer Abteilung verantwortlich?

Dr. Grob und Spitalhygieneberaterin Stefanie Geisler:
Trotz Durchführung ausgedehnter bakteriologischer und viraler Untersuchungen konnte leider keine endgültige Erregerdiagnose gestellt werden. Aufgrund der Klinik, der Epidemiologie und den negativen bakteriologischen Untersuchungen dürfte es sich um virale Erreger (Rotaviren oder Norwalk-Viren) gehandelt haben.

Frage:
Wie gingen Sie bei dieser schwerwiegenden Komplikation vor?

Dr. Grob und Spitalhygieneberaterin Stefanie Geisler:
Die individuelle Therapie der betroffenen Patienten ergab sich jeweils aus dem klinischen Bild (u. a. Rehydrierung, Flüssigkeitssubstitution).
Sobald das epidemische Ausmaß erkannt wurde, wurden die für diesen Fall vorgesehenen klinikinternen Richtlinien umgesetzt. So wurden unter anderem Neuaufnahmen für die betroffenen Stationen nicht mehr zugelassen, Pflegende, Ärztinnen und Ärzte wie auch Besucher benutzten Einmalüberschürzen und hielten sich an konsequente Händedesinfektion; für die Grundpflege bei betroffenen Patienten wurden Handschuhe getragen.
Ein Transfer der Patienten innerhalb der Klinik (zu Therapien, in die Röntgenabteilung usw.) wurde auf das absolut notwendige Minimum beschränkt beziehungsweise nur unter Einhaltung entsprechender Vorsichtsmaßnahmen durchgeführt.

Frage:
Wie sieht die aktuelle Situation derzeit aus?

Dr. Grob und Spitalhygieneberaterin Stefanie Geisler:
Wir haben seit 1998, dem Zeitpunkt der Einführung des Präventionsprogrammes (Mitarbeiterschulung, großformatige Fotos von waschenden Händen in den Toiletten, dreimal tägliche Händedesinfektion vor dem Essen mittels Sagrosept®-Desinfektionstuch), eine deutliche Reduktion des Auftretens von nosokomialen Gastroenteritiden verzeichnen können. Insbesondere traten diese Gastroenteritiden nur noch sporadisch auf - eine Häufung wurde nicht mehr beobachtet.

Frage:
Können Sie als Schlussfolgerung empfehlen, dass Patienten im Alltag der geriatrischen Klinik dreimal täglich vor dem Essen zur Prävention der nosokomialen Gastroenteritis eine hygienische Händedesinfektion durchführen?

Dr. Grob und Spitalhygieneberaterin Stefanie Geisler:
Auch wenn kein eindeutiger Beweis besteht, dass diese Einzelmaßnahme das epidemische Auftreten nosokomialer Gastroenteritiden absolut verhindert, so möchtenwir doch diese Maßnahme für unsere hochbetagten Patienten im klinischen Alltag mit Überzeugung weiterempfehlen.
Die hohe Akzeptanz bei den Patienten (die Maßnahme wird von den oft immobilen Patienten, welche vor dem Essen häufig nicht die Gelegenheit zum Händewaschen haben, als Service empfunden) wie auch bei dem Personal sowie die relativ geringen Kosten für die Umsetzung mit dem doch wahrscheinlichen Effekt der Prävention von nosokomialen Gastroenteritiden sprechen unseres Erachtens dafür.


Das Interview führte Hardy-Thorsten Panknin, Berlin



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