• 01.08.2002
  • Management
Angehörige können im Brandfall wertvolle Hilfe leisten

Wohin mit den Besuchern?

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 8/2002

Trennung von Patienten und Angehörigen macht wenig Sinn
Alle Besucher sind sofort aus dem Haus zu leiten, gleichgültig ob in der Station ein Evakuierungsbedarf besteht oder nicht. Die Leitung der Besucher zu den Ausgängen erfolgt durch den Technischen Dienst. Dieses Zitat aus einer Brandschutzordnung ist ähnlich in vielen anderen Ordnungen, Alarmplänen, Räumungsplänen und Anweisungen zu finden.
Ob solche Anordnungen so sinnvoll sind, wie dies auf dem ersten Blick erscheinen mag, sei dahingestellt.

Schließlich bringt ein Brandfall für Krankenhausbedienstete, Kranke sowie Besucher immer eine gewisse Hektik mit sich. Hierzu kommt die Angst: die Angst des Personals, der Kranken und der Besucher. Diese Angst wird es zumindest sehr erschweren, unter Umständen sogar unmöglich machen, die Angehörigen von den Kranken zu trennen. Beide Gruppen werden sich dagegen wehren, gerade jetzt - in einem Gefahrenfall - auseinander gerissen zu werden. Überlegen Sie mal: Würden Sie im Brandfall Ihre Angehörigen im Stich lassen?

Also geht in jedem Fall wertvolle Zeit damit verloren, die Besucher von ihren Angehörigen zu trennen und aus dem Haus zu bringen. In dieser Zeit ist außerdem Personal gebunden, das man sicher besser einsetzen könnte, ganz abgesehen davon, dass die Besucher, einmal aus der Klinik gebracht, ja nicht nach Hause gehen, sondern vor den Toren ausharren und unter Umständen die anrückenden Einsatzkräfte behindern und eine eventuelle Evakuierung blockieren würden.
Ein weiterer Nachteil ist, dass eben von diesen "gewesenenö Besuchern sämtliche Telefonleitungen belegt werden und außerdem: Wo will man bei der überall herrschenden Personalnot, gerade in der so entscheidenden Anfangsphase, die Mitarbeiter herbekommen, die die Besucher hinaus geleiten? So ist damit zu rechnen, dass diese Anordnung kaum durchführbar ist.

Angehörige in das Geschehen mit einbinden
Warum macht man sich nicht die Anwesenheit der Besucher zunutze, so wie dies ein griechischer Belegarzt in einem mittelfränkischen Krankenhaus getan hat. Bei einer Gasausströmung teilte er den einzigen Besucher - leider waren es nicht mehr - mit ein und holte sich auch die Arbeiter wieder zurück, die vorsorglich das Weite gesucht hatten
Betrachtet man diese Seite genauer, ist festzustellen, dass es schon große Vorteile haben kann, Besucher, Arbeiter von fremden Firmen usw. in das Geschehen mit einzubinden: Zunächst einmal hat jeder Kranke, der Besuch hat, seinen "Betreuerö. Um ihn braucht sich das Pflegepersonal nach der Rettung zunächst nicht zu kümmern. Ganz abgesehen davon kann das Pflegepersonal die Besucher zu den Räumungsarbeiten mit einteilen. Denkbar ist das Schieben von Betten, Mithilfe beim Tragen von Kranken, Öffnen und sofortiges Schließen der Türen, Verständigen weiterer Schwestern, Holen von Feuerlöschern usw.
Oder denkt jemand an die Möglichkeit, dass sich unter den Besuchern auch Feuerwehrleute, Polizeibeamte, Angehörige der Hilfsorganisationen, des THW oder Bundeswehr befinden können, die gewohnt sind, in heiklen Situationen mit anzufassen und diese zu meistern? Warum sich diese Leute nicht zunutze machen? Warum so wertvolles "Hilfspersonalö auf die Straße schicken?
Der Mensch, also auch der Besucher, ist in Notsituationen meist zur Hilfe bereit. Es muss nur jemand da sein, der ihm sagt, dass er gebraucht wird und was er wie machen muss. Selbstverständlich ist es immer von Vorteil, wenn die Stationsleitung in Sachen Brandschutz eine gute Ausbildung erfahren hat und zudem so motiviert ist, dass sie über die Brandschutzeinrichtungen und Brand-schutzgeräte auf der Station Bescheid weiß.

Anordnungen an die Besucher müssen klar und deutlich sein

Damit Anordnungen auch richtig verstanden werden, ist auf eine deutliche Ausdrucksweise zu achten. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen:
- Dort (entsprechende Handbewegung) ist der Brandmelder. Schlagen Sie die Scheibe ein und drücken Sie dann den Knopf!
- Gehen Sie zum Schwesternzimmer und sagen Sie, die Schwestern sollen kommen!
- Holen Sie mir den Feuerlöscher. Der hängt dort um die Ecke!
- Helfen Sie mir das Bett schieben!
- Halten Sie mir die Tür auf!
- Schieben Sie das Bett bis zum anderen Ende des Hauses!
Die Türen (gemeint sind die Brandschutztüren, die den Flur in Brandschutzabschnitte einteilen), können Sie öffnen!
- Helfen Sie mir den Löschschlauch mit vornehmen!
- Drehen Sie das Ventil auf, wenn der Schlauch abgezogen ist und kommen Sie dann zu mir!
- Helfen Sie der Schwester dort! (entsprechende Handbewegung )

 





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