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3 Mythen zur Überlastungsanzeige

3 Mythen zur Überlastungsanzeige

Vor genau 30 Jahren wurde die erste Überlastungsanzeige veröffentlicht. Seitdem hat sie vor allem in der Pflege eine steile Karriere erlebt. Doch was kann eine Überlastungsanzeige tatsächlich leisten? Und was nicht? Peter Jacobs, Berater für Personen und Institutionen im Gesundheitswesen und ehemaliger Pflegedirektor am Klinikum der Universität München (KUM), räumt mit drei typischen Mythen auf.

Mythos 1 – Überlastungsanzeigen zwingen den Arbeitsgeber, mehr Personal einzustellen: Eine Überlastungsanzeige ist weder gesetzlich noch tarifvertraglich geregelt. Deshalb können aus ihr auch keine Ansprüche hergeleitet und vor allem durchgesetzt werden. Damit sind bereits deutlich die Grenzen einer Überlastungsanzeige aufgezeigt. 30 Jahre Überlastungsanzeige haben gezeigt, dass es in dieser Zeit nicht zu mehr Personal gekommen ist, sondern im Gegenteil sogar ein massiver Personalabbau in der Pflege stattgefunden hat.

Mythos 2 – Überlastungsanzeigen sichern Pflegende bei einem Zwischenfall gegen haftungs- oder strafrechtliche Ansprüche ab: Das ist nicht so. Eine Überlastungsanzeige bietet – auch in einer Mangelsituation – keinen Schutz vor fachlichen Fehlern. Die einzelne Pflegeperson entscheidet in der konkreten Situation, welche pflegerischen Arbeiten sie welchem Patienten zukommen lassen muss. Das bedeutet nichts anderes, als dass eine Pflegeperson aufgrund ihrer Ausbildung in der Not- und/oder Mangelsituation priorisieren muss. Also erst sich um die Patienten kümmern, für die Lebensgefahr besteht. Dann die Dinge erledigen, die bei Unterlassen zu Patientenschäden führen würden. Und dann erst der Rest.

Mythos 3 – Überlastungsanzeigen sind notwendig, um Vorgesetzte über die Personalsituation zu informieren. Diese Begründung wird häufig von Pflegenden genannt, ist aber schlicht unsinnig. Es gehört zu den Aufgaben leitender Pflegepersonen, sich ständig, also immer, über die Personalsituation und Arbeitsauslastung zu informieren. Dafür hat sie einen Arbeitsvertrag, dafür wird sie bezahlt. Selbst eine Pflegedirektorin, die über zweitausend Mitarbeiter verfügt, muss diesen Überblick haben. Wie sie das macht, bleibt ihr überlassen.

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