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  • 11.04.2017
  • Praxis

Infektionsschutz

Händehygiene first!

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 4/2017

Seite 28

Nach 16 Jahren hat die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention – kurz KRINKO – ihre Empfehlungen zum Thema Händehygiene aktualisiert. In diesen werden klare Aussagen zum sachgerechten Vorgehen bei der Händedesinfektion formuliert.

Die Hände aller Mitarbeiter im Gesundheitswesen stellen ein Infektionsrisiko dar. Sie können potenzielle Krankheitserreger beispielsweise von einem Gegenstand zum nächsten oder auch auf eine andere Person übertragen. Trügerisch ist, dass diese Weitergabe nicht sichtbar erfolgt. Würde mit jeder Erregerweitergabe beispielsweise ein Farbpunkt aufleuchten, wäre es vielleicht gar nicht mehr erforderlich, immer wieder über das Thema Händehygiene zu berichten.

Das Infektionsrisiko durch die Krankheitserreger ist nicht nur in Krankenhäusern ein Thema. Die Empfehlung der KRINKO spricht explizit auch Pflegeeinrichtungen, Tageskliniken, Geburtshäuser, Rehabilitationseinrichtungen und andere Einrichtungen an, die eine Gesundheitsdienstleistung anbieten.

Unabhängig vom Setting: Wird die Händedesinfektion nicht eingehalten, besteht die Gefahr, dass Erreger nosokomialer Infektionen über die Hände der Mitarbeiter übertragen werden, so die KRINKO, vor allem bei Katheter-assoziierten Septikämien und Pneumonien (Bundesgesundheitsblatt 2016). Im Umkehrschluss trägt die hygienische Händedesinfektion maßgeblich dazu bei, Infektionsketten zu unterbrechen und so die Zahl nosokomialer Infektionen zu senken. Sie erfüllt damit auch einen präventiven Zweck, da sie Personen vor der potenziellen Gefahr einer Infektion schützen kann.

Doch welche Vorgaben machen die aktualisierten Empfehlungen der KRINKO?

Welches Desinfektionsmittel? Wie viele Spender?

Die KRINKO empfiehlt die Verwendung von alkoholbasierten Desinfektionsmitteln. Diese sind gut hautverträglich und reduzieren bei korrekter Anwendung die transiente, also vorübergehende Hautflora. Wer seine Hände gern mit einem „Gel“ desinfiziert, sollte darauf achten, dass es einen Ethanol-Gehalt von über 85 Prozent aufweist. Erst dann wird eine vergleichbare Wirksamkeit wie mit anderen Desinfektionsmittellösungen erreicht. Ein Zusatz von Stoffen wie Octenidinhydrochlorid oder Triclosan ist laut KRINKO nicht zu empfehlen. Diese Stoffe erhöhen nicht die Wirksamkeit eines Desinfektionsmittels, sondern tragen eher dazu bei, das Risiko einer Hautunverträglichkeit zu steigern.

Händedesinfektionsmittel sind auf einer jährlich aktualisierten Desinfektionsmittelliste des VAH (Verbund für angewandte Hygiene) gelistet: www.vah-online.de. Das Wirkspektrum sollte mindestens bakterielle Krankheitserreger und Hefen umfassen. Zudem gibt es Mittel, die viruzid wirken, also beispielsweise gegen einen Norovirus eingesetzt werden können. Der Hersteller ist verpflichtet, die wichtigsten Angaben dazu auf der Flasche zu vermerken.

Hinsichtlich der Desinfektionsmittelspender empfiehlt die KRINKO, diese möglichst „patientennah“ anzubringen. „Patientennah“ heißt in der Empfehlung, dass im Intensivbereich für einen Patienten ein Desinfektionsmittelspender bereitgestellt werden sollte. Bei „Nicht-Intensivpatienten“ sollte ein Spender für zwei Patientenbetten zur Verfügung stehen. Zusätzlich sollte es auch im patientennahen Sanitärbereich möglich sein, sich die Hände zu desinfizieren und zu waschen.

In Einrichtungen, die beispielsweise geriatrische Patienten versorgen, können alternativ Kittelflaschen verwendet werden. Wer diese Variante wählt, sollte sich bewusst machen, dass er mit kontaminierten Händen einen Gegenstand berührt und diesen in seiner eigenen Kitteltasche transportiert. Deshalb sollte die Händedesinfektion erst durchgeführt werden, wenn die Kittelflasche verschlossen wieder in die Kitteltasche gesteckt wurde. So soll laut KRINKO eine Rekontamination verhindert werden.

Darüber hinaus ist der gesamte patientenferne Arbeitsbereich umfassend mit Desinfektionsmittelspendern auszustatten. Die KRINKO empfiehlt Spender beispielsweise an Visiten-, Verbandmittel- und anderen mobilen Versorgungswagen genauso wie in den verschiedenen Arbeits- und Pausenräumen sowie an zentralen Punkten wie den Patientenschleusen oder im Eingangsbereich einer Einrichtung.

Wer bisher ein Desinfektionsmittel umgefüllt hat, beispielsweise seine Kittelflasche wieder befüllt, der sollte dies laut Aussage der KRINKO unterlassen. Denn Bakteriensporen können in Alkohol basierten Desinfektionsmitteln überleben und sich somit in einem vermeintlich frischen Desinfektionsmittel wiederfinden. Besser ist es, leere Desinfektionsmittelflaschen zu entsorgen.

Händehygiene gilt für alle

Die Maßnahmen der Händehygiene sollten für alle gelten, so die Aussage der Empfehlung. Das bedeutet: Nicht nur Mitarbeiter, sondern auch eine pflegebedürftige Person selbst und deren Besucher sind dafür zu sensibilisieren. Im konkreten Fall kann das bedeuten, dass die pflegebedürftige Person die Möglichkeit erhält, sich regelmäßig die Hände zu desinfizieren, beispielsweise nach einem Toilettengang.

Gelebte Händehygiene sollte, so die Empfehlung der KRINKO, mithilfe von Flyern und Plakaten aber auch mit einer konkreten Aufforderung zur Händehygiene erfolgen. Diese Maßnahmen sind schon in vielen Einrichtungen umgesetzt. Doch wie selbstverständlich ist es, dieses Angebot auch zu nutzen? Noch immer ist es nicht einfach, alle Personen davon zu überzeugen, dass die Händehygiene präventiv wirkt und so nebenbei auch die eigene Gesundheit schützt. Deshalb empfiehlt die KRINKO, Mitarbeiter regelmäßig zu schulen, um die Compliance zu steigern.

Die „Five Moments“ der Händedesinfektion

Nach wie vor gelten die von der WHO propagierten „Five Moments“ der Händehygiene (Abb. 1). Sie bieten eine Verhaltensgrundlage, die sich einfach merken und umsetzen lässt. Dabei ist es egal, ob es sich um die Versorgung stationärer oder ambulanter Patienten handelt. Grundsätzlich gilt: Vor und nach einem unmittelbaren Patientenkontakt erfolgt eine Händedesinfektion. Zudem sollte direkt vor einer aseptischen Tätigkeit, unmittelbar nach einem Kontakt mit infektiösem Material und nach einem Kontakt mit der direkten Patientenumgebung eine Händedesinfektion erfolgen.

 

 

Zudem sollte laut KRINKO nach dem Ablegen von medizinischen Einmalhandschuhen (steril/unsteril) eine Händedesinfektion erfolgen. Es ist nicht auszuschließen, dass es während der Tätigkeit oder auch beim Ablegen zu einer unbemerkten Perforation der Handschuhe kommt.

Die Empfehlung erläutert auch, was genau unter einer „unmittelbaren Patientenumgebung“ zu verstehen ist. Beispielsweise gehört ein Beatmungs- oder Dialysegerät oder das Monitoring zur unmittelbaren Patientenumgebung, genauso wie das Bettgestell, der Nachttisch oder am Patienten befindliche Infusionssysteme. Vor und nach einem Kontakt mit diesen Gegenständen sollte eine Händedesinfektion erfolgen. Zudem definiert die KRINKO kritische Bereiche in der unmittelbaren Patientenumgebung. Dazu gehören natürliche Körperöffnungen, wie Mund, Nase und Augen sowie nicht intakte Haut, beispielsweise bei einer (OP-)Wunde oder bei invasiven Maßnahmen.

Auch pflegebedürftige Personen sollten eine Händedesinfektion durchführen. Für sie empfiehlt die KRINKO: Bei Betreten und Verlassen des Zimmers, vor dem Essen, nach einem Toilettengang und vor beziehungsweise nach dem Kontakt mit der eigenen Wunde ist eine Händedesinfektion durchzuführen. Daraus ergibt sich für die betreuende Pflegeperson eine neue Aufgabe. Sie ist es, die für die Wichtigkeit der Händehygiene sensibilisieren muss, damit diese Maßnahme tatsächlich umgesetzt wird. Sie ist es auch, die das Desinfektionsmittel bereitstellt und erklärt, wie es zu benutzen ist.

Kein Schmuck, kein Nagellack

Die KRINKO gibt in ihrer Empfehlung keinen Hinweis auf eine konkrete Abfolge von typischen Bewegungen, die bei einer Händedesinfektion auszuführen sind. Stattdessen definiert sie die zu desinfizierende Zone. Dazu gehören beide Handflächen und Handrücken sowie die Finger und gegebenenfalls auch die Unterarme. Vor allem Nagelfalze, Fingerspitzen und Daumen sind ausreichend zu desinfizieren.

Dazu sollten zirka 3 bis 5 Milliliter Desinfektionsmittel, also eine Menge, die gut in eine „Hohlhand“ passt, aus dem Spender entnommen werden. Damit sind beide Hände einzureiben, wobei die Benetzung mindestens 30 Sekunden vorhalten soll (Herstellerangaben beachten!). Wer die Händedesinfektion erlernt, sollte eine standardisierte Abfolge einüben, die sich gut einprägt und alle Handbereiche einbezieht, so die Empfehlung der KRINKO. Ziel ist es, dass diese typischen Einreibe-Bewegungen wie selbstverständlich angewendet werden.

An einer Stelle wird die Empfehlung sehr deutlich: Das Tragen von Schmuck an Händen und Unterarmen behindert eine sachgerechte Händehygiene. Zudem kann sich der Schmuck zu einem Erregerreservoir entwickeln, welches die Keimübertragungsrate deutlich steigert.

Auch hinsichtlich Nagellack und künstlicher Fingernägel finden sich klare Aussagen: „Nagellack ist abzulehnen“, weil der Lack die Kolonisation der Fingernägel begünstigt. Auch künstliche Nägel haben diesen Effekt. Zudem können diese meist langen Nägel medizinische Einmalhandschuhe perforieren und den Eigenschutz deutlich herabsetzen. Zur Erläuterung verweist die Empfehlung auf Ausbrüche von postoperativen Wundinfektionen, die bei einer Studie in direktem Zusammenhang mit künstlichen Nägeln auftraten.

Kurzgeschnittene und unlackierte Fingernägel sind vielleicht nicht ganz so schön, doch sie ermöglichen eine korrekte Händehygiene und reduzieren zudem die Gefahr von ungewollten Perforationen der Einmalhandschuhe. Der Verzicht auf Schmuck umfasst übrigens auch den Ehering und die Armbanduhr. Beides kann zudem Verletzungen begünstigen. Ein Grund mehr, während der Arbeitszeit auf das Tragen zu verzichten.

Was trotz der Empfehlungen offen bleibt

Leider gibt es nach wie vor keine Aussage zur Technik der Entnahme des Desinfektionsmittels aus dem Spender. Es erfolgt nur der Hinweis, dass es wohl am besten wäre, wenn man den Spender gar nicht berühren müsste, um eine Portion Desinfektionsmittel zu entnehmen.

Für die Praxis heißt es aber auch: Egal ob die Entnahme mit dem Unterarm oder mit dem Ellenbogen erfolgt, wichtig ist es, nicht mit den kontaminierten Händen den Spenderhebel zu betätigen. Ansonsten könnte eine Keimübertragung an die nächste Person erfolgen, die den Spender benutzt.

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