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  • 09.05.2014
  • Management

Porträt über Schwester M. Basina Kloos

Die Architektin

Ordensfrau, tatkräftige Gestalterin, Menschenrechtlerin - Schwester M. Basina Kloos, ehemalige Ordensoberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, hat viele Gesichter. Sie ist mittlerweile 74 Jahre alt, doch ihr Engagement ist ungebrochen.

 

Sie gestaltet gern und engagiert sich in vielen Projekten. Aktuell mischt Schwester Basina Kloos als Vorsitzende der Gründungskonferenz bei der Einrichtung einer Pflegekammer in Rheinland-Pfalz mit. Darüber hinaus ist sie die Vorsitzende des Vorstands der Marienhaus Stiftung, dem Dach eines der großen christlichen Träger von Sozial- und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland und Geschäftsführerin der Marienhaus Holding. Zur Marienhaus Unternehmensgruppe gehören Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime sowie mehrere Hospize und Bildungseinrichtungen. Rund 13.800 Angestellte arbeiten in der Trägerschaft. Allein ihre Geschäftsführerposition reicht aus, um für einen prall gefüllten Terminkalender zu sorgen. Zwar stehen den einzelnen Einrichtungen Manager vor, doch die richtungsweisenden Entscheidungen trifft Schwester Basina. Sie hält die Zügel fest in der Hand, hat dabei aber stets ein offenes Ohr für ihre Mitarbeiter.

Mit Weitblick geht die in der Steiermark geborene und in Idar-Oberstein aufgewachsene Ordensfrau die Dinge an, denkt sie neu und quer und schafft es so, tatsächliche Veränderungen hervorzubringen. So war sie 2007 Mitinitiatorin der Pflegewissenschaftlichen Fakultät an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar (PTHV). Bis heute ist es die bundesweit erste und einzige eigenständige Fakultät für Pflegewissenschaft im Universitätsrang. „Pflege muss in der Lage sein, wissenschaftlich zu denken und zu forschen, damit zum Beispiel ältere Menschen und demenziell Erkrankte länger ihre Autonomie behalten können", erläutert Schwester Basina ihre Beweggründe.

Im vergangenen Jahr hat sie gemeinsam mit dem Medizintechnik-Unternehmen B. Braun Melsungen AG eine Hochschulstiftung gegründet. Diese will sich für den ärztlichen Nachwuchs engagieren. Die Ausbildung soll stärker an der Praxis orientiert sein, die Studierenden auf die Versorgungsrealität besonders im ländlichen Raum vorbereitet werden. „Den angehenden Medizinern sollen auch Haltung und Werte vermittelt werden", betont Schwester Basina. Noch stehe man aber am Anfang eines langen Prozesses.
 

Authentisch und glaubwürdig
Um ihr Arbeitspensum bewältigen und ihr Engagement nach wie vor ausleben zu können, schöpft sie aus ihrem Glauben und ihrer Spiritualität die nötige Kraft und auch Inspiration. „Auch in der Reflektion und Meditation finde ich zu mir. Dafür nehme ich mir jeden Morgen eine halbe Stunde Zeit", verrät die Ordensfrau.

Das wichtigste in ihrem Wirken ist ihr stets, „dass ich authentisch und glaubwürdig bleibe und dass stets die Menschen im Mittelpunkt stehen". Seien es die Menschen, denen sie ihre Dienste anbietet oder ihre Mitarbeiter.

An Ruhestand denkt die 74-Jährige nicht. „So etwas gibt es auch nicht als Ordensfrau", betont sie. Dennoch will sie im kommenden Jahr etwas kürzer treten, ihren Zwölf-Stunden-Arbeitstag etwas reduzieren. Obwohl sie schlecht ‚nein‘ sagen kann und sehr missionarisch in ihrem Handeln ist, gibt Schwester Basina zu. „Oft denke ich: wenn ich Anfragen ablehne, wird möglicherweise das Thema unter den Tisch fallen. Aber ich versuche gerade, den Einsatz zu reduzieren." Wenn sie die Verantwortung abgibt, will sie sich für ärmere Menschen und für Kinder und Jugendliche, die Gewalt ausgesetzt sind, einsetzen. „Darüber hinaus möchte ich gerne ein Buch schreiben – über meine Erfahrungen in der Führungsaufgabe sowie das Zusammenwirken von Frauen und Männern", verrät Schwester Basina.

Als Doris Kloos 1940 geboren, trat sie 1957 in den Orden der Waldbreitbacher Franziskanerinnen ein und erhielt dort ihren Ordensnamen Basina. Sie war Krankenpflegerin, Lehrerin und Klinikleiterin bevor sie in die Ordensleitung aufstieg. Von 1976 bis 1988 war sie Generalvikarin, von 1988 bis 1994 und von 2000 bis 2012 war sie Generaloberin ihres Ordens. Für ihr Wirken und Engagement erhielt sie bereits das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, den Saarländischen Verdienstorden, den Peter-Wust-Preis und den Johanna-Loewenherz-Ehrenpreis.

Dass sie ihr Leben im Namen Gottes führen möchte, wurde ihr im Alter von siebzehneinhalb Jahren klar. In einer Neujahrsnacht fand sie während eines Gebets, den Weg in ihre Berufung. „Durch irgendeine innere Anrührung wusste ich auf einmal: Du musst einen Weg gehen, der ein besonderer Weg mit Gott ist, der dich freier macht für den Weg mit ihm und für die Menschen", schildert Schwester Basina ihr Schlüsselerlebnis. Ihre Mutter war allerdings von Anfang an dagegen, dass ihre Tochter in einen Orden eintreten wollte. Letztlich musste sie es akzeptieren.

Taktisch und besonnen
Zuvor hatte Schwester Basina durchaus „kuriose Berufswünsche", wie sie selbst zugibt. Sie wollte Kriminalistin werden, hatte dafür sogar schon ihre Aufnahmeprüfung gemacht. Dann wollte sie Lehrerin werden. Schließlich ist sie in den Orden eingetreten. Dort musste sie sich in den vergangenen Jahren verstärkt mit dem Spannungsfeld von Ökonomie und christlichen Werten auseinandersetzen. „Eine besondere Herausforderung für uns als kirchliche Träger ist es, die Versorgung der Menschen auch in der Fläche sicherzustellen und dies wertorientiert und mit knappen finanziellen Ressourcen zu meistern", verdeutlicht Schwester Basina. „Wir sind zwar kein Rendite geführtes Unternehmen, aber auch wir müssen Gewinne erwirtschaften, damit wir investieren können. Wichtig ist, dass sich Werteorientierung, Ökonomie und Spiritualität gegenseitig befruchten. Die Ökonomie darf nicht die Oberhand gewinnen", betont sie. Damit das gelingt seien ein hoher Kommunikationsbedarf mit den wirtschaftlich Verantwortlichen und die Sensibilisierung für bestimmte christliche Werte erforderlich. „Wir legen beispielsweise Wert darauf, dass alle unsere Führungspersonen vor allem auch in unserem Werteverständnis geschult werden." Dafür gebe es an der PTHV eigene Seminare und auch Studiengänge.

Eine andere Herausforderung für sie war und ist es, in den von Männern dominierten Kirchenstrukturen eigene Vorstellungen realisieren und Einfluss nehmen zu könne. Dafür bedürfe es als Frau, besonnen, klug und abgewogen vorzugehen, verrät sie. Das scheint ihr nach wie vor gut zu gelingen.

 

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