• 06.08.2026
  • Szene
Kolumne

Rassismus wird oft totgeschwiegen

Joshua Mmegwa (26) arbeitet als Pflegefachmann und beschäftigt sich öffentlich mit Rassismus und Diskriminierung im Gesundheitssystem. Auf Social Media ist er unter dem Namen „Derschwarzepfleger“ aktiv.

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 8/2026

Seite 88

Pflegefachmann Joshua Mmegwa berichtet von Rassismus im Krankenhaus. Seine Kolumne zeigt, warum Betroffene Unterstützung brauchen und warum Schweigen Diskriminierung verstärkt.

 

Meine erste direkte Erfahrung mit Rassismus im Krankenhaus habe ich als Auszubildender gemacht. Ich ging morgens in ein Patientenzimmer, stellte mich vor und bot meine Unterstützung bei der Pflege an. Der Patient sagte daraufhin, dass er nicht von einem dunkelhäutigen Pfleger versorgt werden wolle. Ich war perplex. In diesem Moment wusste ich überhaupt nicht, wie ich reagieren sollte. Also suchte ich das Gespräch mit der examinierten Pflegekraft, die für mich zuständig war. Die Antwort traf mich fast genauso wie die Aussage des Patienten. Die Pflegekraft sagte mir, ich hätte mich vielleicht verhört oder der Patient habe das bestimmt nicht so gemeint. Danach wurde kein Wort mehr darüber verloren.

Genau das hat sich bei mir eingebrannt. Nicht nur die Aussage des Patienten, sondern auch die Reaktion danach. Ich hatte das Gefühl, dass mir niemand glaubt und dass alle möglichst schnell zur Tagesordnung übergehen wollten. In den Jahren danach habe ich immer wieder rassistische Äußerungen erlebt. Manche kamen von Patienten, manche von Angehörigen und manche sogar von Kollegen. Dabei habe ich festgestellt, dass ein großes Problem nicht nur der Rassismus selbst ist. Das größere Problem ist oft das Schweigen darüber. Viele Vorfälle werden herunter­gespielt. Kolleginnen und Kollegen erklären dann, jemand habe das nicht so gemeint. Betroffene hören, sie sollten solche Aus­sagen nicht so ernst nehmen. Genau dadurch fühlen sich viele alleingelassen.

Wer rassistische Erfahrungen macht, braucht Rückhalt. Betroffene brauchen Kolleginnen und Kollegen, die widersprechen. Führungskräfte müssen handeln. Einrichtungen müssen zeigen, dass solche Vorfälle Konsequenzen haben. Rassismus verschwindet nicht, wenn wir ihn ignorieren. Er verschwindet erst dann, wenn wir anfangen hinzuschauen und darüber zu sprechen.

 

Joshua Mmegwa (26) arbeitet als Pflegefachmann und beschäftigt sich öffentlich mit Rassismus und Diskriminierung im Gesundheitssystem. Auf Social Media ist er unter dem Namen "Derschwarzepfleger" aktiv. Hier kommentiert er im Wechsel mit Vanessa Schulte und Julia Förster.

 

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