Eine Ausbildungsstation erfolgreich einzuführen, ist eine anspruchsvolle, aber lohnende Herausforderung. Dazu braucht es eine gezielte Planung, eine gemeinsame Vision und viel Flexibilität.
Eine Ausbildungsstation zu organisieren und gestalten, ist eine komplexe Aufgabe. Sie erfordert umfangreiche Vorbereitungen und eine nachhaltige Veränderung der bisherigen Strukturen und Prozesse. Diese Veränderung bietet nicht nur die Chance, Auszubildende intensiv zu fördern, sondern auch die Qualität der klinischen Ausbildung zu steigern. Dieser Beitrag beleuchtet die zentralen Herausforderungen bei der Einführung einer Ausbildungsstation – basierend auf praktischen Umsetzung des Netzwerks „4 UK“. Innerhalb dieses informellen Zusammenschlusses tauschen sich Beschäftigte der Pflegedirektionen der Uniklinik RWTH Aachen, der Universitätsmedizin Göttingen, des Universitätsklinikums Frankfurt am Main und des Klinikums der Technischen Universität München in halbjährlichen Treffen aus, um mit- und voneinander zu lernen.
Die Realisierung einer Ausbildungsstation erfordert erhebliche personelle, zeitliche und räumliche Ressourcen. Eine besondere Herausforderung dabei ist es, die unterschiedlichen Interessen und Schwerpunkte der an der interprofessionellen Ausbildung beteiligten Berufsgruppen in einer einheitlichen Vision zu vereinen. Folgende Handlungsempfehlungen können bei der Implementierung einer Ausbildungsstation hilfreich sein:
- Ressourcenplanung. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Vorstand der Klinik ist unerlässlich, um die Ausbildung als Qualitätsmerkmal zu etablieren und entsprechende Ressourcen bereitzustellen. Personelle und zeitliche Kapazitäten sollten dabei priorisiert werden.
- Vision und Zielsetzung. Die Beteiligung aller relevanten Stakeholder (Pflege, Therapieberufe, Ärzteschaft, Ausbildungsverantwortliche) ist notwendig, um eine gemeinsame Zielsetzung und Vision für die Ausbildungsstation zu entwickeln. Diese Vision sollte als Leitlinie für alle weiteren Entscheidungen dienen.
- Wissensaufbau. Umfassende Literaturrecherchen, das Einholen rechtlicher Informationen und Hospitationen in anderen Ausbildungsstationen sind essenziell, um auf evidenzbasiertes Wissen und Erfahrungen aufzubauen.
- Regelmäßige Planungstreffen. Regelmäßige Jour-fixe-Termine fördern die kontinuierliche Kommunikation und ermöglichen eine flexible Anpassung an dynamische Anforderungen. Daneben ist es für alle Ausbildungsverantwortlichen hilfreich, auch flexibel auf neue Anforderungen reagieren zu können.
Den Kulturwandel begleiten
Die Umstrukturierung in eine Ausbildungsstation bedeutet für das Team, ihre Arbeitsweise deutlich zu verändern und an die Lernbedarfe der Auszubildenden und Studierenden anzupassen – und das unter dem Fokus der Behandlung und Betreuung der Patienten. Vor allem die Delegation von Aufgaben an die Lernenden und die Übernahme von Lernbegleitungsrollen stellen für die (Pflege-)Fachpersonen oft ein Spannungsfeld zwischen Abgabe von Kontrolle und Verantwortung dar. Das Netzwerk 4 UK empfiehlt diese Handlungsschritte:
- Motivation fördern. Die Umstellung sollte als Chance für die Teamentwicklung genutzt werden. Teams, die eine intrinsische Motivation zur Einführung einer Ausbildungsstation zeigen, sollten bevorzugt eingebunden werden.
- Identifikation stärken und eng kommunizieren. Jedes Teammitglied sollte als Lernbegleitung fungieren und sich so aktiv in die neue Rolle einbringen. Praxisanleitende und Lernbegleitende mit besonders hoher Motivation können gezielt für Ausbildungsaufgaben eingesetzt werden. Dabei steht die Sicherheit der zu betreuenden Personen im Vordergrund, daher müssen Anleitende und Lernende während der Dienstzeit im engen Austausch zum Behandlungs- und Betreuungsprozess stehen.
- Pädagogische Kompetenz fördern. Gezielte Coachings, zum Beispiel durch Lehrpersonal der Ausbildungsakademie, unterstützen die Mitarbeitenden in der Entwicklung pädagogischer Kompetenzen. So kann eine hohe Qualität in der Lernbegleitung sichergestellt werden.
- Lehr-/Lernmaterial. Praktische Anleitungen und Lernmaterialien sollten kontinuierlich im Prozess entstehen und weiterentwickelt werden. Hierfür müssen Zeitfenster für Recherche und Materialentwicklung eingeplant werden.
Große Entwicklungsmöglichkeiten für die Teams
Eine Ausbildungsstation stellt hohe Anforderungen und gleichzeitig ein großes Entwicklungspotenzial an die Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz des Teams. Zudem verlangt der Umgang mit einer Vielzahl an Lernenden und deren pädagogische Betreuung besondere Managementfähigkeiten, insbesondere im Hinblick auf die Dienstplanung und fachliche Begleitung. Nicht alle Teammitglieder verfügen über die erforderlichen Kompetenzen. Daher können folgende Empfehlungen gegeben werden:
- Attraktives Fortbildungsangebot und Marketing. Durch gezielte Fortbildungsangebote, zum Beispiel zu Lehr- und Lernmethoden, können auch Mitarbeitende ohne Praxisanleitungsweiterbildung in der Begleitung der Lernenden Sicherheit gewinnen und die Praxisanleitenden/Ausbildungsverantwortlichen in ihren Tätigkeiten unterstützen. Durch ein starkes Marketing für die Ausbildungsstation können qualifizierte und speziell an diesem Format interessierte Fachpersonen gewonnen und die Motivation zur Teilnahme gesteigert werden.
- Dienstplanung und Ausfallmanagement. Die Dienstpläne sollten so gestaltet werden, dass die Praxisanleitungszeit (10 bis 15 Prozent) fest verankert ist. Ansprechpersonen aus den einzelnen Professionen sollten frühzeitig festgelegt werden, um Planungssicherheit für die Lernenden zu bieten. Ebenso sollte ein flexibles Ausfallmanagement etabliert werden, um personelle Engpässe abzufedern.
- Kritik- und Fehlerkultur etablieren. Es ist entscheidend, Raum zu geben für eine offene Kritik- und Fehlerkultur innerhalb des Teams, um Unsicherheiten in der Lernbegleitung abzubauen. Werden Verantwortlichkeiten und Eingriffsbedingungen für Praxisanleitende klar festgelegt, fördert dies eine konstruktive Fehleranalyse.
- Evaluationsmaßnahmen. Eine Ausbildungsstation sollte regelmäßig durch Befragungen der beteiligten Fachpersonen und Lernenden evaluiert werden. Das gewährleistet eine Qualitätssicherung und erlaubt es, den Ausbildungsansatz gezielt weiterzuentwickeln. Vor allem die Rückmeldungen der Lernenden zum Ende des Einsatzes liefern viele Informationen.
Sich austauschen und hospitieren
Um eine Ausbildungsstation erfolgreich umzusetzen, braucht es eine gezielte Planung und eine konsequente Umstrukturierung der bestehenden Arbeitsprozesse auf Stationsebene. Dazu gehört, eine gemeinsame Vision aufzubauen, die pädagogischen Kompetenzen des Teams zu fördern und alle Berufsgruppen zu integrieren. Wenn das gelingt, kann die Ausbildungsstation zu einem integrativen Bestandteil der Klinikorganisation werden und die Qualität der Ausbildung nachhaltig stärken.
„Learning by doing“ oder „Do it and fix it on the way“ bei gleichzeitiger Evidenzbasierung können als Leitsprüche hilfreich sein, um die Implementierung von Ausbildungsstationen voranzutreiben. Jedes Krankenhaus und jedes Team haben eigene Strukturen und Prozesse, die eine unterschiedliche Herangehensweise in der Umsetzung und der Aufrechterhaltung erforderlich machen. So ist vor allem ein flexibles Agieren erforderlich, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Die Veränderung der alltäglichen Stationsabläufe mit dem Hintergrund, ab jetzt eine Ausbildungsstation zu sein, erfordert Kraft, aber auch ein Umdenken und eine Haltungsveränderung aller Beteiligten im Sinne des Change-Managements.
Wie eine Ausbildungsstation im Setting Universitätsklinikum umgesetzt wird, ist unterschiedlich. Rein intraprofessionelle Ausbildungsstationen stehen interprofessionellen gegenüber. Einige laufen ganzjährig, andere mehrfach im Jahr über einen bestimmten Zeitraum. Allen gemein ist sicher die Herausforderung der gelungenen Umsetzung. Hilfreich sind besonders der Austausch mit und die Hospitationen in anderen Einrichtungen. Somit stellt die Zusammenarbeit der 4 UK ein Erfolgsprogramm für die Bündelung praktischer Erfahrungen, Ressourcen und Ideen zugunsten der Weiterentwicklung der Profession Pflege dar.