• 01.05.2002
  • Praxis
B. Braun-Preis, 1. Platz: Krankenpflegeschule des St.-Josefs-Krankenhauses Salzkotten

Hygienemaßnahmen - permanente Herausforderung im Praxisalltag

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 5/2002

In der intensiven Bearbeitung des Themas Hygiene-Maßnahmen - eine permanente Herausforderung im Praxisalltag des Krankenhauses" sahen wir eine Chance, zu einer tieferen Einsicht in die Notwendigkeit der Einhaltung und korrekten Durchführung gerade alltäglicher Hygienemaßnahmen zu kommen und Möglichkeiten zu erkennen, Patienten bewusst in den Infektionsschutz mit einzubeziehen.

Wir sahen auch noch andere Gründe für eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik:

1. Sicherung der Pflegequalität, denn nosokomiale Infektionen stellen eine Beeinträchtigung des Wohlbefindens des betroffenen Patienten dar, verzögern den Genesungsprozess.

2. Eigenschutz des Pflegepersonals.

3. Notwendigkeit der Kosteneinsparung im Krankenhaus.

4. Die Bedeutung der Eigenverantwortung, die das seit dem 1. Januar 2001 geltende Infektionsschutzgesetz (IfSG) beispielsweise in § 3 bei der Prävention übertragbarer Krankheiten durch Information und Aufklärung betont.

 

Befolgen von Hygiene-Richtlinien an einem Fallbeispiel

Wahl des Fallbeispiels

Wir kamen überein, ein Fallbeispiel aus unserer alltäglichen Pflegepraxis auszuwählen. Erkrankungen, die erweiterte Hygienemaßnahmen erfordern, sind in unserem Krankenhaus der Grundversorgung seltener und machen die Notwendigkeit der korrekten Einhaltung der Hygienevorschriften von vornherein bewusster.

Beispielsweise wird bei einem infektiös erkrankten und isolierten Patienten die Einhaltung der Hygiene aufgrund der erkennbaren Gefährdung weniger in Frage gestellt und daher gewährleistet. Doch gerade bei den im Alltag regelmäßig wiederkehrenden Hygienemaßnahmen kann sich leicht eine gedankenlose Routine einstellen, die zur Vernachlässigung einer korrekten Durchführung führt.

Zudem haben wir durch Eigenbeobachtung in der Praxis festgestellt, dass es insbesondere bei diesen Routinetätigkeiten immer wieder erforderlich ist, den Hang zur Bequemlichkeit durch ein hohes Maß an Selbstdisziplin zu überwinden.

 

Merkblatt für Patienten

Allgemeine postoperative Hygienemaßnahmen bei einer Hüft-Totalendoprothese

 

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient!

Sie haben sich für eine Operation in unserem Haus entschlossen. Wir möchten, dass Sie sich bei uns wohlfühlen.

Hygiene im Krankenhaus ist von besonderer Bedeutung.

Zu einem guten Heilungsverlauf können auch Sie beitragen, indem Sie sich mit den folgenden Hygienemaßnahmen vertraut machen:

- Sicher ziehen Sie es vor, eigene Handtücher und Waschlappen zu benutzen.

- Aus hygienischen Gründen ist es angebracht, Handtücher und Waschlappen separat für den oberen und unteren Körperbereich zu verwenden.

- Sorgen Sie bitte dafür, dass ein ausreichender Vorrat persönlicher Wäsche vorhanden ist.

- Nach erfolgter Operation wird die Operationswunde mit einem Verband abgedeckt.

Zudem bekommen Sie im Operationssaal vor dem Eingriff einen Zugang für Infusionen (Intranüle) angebracht, der ebenfalls steril verbunden wird.

Ein Verband dient dem Schutz der Wunde vor mechanischen Reizen und als Barriere gegen Keime.

Er wird regelmäßig gewechselt. Dies dient zum einen der Vorbeugung einer Wundinfektion und zum anderen der Wundbeobachtung.

- Sie können selbst mitwirken, indem Sie etwaige Veränderungen am Wundverband oder Schmerzen im Wundbereich dem Pflegepersonal mitteilen.

Darüber hinaus ist grundsätzlich jede Manipulation an den Verbänden zu vermeiden.

- Ebenfalls zur Vorbeugung einer Infektion und zur Förderung der Wundheilung werden in das Operationsgebiet Drainagen zur Ableitung von Wundsekret und Blut eingebracht. Dieses wird in sogenannten Redonflaschen aufgefangen, die an Ihrem Bett befestigt sind.

- Das Abstellen der Flaschen auf dem Boden oder das Ablegen im Bett ist aus hygienischen Gründen zu vermeiden.

Zusätzlich bitten wir Sie, darauf zu achten, dass der Drainageschlauch nicht abgeknickt wird, um einen ständigen Abfluss des Wundsekrets zu gewährleisten.

- Aufgrund der Bewegungseinschränkung nach der Operation bekommen Patientinnen einen Blasenkatheter zur Ableitung des Urins, welcher in einem dafür am Bett befestigten Beutel aufgefangen wird. Der Blasenkatheter wird in der Regel am zweiten postoperativen Tag entfernt.

- Auch hierbei ist darauf zu achten, dass der Abfluss nicht durch Abklemmen des Schlauches behindert wird, um eine Harninfektion zu vermeiden.

 

Es entspricht unserem Pflegeverständnis, nicht nur zu Ihrem körperlichen, sondern auch zu Ihrem psychischen Wohlbefinden beizutragen.

Wir ermutigen Sie, Wünsche, Bedürfnisse, Ängste oder auch Kritik zu äußern.

Wir haben ein offenes Ohr für Sie!

 

 

Das Fallbeispiel: Pflege einer Patientin mit Hüft-Totalendoprothese (TEP)

Frau M., 68 Jahre, wurde vorgestern stationär in unserem Krankenhaus aufgenommen. Die Einweisungsdiagnose lautet: Coxarthrose links. Sie bekam gestern eine Hüft-Totalendoprothese. Sie hat zwei Redons und eine Retransfusion. Des Weiteren hat Frau M. einen transurethralen Blasenkatheter und eine Intranüle am linken Unterarm. Derzeit läuft ein "Würzburger Schmerztropf" mit 15 ml/h. Um 8.00 Uhr bekommt sie eine Antibiose postoperativ in Form einer Kurzinfusion nach Standard. Die Vitalzeichen sind im Normbereich. Die Patientin ist derzeit schmerzfrei.

Im Rahmen der Grundpflege ist eine Teilwaschung im Bett erforderlich. Frau M. wäscht Oberkörper vorn, Gesicht und Arme selber. Die Mundpflege führt sie ebenfalls selber durch. Die Versorgung der Patientin mit Wäsche und Pflegeutensilien ist durch die Familie gewährleistet.

Die Dekubitus-, Pneumonie- und Thromboseprophylaxe sind entsprechend den Standards durchzuführen. Im Rahmen der Thromboseprophylaxe erhält Frau M. eine Subcutaninjektion.

 

Die Hygienevorschriften

Aufgrund der derzeitigen Situation benötigt Frau M. eine Teilwaschung im Bett. Nach dem Richten der Pflegeutensilien wird sich die Patientin den Oberkörper vorn, das Gesicht und die Arme selbst waschen können. Die Mundpflege führt sie ebenfalls selbständig durch, so dass durch das Pflegepersonal das Waschen des Rückens, der Beine und des Intimbereiches übernommen werden muss. Bei diesen und allen weiteren Maßnahmen der Grundpflege und den Maßnahmen der Behandlungspflege, die am ersten postoperativen Tag anfallen, sind durch das Pflegepersonal zahlreiche Hygienevorschriften zu beachten.

Diese Vorschriften sollen im folgenden näher erläutert werden.

 

Die Hände- und Flächendesinfektion

Aufgrund der Tatsache, dass die Hände- und Flächendesinfektion im Zusammenhang mit den verschiedenen Pflegetätigkeiten bei Frau M. wiederholt angewendet werden müssen, sollen diese beiden Maßnahmen zunächst separat angesprochen werden.

Die hygienische Händedesinfektion ist die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung nosokomialer Infektionen, da die Hände die Hauptkeimüberträger im Krankenhaus sind.

Bei unserer Patientin Frau M. muss eine hygienische Händedesinfektion durchgeführt werden, bevor mit den Pflegetätigkeiten begonnen wird, also vor dem ersten Patientenkontakt, nach dem Waschen des Intimbereichs und nach Beendigung der Körperpflege. Auch vor und nach jeder Maßnahme der Behandlungspflege ist eine Händedesinfektion korrekt durchzuführen.

Diese erfolgt nach der Standard-Einreibemethode des CEN (Comité Européen de Normalisation).

 

Eine Flächendesinfektion ist immer dann durchzuführen, wenn es zu einer möglichen Kontamination des Arbeitsplatzes gekommen ist. In unserem Fall ist diese Maßnahme unter anderem notwendig, nachdem die Körperpflege von Frau M. beendet ist und das Nachtschränkchen für die weiteren Maßnahmen der Behandlungspflege als Arbeitsfläche zur Verfügung stehen muss.

Die Flächendesinfektion erfolgt in Form der Feucht-Wisch-Methode mit einer 0,5%igen Desinfektionslösung unter Beachtung einer einstündigen Einwirkzeit. Es darf nicht trocken nachgewischt werden.

 

Hygienemaßnahmen im Zusammenhang mit der Grundpflege

Während des Frühdienstes wird bei der Durchführung der grundpflegerischen Tätigkeiten von Frau M. eine Pflegeschürze getragen und nach Beendigung in der Schmutzwäsche entsorgt. Sie soll die Arbeitskleidung des Personals vor Verschmutzung, zum Beispiel durch Ausscheidungen, schützen. Im Dienst sind noch weitere Tätigkeiten durchzuführen, wie die Behandlungspflege oder das Austeilen und Anreichen von Mahlzeiten; die Dienstkleidung kann aber nicht immer gewechselt werden.

Eine weitere Hygienevorschrift, die bei der Pflege von Frau M. relevant wird, ist der gezielte Einsatz von Einmalhandschuhen bei der Intimpflege und beim Leeren des Katheterbeutels. Hier dienen sie dem Eigenschutz des Personals vor Kontamination durch Ausscheidungen. Trotz des Gebrauchs von Handschuhen ist eine hygienische Händedesinfektion notwendig, wenn die Pflegeperson mit Ausscheidungen in Kontakt gekommen ist.

Nach dem Waschen des Oberkörpers und der Beine von Frau M. ist vor Beginn der Intimpflege ein Wasserwechsel vorzunehmen, um einer Keimverschleppung von körpereigenen Hautkeimen in den empfindlichen Genitalbereich vorzubeugen. Bei der Intimpflege selbst muss gewährleistet sein, dass es zu keiner Keimverschleppung aus dem Analbereich in den vorderen Genitalbereich kommt. Entscheidend hierbei ist das Einhalten der richtigen Wischrichtung von der Symphyse in Richtung Anus.

Der Blasenkatheter der Patientin ist ebenfalls unter Beachtung der richtigen Wischrichtung - von der Harnröhre wegführend - zu reinigen. Bei Frau M. ist das Waschen des Katheterschlauches mit Wasser und Seife ausreichend. Jeglicher Zug am Katheter ist zu vermeiden.

Auch beim Umgang mit dem Blasenkatheter und dem Auffangsystem sind bestimmte Hygienerichtlinien zu beachten. Der Beutel sollte morgens vor der Grundpflege, abends und bei Bedarf geleert werden, bevor der Urin mit der Rückflusssperre in Kontakt kommt. Der Urin wird in ein geeignetes Gefäß abgelassen, welches anschließend desinfiziert werden kann. Beim Ablassen des Urins soll der Ablaufstutzen nicht in Berührung mit dem Gefäß kommen und wieder korrekt verschlossen werden. Vor dem Zurückstecken in die Halteschlaufe ist ein Abtrocknen mit etwas Zellstoff sinnvoll.

Des Weiteren ist darauf zu achten, dass der Katheterbeutel nie auf dem Boden und auch nicht im Bett der Patientin liegt. Der Katheterschlauch darf nicht vom Urinauffangsystem getrennt werden. Abknickung und Kompression sind zu vermeiden, da Harnstagnation die Keimvermehrung und damit eine Infektion der ableitenden Harnwege begünstigt. Auch darf der Katheterbeutel nie über Blasenniveau angehoben werden.

Die Bettwäsche ist bei Frau M. nach Bedarf zu wechseln. Es soll keinebenutzte Wäsche auf den Boden abgelegt werden. Sie ist in einen dafür vorgesehenen Wäscheabwurf zu geben, der optimalerweise direkt mit im Zimmer steht.

Auch die Kontamination von Pflegematerialien, insbesondere solcher, die für mehrere Patienten zur Verfügung stehen, muss vermieden werden. So ist darauf zu achten, dass diese nicht im Bett abgelegt werden, um Kreuzinfektionen vorzubeugen. Andernfalls ist eine Wischdesinfektion durchzuführen.

Als Beispiel ist hier der Gebrauch von Salbentuben im Rahmen der Pneumonieprophylaxe bei Frau M. zu nennen. Neben der Vorschrift, die Salbentube nicht im Bett abzulegen, sollte beachtet werden, dass bei Entnahme von Salbe die Öffnung der Tube nicht berührt wird. Hier ist entweder ein Strang Salbe auf den Handrücken zu geben oder die Entnahme mit einer Kompresse oder einem Holzspatel möglich.

 

Hygienemaßnahmen im Zusammenhang mit der Behandlungspflege

Bei Frau M. wird im Anschluss an die Grundpflege der Verbandwechsel an der Intranüle durchgeführt. Dieser dient der Kontrolle der Einstichstelle und der Infektionsprophylaxe.

Vor Beginn der Maßnahme wird Frau M. ausreichend informiert und der Arbeitsplatz entsprechend vorbereitet, indem eine Wischdesinfektion der Nachtschränkchenablage durchgeführt und das Verbandmaterial bereitgestellt wird. Steriles Material ist hierbei deutlich getrennt von unsterilem Material zu legen. Zuvor ist auch das Fenster zu schließen, um Staubaufwirbelungen zu vermeiden. Ein Müllabwurf wird am Bettende aufgestellt.

Zunächst muss dann eine hygienische Händedesinfektion erfolgen. Zum Entfernen des Schutzpflasters trägt die Pflegekraft Einmalhandschuhe. Beides wird auf direktem Weg im Müllabwurf entsorgt, um eine Rückführung von kontaminiertem Material zur sauberen Arbeitsfläche zu vermeiden.

Die Einstichstelle wird daraufhin mit einem alkoholischen Hautdesinfektionsmittel desinfiziert (Sprüh-Wisch-Sprüh-Methode). Eine Einwirkzeit von 15 Sekunden ist hierbei zu beachten. Ist die Einstichstelle reizlos und sind keine Inkrustationen festzustellen, so kann in der Zwischenzeit das neue Pflaster steril aus der Verpackung genommen und aufgeklebt werden.

Die Schutzfolie ist so zu entfernen, dass die Wundauflage nicht berührt wird. Die Fixierungspflaster der Intranüle sind nur zu wechseln, wenn sie nicht mehr ausreichend festsitzen oder sichtbar verschmutzt sind. Ein unnötiges Manipulieren an der Intranüle und die Gefahr des Herausrutschens können dadurch vermieden werden.

 

Werden an der Einstichstelle Inkrustationen festgestellt, muss ein steriles Set mit Pinzette, Schere und Kompressen geöffnet werden. Zuvor ist eine erneute hygienische Händedesinfektion durchzuführen. Die sterilen Kompressen sind mit Ringer-Lösung oder NaCl 0,9% zu durchtränken. Mit der sterilen Pinzette können dann die Kompressen gefasst werden, um damit die Inkrustationen zu lösen. Hierbei ist für jeden Wischgang eine neue Kompresse zu verwenden und von der Einstichstelle wegführend zu reinigen. Diese Maßnahme ist notwendig, da verkrustetes Blut einen geeigneten Nährboden für Keime darstellt.

Wenn der Verband der Operationswunde nicht durchgeblutet ist und ansonsten keine Auffälligkeiten zu beobachten sind, wird dieser am ersten postoperativen Tag belassen.

Nach dem Intranülenverband muss das System der Retransfusion entfernt und diese Redondrainage auf Sog gesetzt werden. Vor dieser Maßnahme sind erneut die Hände zu desinfizieren und das entsprechende Material vorzubereiten.

Bevor die Pflegekraft den Wechsel vornimmt, muss sie sich Handschuhe anziehen. Die Redondrainage wird dann mit einer Klemme oberhalb des Verbindungsstückes zum Retransfusionssystem abgeklemmt. Dann ist das Ansatzstück zu sprühdesinfizieren, bevor das Retransfusionsystem entfernt wird. Dieses ist direkt im Müllabwurf zu entsorgen. Der Schlauch der Redonflasche wird dann direkt aufgesteckt und die Klemme entfernt. Nach Information der Patientin - der Sog kann schmerzhaft sein - wird durch Öffnen der Klemme an der neuen Redonflasche Sog auf die Drainage gegeben.

Das Wundsekret wird täglich auf Menge und Aussehen hin kontrolliert und die Beobachtung regelmäßig dokumentiert.

Darüber hinaus ist es von hygienischer Relevanz, dass die Flaschen niemals auf dem Boden abgestellt werden oder unnötig in das Patientenbett gelangen.

Hierbei können die Flaschen kontaminiert werden und durch Eindringen der Keime in die Austrittstellen und in die Operationswunde Infektionen hervorrufen. Zu bedenken ist, dass zum Beispiel beim Anziehen der Unterwäsche die Redonschläuche durch die Wäsche gezogen werden müssen und damit nah in Kontakt mit dem Verband der Operationswunde kommen. Wenn die Flaschen dann durch den Bodenkontakt kontaminiert sind, ist eine Übertragung der Keime schnell möglich.

Die Vorbereitung der Subcutaninjektion zur Thromboseprophylaxe erfordert das Aufziehen des Medikamentes in eine Spritze. Die Arbeitsfläche im Stationszimmer ist gegebenenfalls zu desinfizieren und eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen. Die Gummikappe der Mehrfachentnahme-Ampulle wird sprühdesinfiziert. Während der Einwirkzeit von 15 Sekunden werden eine Spritze und Kanüle steril aus der Verpackung entnommen.

Anschließend wird das Medikament steril, ohne Berührung des Gummistopfens und der Kanüle, aufgezogen. Die Desinfektion des Gummistopfens ist aufgrund der Mehrfachentnahme notwendig, da dieser kontaminiert sein kann. Die Aufziehkanüle wird danach sofort verworfen und durch eine Injektionskanüle ersetzt, wobei die Plastikkappe noch nicht entfernt wird.

Die aufgezogene Spritze, ein alkoholisches Hautdesinfektionsmittel, sterilisierte Tupfer, eine Kanülenabwurfbox und ein Händedesinfektionsmittel werden auf ein Tablett gegeben und so mit in das Patientenzimmer genommen.

Nach Information von Frau M. wird eine geeignete Einstichstelle ausgewählt. Diese ist zu desinfizieren, indem ein Sprühdesinfektionsmittel aufgetragen und die vorgeschriebene Einwirkzeit von 15 Sekunden eingehalten wird. Ist die Einstichstelle nach den 15 Sekunden noch feucht, kann hier mit einem Tupfer getrocknet werden. Die Hautdesinfektion ist notwendig, damit hauteigene Keime der Patientin nicht in den Stichkanal eindringen können. Nach Durchführung der Injektion wird die Kanüle sicher in die Abwurfbox entsorgt.

Die für 8.00 Uhr vorgesehene Kurzinfusion wird erst unmittelbar vor dem Verabreichen zubereitet. Nach Aufbereitung der Arbeitsfläche und Durchführung der Händedesinfektion werden die Materialien zusammengestellt. Das Antibiotikum liegt in Form eines Trockenpulvers vor und muss gelöst werden. Beide Infusionsflaschen sind vor dem Einstechen der Überleitungskanüle zu desinfizieren. Nachdem das Mittel vollständig gelöst ist, wird ein Infusionssystem steril aus der Verpackung genommen und angebracht.

Beim Füllen des Schlauches ist darauf zu achten, dass das Schlauchende nicht auf den Boden gelangt. Vor dem Anlegen der Infusion bei Frau M. findet eine erneute Händedesinfektion statt, da an der Intranüle manipuliert werden muss.

Es ist für uns wichtig, auch die Bereiche der Individualhygiene und Psychohygiene anzusprechen. Eine saubere Arbeitskleidung und ein gepflegtes Äußeres des Pflegepersonals können bei Frau M. das Gefühl der inneren und äußeren Sicherheit herstellen und zur Entwicklung einer vertrauensvollen Beziehung beitragen. Das wiederum fördert die Kooperationsbereitschaft von Frau M.. Auch die Kommunikation mit der Patientin während unserer Pflegetätigkeiten ist unter dem Gesichtspunkt der Psychohygiene zu sehen, weil ihr dadurch ebenfalls das Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens vermittelt werden kann.

 

Einbeziehung des Patienten in die Hygiene-Vorschriften

... bei der Grundpflege

Insbesondere bei den Maßnahmen der Körperpflege ist es gut möglich, Frau M. zu integrieren. Die Patientin oder die Angehörigen werden darum gebeten, für das Vorhandensein ausreichend sauberer Wäsche zu sorgen, insbesondere Nachthemden, Unterwäsche, Handtücher und Waschlappen. Die Patientin wird darüber informiert, dass es hygienisch sinnvoll ist, Handtuch und Waschlappen separat für Ober- und Unterkörper zu verwenden.

Zu Beginn der Teilwaschung werden die notwendigen Pflegeutensilien so bereitgestellt, dass Frau M. Gesicht, Oberkörper und Arme selbst waschen und die Mundpflege durchführen kann. Die Pflegekraft übernimmt das Waschen von Rücken, Gesäß und Beinen.

Frau M. ist in der Lage, die Intimpflege selbständig durchzuführen und wird hierzu entsprechend angeleitet.

Die Integration der Ressourcen vermindert bei Frau M. das Gefühl der Abhängigkeit und stärkt die Motivation, am Genesungsprozess aktiv mitzuwirken. Durch diese Einbeziehung werden darüber hinaus die Aspekte der Psychohygiene berücksichtigt.

 

... bei der Behandlungspflege

Frau M. wird im Rahmen der Intimpflege auch über den erforderlichen Umgang mit dem Blasenkatheter und Auffangbeutel aufgeklärt, um die Gefährdung für eine Harnwegsinfektion zu mindern.

Bezüglich der Redonflaschen muss Frau M. darüber informiert sein, dass diese niemals auf dem Boden stehen und auch nicht im Bett liegen dürfen. Sie wird gebeten, das zu beobachten. Zum anderen kann es für sie von Bedeutung sein, wenn sie trotz liegender Drainagen bereits mobilisiert und zunehmend selbständig wird. Grundsätzlich sollte sie jegliche Manipulation an den Drainagen und Flaschen vermeiden.

Gleiches gilt auch für die liegende Intranüle. Frau M. wird darauf hingewiesen, den Arm soweit wie möglich ruhig zu halten und Zug am Infusionsschlauch zu vermeiden, weil das unnötige Reizungen verursacht und eine Infektion der Einstichstelle fördert. Schmerzen oder Brennen an der Einstichstelle soll sie dem Pflegepersonal mitteilen.

Frau M. wird gebeten, den Verband an der Operationswunde zu beobachten und Veränderungen, beispielsweise das Durchbluten, zu melden.

 

Möglichkeiten und Grenzen bei der Umsetzung

... von Hygiene-Richtlinien

Die Durchführung der korrekten und gezielten Händedesinfektion ist bei Frau M. grundsätzlich möglich. Voraussetzung hierfür ist, dass das Desinfektionsmittel stets in Arbeitsnähe ist, z. B. Desinfektionsmittelspender im Patientenzimmer, Arbeitsräumen und Stationszimmer. Darüber hinaus muss jede Pflegekraft die Durchführung der hygienischen Händedesinfektion beherrschen und von der Notwendigkeit überzeugt sein.

Grenzen liegen unserer Meinung nach kaum im organisatorischen Bereich, sondern sind in der persönlichen Einstellung begründet:

- Die direkte Wirkung der Maßnahme ist nicht sichtbar zu machen.

- Die Häufigkeit der Durchführung wird als lästig empfunden, der Zeitaufwand hoch eingeschätzt.

- Die Folgen einer mangelnden Händedesinfektion werden in der Alltagspraxis nicht in direkten Zusammenhang gebracht.

Grundsätzlich sind der Durchführung der Flächendesinfektion keine Grenzen gesetzt, es sei denn, sie wird durch die Pflegekraft vernachlässigt. Nicht praktikabel ist das Einhalten der Einwirkzeit von einer Stunde, wenn die Arbeitsfläche direkt wieder benötigt wird.

Der gezielte Einsatz von Schutzkleidung und Einmalhandschuhen ist durch die komplette Vorbereitung eines Pflegewagens auch unter hygienischen Gesichtspunkten gewährleistet. Dieser ist stets mit in das Zimmer von Frau M. zu führen, in dem auch ein Wäsche- und Müllabwurf zur Verfügung steht.

Die Umsetzung der hygienischen Prinzipien bei der Durchführung der Grundpflege einschließlich des Umgangs mit dem Blasendauerkatheter ist bei Frau M. ohne Einschränkung möglich. Dieses gilt ebenfalls für den hygienischen Umgang mit den bei ihr benötigten Pflegematerialien und der Wäsche.

UnsererMeinung nach liegen die Grenzen der Umsetzung auch hierbei nur im persönlichen Bereich. Dieses lässt sich auch auf die korrekte Zubereitung und Verabreichung der Injektion und Infusion übertragen.

Bei der entsprechenden Vorbereitung sowohl des Materials als auch des Arbeitsplatzes bei den einzelnen Maßnahmen der Behandlungspflege ist es möglich, die Prinzipien der Antisepsis und Asepsis umzusetzen.

Die hygienisch korrekte Anbringung sowohl der Redonflaschen als auch des Katheterbeutels am Patientenbett ist gewährleistet, da sich an jeder Flasche beziehungsweise an jedem Beutel geeignete Aufhängevorrichtungen befinden. Die Grenzen zeigen sich darin, dass die Pflegekraft aus Gedankenlosigkeit die Flaschen oder den Beutel auf den Boden oder im Bett ablegt. Dieses gilt auch für das Anheben des Katheterbeutels über Blasenniveau.

Die zeitgerechte Verabreichung der vorbereiteten Kurzinfusion ist grundsätzlich durch entsprechende Organisation möglich. Hier könnten eventuell unvorhersehbare Zwischenfälle zu einer Verzögerung führen.

Auch in diesem Zusammenhang haben wir uns über die Berücksichtigung der Psychohygiene Gedanken gemacht. Vor dem Hintergrund des Wissens aus dem Hygiene- und Psychologieunterricht und der Eigenbeobachtung bei der Pflege der Patienten sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass die Stärkung der Psyche bei einem ganzheitlichen Pflegeverständnis in der Praxis durchaus zu realisieren ist, weil es nicht generell einen höheren Zeitaufwand bedeutet.

 

Beispielsweise sind zu nennen:

- die Kommunikation mit Frau M. während der Pflegetätigkeiten, die über pflegebezogene Informationen hinausgeht, z.B. die Erkundigung nach deraktuellen Befindlichkeit, die Mitfreude über den Besuch von Angehörigen, den mitgebrachten Blumenstrauß oder das selbstgemalte Bild des Enkelkindes.

- das Einbeziehen der Ressourcen von Frau M. und die Anerkennung ihrer Kooperationsbereitschaft.

- das Erfassen und Eingehen auf Wünsche und Bedürfnisse von Frau M., z. B. durch das Anbieten von eigenen Hautpflegemitteln (Duschgel, Hautcreme, Make up), das Anreichen eines Spiegels nach der Haarpflege, das Anziehen des eigenen Nachthemdes.

- das Berücksichtigen der aktuellen Schmerzsituation während der Grundpflege durch Nachfragen und Blickkontakt, um auch nonverbale Signale erkennen zu können.

 

... der Einbeziehung des Patienten

In unserem Fallbeispiel ist die Einbeziehung von Frau M. aufgrund ihres körperlichen Zustandes und ihrer Kooperationsbereitschaft gut möglich. In der Praxis erleben wir natürlich auch Patienten, bei denen uns Grenzen aufgrund ihrer geistigen und physisch-psychischen Befindlichkeit gesetzt werden, etwa durch Demenz, mangelnde Compliance, starke Bewegungseinschränkung.

In der weiteren Auseinandersetzung mit diesem Aspekt ist uns bewusst geworden, dass aufgrund der hohen Bedeutung der Hygiene im Krankenhaus die Einbeziehung des Patienten in die Hygiene-Vorschriften einen höheren Stellenwert bekommen sollte. Deshalb haben wir uns überlegt, dass eine Aufklärung über die Hygienemaßnahmen bereits vor dem operativen Eingriff von Frau M. sinnvoll wäre.

In Gruppen erarbeiteten wir zwei Möglichkeiten. Wir halten ein Gespräch mit der Patientin für durchführbar, in dem Frau M. über die Bedeutung der Hygiene im Krankenhaus und ihrer speziellen Situation aufgeklärt wird.

Darüber hinaus ist es möglich, ein Merkblatt zu erstellen und der Patientin auszuhändigen. Hierin kann die Patientin die für sie relevanten Hygiene-Vorschriften nachlesen.

Sowohl die Durchführung des Gesprächs als auch die Gestaltung des Merkblatts ist zunächst in Kleingruppen erarbeitet worden. Im folgenden stellen wir die Ergebnisse vor:

 

Das Merkblatt

Das von uns entworfene Merkblatt besteht aus einem DIN-A-4-Blatt in Querformat, das so geknickt wird, dass ein handliches Faltblatt mit je drei Spalten auf der Vorder- und Rückseite entsteht. In der folgenden Tabelle sind die Inhalte dargestellt.

 

Das Aufklärungsgespräch

Zur Entwicklung einer geeigneten Form für das Aufklärungsgespräch mit der Patientin bedienten wir uns der Methode des Rollenspiels.

Eine Kleingruppe führte das Gespräch anhand des Merkblattes, die zweite Gruppe führte ein offenes Gespräch durch.

Die Auswertung der Rollenspiele im Plenum erfolgte nach zuvor festgelegten Kriterien:

- Sind alle wichtigen Aspekte der Hygiene genannt?

- Sind die Informationen für die Patientin verständlich?

- Geht die Pflegekraft auf die Gefühlslage der Patientin ein?

- Sind die Beteiligten "Partner"?

- Fehlen Ihnen Gesprächsinhalte?

Sie hat ergeben, dass bei der ersten Gesprächsform wenig Raum für Fragen der Patientin blieb und die Pflegekraft mehr auf das Merkblatt als auf die Patientin konzentriert war. Es entstand auch der Eindruck, dass die Patientin regelrecht mit Informationen überflutet wurde.

Beim offenen Informationsgespräch über die zu beachtenden Hygienemaßnahmen hatte die Patientin zwar vermehrt die Möglichkeit der Nachfrage, aber es kamen dagegen einige Aspekte nicht zur Sprache. Es war keine klare Struktur im Gespräch erkennbar, so dass wichtige Informationen von der Patientin nicht aufgenommen werden konnten.

Diese Beobachtungen führten uns zu dem Ergebnis, dass es durchaus sinnvoll ist, ein offenes Gespräch zu führen, dessen Inhalt sich nicht nur auf Hygienemaßnahmen beschränken muss. Die gesprächsführende Pflegekraft sollte jedoch die wesentlichen Inhalte des Merkblattes im Gedächtnis haben. So hat sie einerseits einen Gesprächsleitfaden und kann sich andererseits stärker der Patientin zuwenden.

Das Merkblatt sollte der Patientin nach Beendigung des Gespräches ausgehändigt werden mit dem Hinweis, sich dieses in Ruhe noch einmal durchzulesen, um gegebenenfalls nachfragen zu können.

Abschließend sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass es möglich und sinnvoll ist, Patienten in die Umsetzung der Hygiene-Vorschriften einzubeziehen. Auf unser Fallbeispiel bezogen sehen wir die Erstellung eines Merkblatts als realisierbar an, da die Hüft-Totalendoprothese einer der häufig vorkommenden operativen Eingriffe in unserem Krankenhaus ist.

Das Merkblatt soll nicht das Gespräch mit der Patientin ersetzen, sondern die Bedeutung der Hygiene für alle Beteiligten bewußter machen.

 

Schlussbemerkung

AlsFazit unserer Projektarbeit können wir zwei Erkenntnisse benennen.

1. Zum einen hat die theoretische Auseinandersetzung mit der Hygiene im Krankenhaus vor dem Hintergrund der Umsetzbarkeit in der Praxis in uns ein vertieftes Bewusstsein für die Notwendigkeit der Einhaltung hygienischer Regeln bewirkt.

2. Zum anderen ist uns besonders aufgefallen, dass Mängel im Hygieneverhalten oft in der persönlichen Einstellung ihre Ursache haben.

Insofern können wir im nachhinein sagen, dass die Auseinandersetzung mit dieser Thematik gerade für uns als Unterkursschüler/innen eine gute Wegbereitung für die zukünftige Praxis darstellt. Die Einsicht in den Stellenwert der Hygiene ist die Voraussetzung zur Vermeidung einer gedankenlosen Routine im Pflegealltag, die zu Defiziten in diesem Bereich führen.

Gerade die Umsetzung der Ergebnisse unserer Arbeit in der Praxis - das Führen eines Aufklärungsgespräches und das Aushändigen eines Merkblattes - könnte den Beteiligten die Bedeutung der Hygiene immer wieder neu bewusst machen und zur Einstellungsveränderung führen. Darüber hinaus müsste das Pflegepersonal fortlaufend innerbetrieblich zu den Fragen der Hygiene geschult werden.

 

Literatur:

Bergen, Brigitte; Klinke, Mechthild: Primärprävention im Krankenhaus, Brigitte Kunz Verlag, 1997

Schmidts-Winkler, Iris: Händedesinfektion im Gesundheitswesen, Hrsg.: Bode Chemie GmbH, 1.Aufl. Hamburg: Medi-Verlag, 1997

 

 







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